München Bayern München, Juventus Turin, Paris Saint Germain – für diese Kombiwette gibt es schon seit Jahren keine großen Gewinne mehr. Juventus Turin sicherte sich am Wochenende zum neunten Mal in Serie den Titel in Italien, die Bayern holten sich zuvor zum achten Mal nacheinander die Meisterschaft in der Bundesliga, und Paris stand in Frankreich zum siebten Mal in den vergangenen acht Jahren in der Tabelle ganz oben. Wenn es um den nationalen Titel geht, herrscht in Europas Top-Ligen gähnende Langeweile. Zumal sich auch in Spanien nur Real Madrid und der FC Barcelona munter abwechseln. Nur in England ist die Kandidatenliste mit dem FC Liverpool, Manchester City, FC Chelsea und Manchester United etwas breiter.

Faktor TV-Gelder

Der Grund für die Monotonie – das liebe Geld. Weshalb in Deutschland gerade wieder eine hitzige Debatte läuft, wie die Fernsehgelder am gerechtesten verteilt werden sollten, um etwas mehr Wettbewerb in die Liga zu bekommen. „Wir sprechen seit Jahren davon, dass die Schere zwischen den Vereinen immer weiter auseinandergeht, wir unternehmen aber nichts dagegen“, klagte Düsseldorfs Vorstandsboss Thomas Röttgermann.

Rund 70 Millionen Euro sollen die Bayern in der nächsten Saison aus der nationalen Vermarktung der TV-Gelder erhalten, etwa elf Millionen Euro mehr als die aufstrebende Hertha aus Berlin und 40 Millionen Euro mehr als Aufsteiger Arminia Bielefeld.

Faktor Königsklasse

Die Hauptursache dafür, dass sich Bayern, Juventus und Paris vom Rest ihrer nationalen Ligen entfernen, liegt im explosionsartigen Anstieg der Erlöse aus der Königsklasse. „Die Umsätze der Champions League sind immer größer geworden. Immer weniger Topclubs bekommen einen größeren Anteil“, beschreibt Stefan Ludwig, Leiter der Sport Business Gruppe bei der Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte das Dilemma. Die Ausschüttungen in den Uefa-Wettbewerben sind von der Saison 2010/11 bis zur Saison 2018/19 jährlich um durchschnittlich 13,8 Prozent gestiegen. Von 0,9 Milliarden Euro auf 2,54 Milliarden Euro – wovon 2018/19 allein 1,98 Milliarden Euro auf die Clubs in der Königsklasse entfielen. „Keine andere Sportart generiert so viele Einnahmen aus der Vermarktung eines internationalen und ligaübergreifenden Wettbewerbs“, so Ludwig.

Faktor Uefa-Reform

Die große Champions-League-Reform zur Saison 2018/19 hat das Auseinanderklaffen der Schere noch vergrößert. Auf Druck der Topclubs und aus der Angst, diese könnten sich in einer eigenen Europaliga zusammenschließen, entschied sich die Uefa für Maßnahmen, die die Dominanz der Spitzenvereine weiter zementiert hat. Vier sichere Startplätze haben seitdem die vier Eliteligen aus Spanien, Deutschland, England und Italien. Zudem beschloss die Uefa eine Umverteilung der Erlöse zugunsten der Topclubs, indem sie neben Startgeld, Erfolgsprämien und Geldern aus dem sogenannten Marktpool, der abhängig vom Wert der nationalen TV-Rechte für die Uefa-Wettbewerbe ist, eine vierte Säule einführte. Abhängig von den Erfolgen der Vergangenheit steigen die Einnahmen der Clubs. Wer erfolgreich ist, bekommt also noch mehr Geld und wird damit noch erfolgreicher.

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