Bremen /Oldenburg Viktor Skripnik bekam das Lächeln am späten Sonnabendabend kaum noch aus dem Gesicht. „Den Trick haben wir einstudiert“, erzählte der Trainer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen jedem, der ihn auf das 2:0 durch Fin Bartels gegen den VfB Stuttgart ansprach. Zlatko Junuzovic hatte in der 57. Minute einen Eckball flach auf den Elfmeterpunkt zurückgespielt, Bartels sich im Rücken der Stuttgarter Abwehr freigelaufen und mit rechts – unter gütiger Mithilfe des Innenpfostens – ins Tor eingeschossen. „Im Training hat das nie geklappt. Gott sei Dank ist es aufgegangen“, schmunzelte Skripnik nach dem ersten Heimerfolg der Saison – und seinem dritten Erfolg im dritten Spiel als Bremer Trainer.

Der Ecken-Trick von Bremer war das vorherrschende Thema nach Werders Sieg im Kellerduell. Mit der simplen Idee, den Ball nicht hoch vor das Tor, sondern flach in den Rückraum zu spielen, hatte Skripnik die Mannschaft seines Gegenübers Armin Veh überrascht. „Zum Blöd werden“ empfand Veh diese Situation, während neben Skripnik in der Pressezone auch Werders Kapitän Clemens Fritz, Torschütze Bartels und Ecken-Hereingeber Junuzovic mit einem breiten Grinsen im Gesicht eingestanden, dass die Variante im Training von keinem Erfolg gekrönt war. „Umso schöner ist es“, sagte Fritz, „dass wir in dieser wichtigen Phase das Erprobte umsetzen konnten“, und Skripnik stellte „den Mut der Spieler“ heraus, die Variante in dieser Situation umzusetzen.

Denn der Skripnik-Trick war weit mehr als eine gelungene Eckball-Form. Er war die Entscheidung in einem bis dato völlig ausgeglichenen Spiel. Vor dem Bartels-Tor hatte Stuttgart klar mehr Ballbesitz, in der ersten Halbzeit die beiden besten Torchancen und war trotz Rückstand ebenbürtig. Nach dem Bartels-Tor hingegen strotzten die Bremer vor Selbstvertrauen, kontrollierten aus einer stabilen Defensive heraus die Partie, gewährten nun den wie geschockt wirkenden Schwaben keine Torchancen mehr und verdienten sich so die drei Heim-Punkte.

Dass auch der erste Treffer aus einer Junuzovic-Ecke resultierte, die Sebastian Prödl per Kopf vollstreckte (30. Minute), ging fast unter. „Das 1:0 war eine Absprache zwischen Sebastian und mir. Ich habe ihm vorher gesagt, dass er heute sein Ding macht“, erzählte Junuzovic. Dem Österreicher war wie seinen Kollegen nach dem ersten gegentorlosen Spiel der Saison die Erleichterung anzumerken.

Skripnik hatte nicht nur bei Eckbällen, sondern auch taktisch in die Trickkiste gegriffen. Werder spielte im Mittelfeld variabel. Bei Ballbesitz bildeten Fritz, Junuzovic, Bartels und Felix Kroos die gewohnte Werder-Raute. Sobald das Kunstleder aber verloren ging, formierten die vier Profis sich zu einer zweiten Viererkette vor der Abwehrreihe und stellten die Räume geschickt dicht. Stuttgart biss sich an diesem neuen Bremer Defensivsystem die Zähne aus. „Wir haben uns im Mittelfeld gut bewegt und versucht, den Ball laufen zu lassen“, erkannte Fritz, und Junuzovic betonte: „Wir waren immer fit, auch am Anfang der Saison. Jetzt machen wir aber weniger Fehler und schalten besser um. Das neue Trainerteam pflanzt uns das Werder-Gen ein.“

Mit zehn Punkten haben die Bremer ihren Nordrivalen Hamburger SV (9) wieder überholt. Nach der Länderspielpause kommt es am 23. November zum Nord-Kracher beim HSV. Die Bremer Fans dürfen gespannt sein, welchen Trick Skripnik für das Derby in der Hinterhand hält.


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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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