Frage: Herr Schmedes, wussten Sie nach dem Ziehen des Loses „VfL Oldenburg“ sofort, gegen welche Oldenburger Mannschaft Sie da mit dem VfL Osnabrück spielen? Auswärtige kommen in dieser Saison, in der der VfB und der VfL Oldenburg in einer Liga spielen, gern mal durcheinander.
Benjamin Schmedes: Damit hatte ich überhaupt keine Probleme. Der VfL ist gerade von der Ober- in die Regionalliga aufgestiegen. Außerdem kenne ich das Stadion. Während meiner Zeit im Nachwuchs von Werder Bremen habe ich auch mal an der Alexanderstraße gespielt.

Kenner des norddeutschen Fußballs

Benjamin Schmedes (33) stammt aus Hannover und spielte in der Jugend von Hannover 96 und von Werder Bremen. Er absolvierte ein Masterstudium in Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Er arbeitete in mehreren Funktionen beim Hamburger SV, ehe er Ende 2017 Sportdirektor beim VfL Osnabrück wurde.

Der Sieger des Pokalspiels VfL Oldenburg - VfL Osnabrück erreicht das Viertelfinale. In diesem ist am 3. Oktober der BSV Rehden der Gegner.

Frage: Ich sehe, Sie sind bestens vorbereitet. Was muss denn der VfL Oldenburg über den Drittligisten VfL Osnabrück wissen?
Schmedes: Die vergangene Saison war enttäuschend, für uns ist sie aber abgeschlossen. In der Sommerpause haben uns 17 Spieler verlassen, wir haben 13 Neuzugänge verpflichtet. Man kann also von einer ganz neuen Mannschaft sprechen. Und diese Mannschaft um Trainer Daniel Thioune präsentiert sich bislang sehr positiv.
Frage: Der VfL Osnabrück hat ein riesiges Fanpotenzial, die Stadt gilt als fußballverrückt. Warum schafft es der Verein nicht, dauerhaft weit oben – beispielsweise in der 2. Liga – zu spielen?
Schmedes: Ich möchte nicht darüber reden, was in der Vergangenheit vielleicht nicht so gut gelaufen ist, sondern vielmehr über die Gegenwart und Zukunft. In der Etattabelle der 3. Liga sind wir eher im unteren Mittelfeld angesiedelt. Und es gibt nun mal einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Möglichkeiten und sportlichem Erfolg. Dennoch merken wir gerade jetzt wieder, welch große Begeisterung um den VfL Osnabrück herrschen kann. Es ist schön, das zu sehen.
Frage: Das Team ist sehr gut in die Saison gestartet und belegt nach vier Spielen den vierten Platz. Wo landen Sie am Saisonende?
Schmedes: Wir geben keine Tabellenplätze als Ziel aus. Wir wollen es in dieser Saison einfach besser machen als in der vergangenen. Dabei ist uns insbesondere die Art und Weise wichtig.
Frage: Sie selbst sind Ende vergangenen Jahres vom Hamburger SV zum VfL Osnabrück gekommen. Damals stand der Abstieg des HSV bei Weitem noch nicht fest. Warum sind Sie also von der Bundesliga in die 3. Liga gegangen?
Schmedes: Ich war Chefscout beim HSV, war also eine Art Zulieferer. Es hatte sich dann die Möglichkeit ergeben, in Osnabrück Sportdirektor zu werden. So ging es zwar sportlich betrachtet zwei Ligen nach unten. Innerhalb der Vereinsstruktur und der Verantwortlichkeit war es aber ein Sprung nach vorn. Als Sportdirektor bin ich für den gesamten sportlichen Bereich verantwortlich. Dieser Schritt hat mich gereizt.
Frage: Der VfL Osnabrück ist innerhalb der Stadt der klar führende Fußballclub. In Oldenburg, das etwa so groß ist wie Osnabrück, ist die Situation mit zwei konkurrierenden Regionalligisten eine andere. Würden Sie als Außenstehender eine Zusammenarbeit der beiden Vereine im Herrenbereich empfehlen? Im Jugendbereich gibt es diese im JFV Nordwest bereits seit einigen Jahren.
Schmedes: Das ist schwierig zu beantworten. Rational betrachtet wäre es natürlich sinnvoll, die besten Spieler aus beiden Vereinen zu nehmen und daraus eine Mannschaft zu bilden, sich also auf einen starken Standort zu fokussieren. Aber jeder dieser Vereine hat seine Tradition und sein Umfeld. Damit muss man sehr behutsam umgehen. Wir würden auch nie auf die Idee kommen, mit den Sportfreunden Lotte, die zehn Kilometer außerhalb von Osnabrück beheimatet sind und ebenfalls in der 3. Liga spielen, zu fusionieren. Das geht einfach nicht. Und zum anderen kann eine Rivalität zwischen zwei Vereinen in einer Stadt ja auch sehr erfrischend sein. Das habe ich während meiner Zeit in Hamburg erlebt, wobei die Stadt natürlich eine andere Größe hat.
Frage: Im Niedersachsenpokal scheiterte der VfL Osnabrück in der vergangenen Saison im Halbfinale an der Spielvereinigung Drochtersen/Assel. Durch den Finaleinzug stand für Drochtersen die Teilnahme am DFB-Pokal fest, in diesem spielt das Team in der ersten Runde gegen Bayern München. Tut es noch weh, wenn Sie daran denken, dass das Ihr Gegner hätte sein können?
Schmedes: Es hat generell weh getan, dass wir uns nicht für den DFB-Pokal qualifiziert haben. Das wäre emotional und auch wirtschaftlich sehr attraktiv gewesen. Dass Drochtersen nun gegen den FC Bayern spielt, gönne ich dem Verein. Das verursacht bei mir keinen zusätzlichen Schmerz.
Frage: An diesem Mittwoch treten die Osnabrücker beim VfL Oldenburg auf Kunstrasen an. Ist das ein Vorteil für den Regionalligisten?
Schmedes: Im gewohnten Umfeld vor den eigenen Fans zu spielen, ist immer ein Vorteil für die Heimmannschaft. Der Kunstrasen spielt dabei aber keine große Rolle. Wir haben den Anspruch, unsere Leistung abzurufen, um in die nächste Runde einzuziehen – egal auf welchem Untergrund.
Hauke Richters
Leitung
Sportredaktion

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