Saarlouis Versuchen Sie mal, ein Treffen mit Reiner Calmund zu organisieren. Das Freizeichen ertönt oft nur ein- oder zweimal, bis der ehemalige Manager des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen abnimmt. Dann wird man vertröstet. „Pass op’ Jung. Jerade is janz schlecht“, war in den vergangenen Wochen oft die erste Antwort. Mal stand Calmund kurz vor einem Vortrag: „Ich muss jetzt jeden Moment raus auf die Bühne.“ Mal war er unterwegs zwischen irgendwelchen anderen Terminen: „Rufen Sie die Tage nochmal an.“ Ein Treffen in den nächsten Tagen? „Quasi unmöglich.“ Calmund ist kurz vor seinem 70. Geburtstag am Freitag kein bisschen ruhiger geworden.

Es kommt dann immerhin ein schriftliches Interview zustande. Es ist zwar schon mehr als 14 Jahre her, dass Calmunds Karriere im Profifußball bei Bayer 04 zu Ende ging. Doch seine Umtriebigkeit ist seitdem gefühlt genauso hoch geblieben wie sein Gewicht. Calmund sei damals schon ein „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“ gewesen, wie der „Kicker“ ihn kurz vor seinem runden Geburtstag beschreibt. Der 69-Jährige selbst sagt über sich: „Ich bin hyperaktiv, Zeit meines Lebens.“ Und: „Für den Ruhestand bleibt immer noch Zeit.“

Diese Zeit hat er bisher noch nicht gefunden, weil er sie auch nie gesucht hat. Als im Sommer 2004 seine Zeit in Leverkusen endet, widmet Calmund sich neuen Projekten: Seitdem schrieb er zwei Bücher, trat in Kochshows auf, hielt Vorträge und ließ die Öffentlichkeit über das Fernsehen an den Versuchen zu einer Diät teilhaben. „So einen gewalkten Halbmarathon in der Elefantenklasse, während links und rechts die Gazellen dich überholen – das hat schon etwas“, sagt er. Gelassenheit und Humor sind ihm mit zunehmendem Alter ebenfalls nicht verloren gegangen. Auch die Sprüche sind geblieben. Calmund ist mit sich im Reinen.

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Dabei ist auch beim „Rentner mit den 13 Jobs“ („Die Welt“) nicht immer alles so gelaufen, wie er sich das gewünscht hätte. Die Hintergründe seines plötzlichen Abschieds von Bayer Leverkusen 2004 sind bis heute nicht vollumfänglich bekannt. Zudem ärgert es ihn immer noch, dass der Club sich während seiner Zeit einen Namen als „Vizekusen“ machte, weil er mehrere Male nur ganz knapp den Meistertitel verpasste. In Erinnerung von Calmund bleibt in Leverkusen aber vor allem das, was er aus dem Werksverein gemacht hat: ein etabliertes Mitglied der Fußball-Bundesliga.

Das gelang auch, weil Calmund schon in den 80er Jahren den brasilianischen Spielermarkt entdeckt hatte. 1987 wurde Tita der erste Brasilianer, den Calmund ins Rheinland holte. „Kleines, dickes Bandito“ nannte der Angreifer den Manager bei seinem Abschied aus Leverkusen ein Jahr später. Und auch all die anderen Anekdoten von Calmunds Wirken in Südamerika beschreiben vielleicht am besten die Schlitzohrigkeit, mit der er über Leverkusen hinaus zur Kultfigur wurde. Calmund sei „der gefürchtetste Kopfjäger der Branche“, schrieb der „Spiegel“ schon 1993 in einem Artikel mit der Überschrift „Tricks von Onkel Reiner“.

„Der Reiner ist mehrfach chemisch gereinigt“, sagt sein langjähriger Wegbegleiter und Freund Christoph Daum. Das bedeutet: Calmund ist mit allen Abwassern gewaschen. Mit den Verpflichtungen von späteren Weltklasse-Spielern wie Lucio, Emerson oder Zé Roberto bescherte „Calli“ den Leverkusenern nicht nur spielerischen Glanz, sondern teils auch sensationelle Erlöse beim späteren Verkauf. „Ein Wahnsinnsjob“ sei seine Zeit in Leverkusen gewesen, erzählt Calmund. „Viel Stress, aber tausend Mal mehr Freude.“

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Auf den Feiern zu seinem runden Geburtstag werden einige dieser Geschichten vielleicht wieder aufkommen. Calmund hat doppelt eingeladen. Am Freitag wird er in seiner neuen Heimat Saarlouis im engsten Familienkreis feiern. Aber Reiner Calmund wäre wohl kaum er selbst, wenn er parallel dazu nicht auch etwas Großes geplant hätte: Denn die eigentliche Sause zu seinem 70. steigt am Sonntag. Im XXL-Format: Dann sind Freunde, Familie und Weggefährten aus vielen Jahren Profifußball ins Phantasialand eingeladen, einen Freizeitpark in der Nähe von Köln.

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