Meppen /Oldenburg Es war Mitte Mai, als beim SV Meppen die Nachricht von der Rückkehr zum Feierabendfußball die Runde machte. Ein großer Sponsor hatte sich zurückgezogen, der Verein war zu einer Etatkürzung um etwa 15 Prozent gezwungen und nicht Wenige befürchteten, dass der traditionsreiche Club dauerhaft im Mittelmaß der 4.  Liga verschwinden könnte.

Vier Monate später sieht alles anders aus. Mit sieben Siegen aus sieben Partien haben die Emsländer einen furiosen Start in der Regionalliga Nord hingelegt und stehen mit 21:6 Toren an der Spitze – der beste Saisonauftakt seit mehr als 30 Jahren. Am Sonntag betrat der SVM mal wieder deutschlandweit die große Bühne, das 2:1 beim VfB Lübeck wurde live auf Sport 1 übertragen. An so einen Schauplatz würden sich die Meppener fraglos gern gewöhnen, schließlich gäbe es in der 3. Liga regelmäßig Fernsehzeiten, die weitere Sponsoren anlocken.

„Wir haben Spaß“ fasste Trainer Christian Neidhart die Situation vor einigen Tagen zusammen. „Es läuft richtig gut, wir haben unsere weiße Weste bewahrt“, sagte Dennis Geiger, der mit einem Fallrückzieher die Führung in Lübeck erzielt hatte, nach dem Sieg an der Lohmühle.

Meisterschaftsansprüche stellen sie in der 35 000-Einwohner-Stadt nahe der niederländischen Grenze aber noch nicht. Zu überraschend kam der makellose Start, zu dem ein 3:0 gegen Flensburg und ein 5:1 in Rehden zählten. Weil Vorjahresmeister VfL Wolfsburg II (9 Punkte), Vorjahres-Vize VfB Oldenburg (8) sowie die erfahrenen Flensburger (14) aber schon viele Punkte liegen lassen haben, rücken die Meppener immer mehr in die Favoritenrolle. Nur das Überraschungsteam aus Lüneburg (19) kann Schritt halten.

Auf der Homepage des Vereins sprechen die Meppener zwar von einem „unglaublichen Lauf“. Ganz so zufällig ist der Erfolg aber beileibe nicht. Trotz der Etatkürzung zählen die Emsländer nämlich immer noch zu den finanzstärksten Teams der Liga. Der Etat soll bei knapp über einer Million Euro liegen.

Immerhin hatte Meppen zum Beispiel im Sommer die Möglichkeit, Thilo Leugers zu verpflichten. Der gebürtige Lingener wurde unter anderem in der Jugend von Twente Enschede ausgebildet. In der starken Offensive wirbelt Martin Wagner, der aufgrund seiner Dribbelstärke „Emsland-Messi“ genannt wird. Und Zugang Benjamin Girth (von Hessen Kassel) gehört mit fünf Toren zu den treffsichersten Spielern der Liga. Patrick Posipal, der Enkel von Jupp Posipal, der 1954 mit Deutschland Weltmeister wurde, spielt dagegen bisher eher eine Nebenrolle.

Worauf sich der SVM ähnlich wie der VfB Oldenburg verlassen kann, ist die Unterstützung der Fans. 1668 Zuschauer kamen bisher im Schnitt zu den Heimspielen, der VfB als Spitzenreiter in dieser Kategorie kommt auf 1681 Besucher pro Partie.

Darüber, ob die Meppener wirklich ein ernsthafter Titelanwärter sind, könnten schon die nächsten Tage Aufschluss geben. An diesem Freitag (19.30 Uhr) ist DFB-Pokal-Teilnehmer SV Drochtersen/Assel zu Gast, fünf Tage später geht es gegen den Zweiten Lüneburger SK. Wieder nur drei Tage darauf geht es zum Vorjahresmeister Wolfsburg II.

Das Derby gegen den VfB Oldenburg ist derweil für den 23. Oktober terminiert – sollte Meppen dann ganz oben stehen, ist eine drittligareife Kulisse garantiert.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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