Oldenburg In sportlicher Hinsicht ist es beim Fußball-Regionalligisten VfB Oldenburg in den vergangenen Wochen nach oben gegangen. Das Team von Trainer Marco Elia belegt inzwischen den siebten Platz – danach hatte es nach einem schwachen Saisonstart beileibe nicht ausgesehen.

Dafür gibt es beim Viertligisten aber Ärger in der Fanszene. Der Verein „VfB für Alle“ erhebt dabei Vorwürfe gegen den Vorstand um dessen Vorsitzenden Klaus Berster und Geschäftsführer Benjamin Doll. Die Organisation fühlt sich nicht nur unzureichend unterstützt, sondern sogar in ihrer Arbeit behindert.

Preis vom DFB erhalten

„VfB für Alle“ setzt sich laut Selbstbeschreibung für ein gesellschaftliches Miteinander ein, das frei ist von jeglicher Gewalt und Diskriminierung. 2015 wurde der Verein vom Deutschen Fußball-Bund mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Dieser Preis, der an den im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch (1892 - 1943) erinnert, wird an Projekte vergeben, die sich gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit einsetzen.

Am Sonntag kommt Hannover 96 II

Das letzte Punktspiel in diesem Jahr bestreitet der VfB Oldenburg an diesem Sonntag. Dann tritt die Mannschaft von Trainer Marco Elia um 14 Uhr im Marschwegstadion gegen Hannover 96 II an. Laut Spielplan findet die nächste Partie am Sonntag, 24. Februar (14 Uhr), bei Germania Egestorf-Langreder statt.

Im Oktober hatten laut „VfB für Alle“ mehrere Fangruppen im Marschwegstadion auf Spruchbändern gegen die AfD protestiert. Grund war, dass der niedersächsische Landesverband der Partei am letzten Oktoberwochenende seinen Parteitag in Oldenburg abhielt.

Einige dieser Transparente wurden auf Anweisung des VfB-Sicherheitsbeauftragten entfernt. „VfB für Alle“ respektiert in einer Erklärung, dass sich der VfB Oldenburg als Verein politisch und konfessionell neutral verhalten müsse. „Wir hätten uns an dem Wochenende, an dem der Parteitag stattfand, zumindest eine Positionierung für Menschenrechte und gegen rechte Hetze gewünscht, wie es viele andere Vereine und Institutionen in Oldenburg gemacht haben“, heißt es in der Erklärung. Eine solche Positionierung habe es durch den Verein VfB Oldenburg aber leider nicht gegeben. Und noch schlimmer sei, dass die AfD-kritischen Transparente entfernt worden seien.

Der VfB Oldenburg hat inzwischen auf die Vorwürfe reagiert und diese zurückgewiesen. „Die gezeigten Bannerinhalte wie ,Fuck AfD‘ oder ,AfD weggrätschen‘ sind beleidigend oder im zweiten Fall ein klarer Aufruf zur Gewalt“, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung, die von Vorstand, Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Sportlicher Leitung unterzeichnet ist: „Diese Inhalte sind mit dem Selbstverständnis eines Sportvereins, der sich als politisch und konfessionell neutral versteht, nicht vereinbar.“

„VfB für Alle“ kritisiert zudem, dass der VfB Oldenburg am Folgetag eine Mitteilung herausgab, wonach schriftliche Äußerungen auf Spruchbändern im Stadion nicht mehr zugelassen würden. Die Fan-Organisation kann nicht verstehen, dass nun „Banner, Spruchbänder und Choreographien, die über die Selbstdarstellung der Fangruppen hinausgehen, zukünftig beim Verein angemeldet werden müssen“. Nicht angemeldete Banner oder Choreographien würden laut VfB Oldenburg zukünftig entfernt.

Kritik an zwei Gruppen

Auch hierzu nimmt der Club Stellung. „Tatsächlich besteht kein generelles Verbot von Bannern oder Transparenten“, heißt es in der Erklärung. Selbstverständlich könnten diese auch weiterhin gezeigt werden, allerdings sollen die Inhalte vorher dem Verein oder dem Sicherheitsbeauftragten mitgeteilt werden. Dies sei, so der VfB Oldenburg, auch keine neue, sondern eine gängige Praxis.

Letztlich kritisiert „VfB für Alle“ auch, dass der Regionalligist nicht kritischer mit zwei Fangruppierungen umgehe. Die „Ammerländer Jungs“ und „Suburban“ werden von „VfB für Alle“ als „rechtsoffen“ bezeichnet. Der VfB Oldenburg setzt dem entgegen, dass er sich bei szenekundigen Polizeibeamten über die Gruppierungen informiert habe. Diese Beamten hätten den Vorwurf der „Rechtsoffenheit“ aber nicht bestätigt.

Der VfB Oldenburg betont, dass er sich als weltoffener Verein verstehe. Dass entgegen einer Ankündigung im Marschwegstadion derzeit keine Informationen aushängen würden, die auf das Verbot des Tragens von Kleidung mit bestimmten Abzeichen oder Schriftzügen hinweisen, erklärt der Club wie folgt: Da sich die Anzahl der Symbole vergrößert habe, müssten diese Schilder derzeit überarbeitet werden. Sobald dies geschehen sei, würden sie an Spieltagen aufgehängt.

Hauke Richters
Leitung
Sportredaktion

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