Hamburg Beim Hamburger SV wird alles anders. Der Fußball-Bundesligist gründet sich in eine Aktiengesellschaft um und ist dann kein Bestandteil mehr des 33 Sparten umfassenden Gesamtvereins. Die übrigen Abteilungen dürfen das Vereinslogo aber weiterhin nutzen.

86,9 Prozent der anwesenden 9702 Mitglieder stimmten am Sonntag bei der Versammlung im HSV-Stadion für die Ausgliederung, nur 13,1 Prozent waren dagegen. Gereicht hätten für HSV Plus bereits 75 Prozent. „Ich bin überwältigt“, sagte Ernst-Otto Rieckhoff, Initiator von HSV Plus.

Die Fußball-AG HSV öffnet sich damit für Investoren. Einer ist Milliardär Klaus-Michael Kühne. Er will rund 20 Millionen Euro in die Fußball-Abteilung stecken. Andere Anteilskäufer werden gesucht. Vorerst maximal 24,9 Prozent am AG-Besitz sollen veräußert werden, mindestens 75,1 Prozent bleiben in Besitz des Gesamtvereins. „Wir wollen keine Investoren, die es auf Finanzrendite abgesehen haben“, sagte Joachim Hilke, Mitglied des alten Vorstandes und Kandidat für den neuen zweiköpfigen AG-Vorstand.

Zu wenig Geräte

Der HSV verfügte bei der Abstimmung über das Reformpaket lediglich über 6500 elektronische Abstimmgeräte. Es kamen aber deutlich mehr Mitglieder in die WM-Arena, nämlich 9702. Wer abgestimmt hatte, reichte das Gerät an seinen Nachbarn weiter. Wegen der Eingabe der registrierten Mitgliedernummern sei keine unerlaubte Mehrfachabstimmung möglich gewesen, erklärte ein Sprecher. Die befürchtete Mammutsitzung blieb am Sonntag aus, da die Abstimmung über die Ausgliederung vorgezogen worden war.

Nach der katastrophalen Saison mit dem knapp verhinderten Abstieg des einstigen Europacup-Siegers war die Bereitschaft der Fans zugunsten der Ausgliederung gestiegen. Bereits vier Monate zuvor bei der Auswahl eines künftigen Konzeptes hatte die Initiative HSV Plus mit 79,4 Prozent die Mehrheit erhalten. Nach der schlechtesten Saison in der HSV-Geschichte waren Fans und Mitglieder zum tiefgreifendsten Umbruch in der 127-jährigen Geschichte des hanseatischen Traditionsvereins bereit.

Selbst das bisherige Vereinsgut Mitsprache der Fans wurde geopfert für die Hoffnung auf Kapitalzufluss und auf längst verlorene Konkurrenzfähigkeit in der deutschen Eliteliga. Einen Weg wie Bayern München mit starken strategischen Partnern an der Seite wolle man einschlagen, sagte Rieckhoff vor Kurzem.

Jetzt folgt der Total-Umbau der Gremien. Der alte Aufsichtsrat muss geschlossen abtreten. An seine Stelle tritt ein neues sechsköpfiges Gremium. Sein Chef wird Karl Gernandt sein, der Verwalter im Logistik-Unternehmen des Investors Kühne. In den Rat sollen die Ex-Profis Thomas von Heesen und Peter Nogly den sportlichen Sachverstand einbringen. Klitschko-Manager Bernd Bönte ist für die Vermarktung zuständig. Den Kontakt zur Wirtschaft und den Banken sollen die Unternehmer Felix Goedhart und Dieter Becken knüpfen. Der Rat ist offiziell im Amt, wenn die AG ins Handelsregister eingetragen wird.

Der bisherige Vereinsvorsitzende Carl Jarchow ist damit in Kürze HSV-Geschichte. Er musste das Ausgliederungskonzept vortragen, das ihn abschafft. Im künftigen Vorstand der Fußball-AG spielt er keine Rolle mehr. Auch die Zukunft des bisherigen HSV-Sportdirektors Oliver Kreuzer ist nach der Entscheidung vom Sonntag ungewiss.

Kandidat für den Posten des Vorstands-Vorsitzenden ist der frühere HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer. Der Ex-Profi steht noch bis 2015 als Sportdirektor bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag. Es hat aber bereits Gespräche zwischen HSV Plus und dem 50-Jährigen gegeben.

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