Hamburg Heribert Bruchhagen? Abgesetzt! Jens Todt? Freigestellt! Bernd Hollerbach? Gefeuert! Die Chaostage in Hamburg gehen weiter. Vier Tage nach dem Vorstandsboss und dem Sportchef musste beim Fußball-Bundesligisten HSV nun auch Trainer Hollerbach seinen Posten räumen. Für ihn übernimmt Bundesliga-Neuling Christian Titz. „Ich bin natürlich sehr enttäuscht“, sagte Hollerbach dem „Hamburger Abendblatt“. Bezeichnend: Der Franke erfuhr von seinem Rauswurf wohl erst, als die Nachricht im Internet längst die Runde machte.

„Wir haben die sportliche Gesamtlage nach dem 0:6 in München intensiv analysiert und diskutiert“, sagte der kommissarische Vorstandschef Frank Wettstein. Am Ende sei er zusammen mit dem neuen Präsidenten und Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann und Bernhard Peters, Direktor Sport, zur „Überzeugung gelangt, dass wir im Hinblick auf unsere Chancen im Kampf um den Klassenerhalt handeln mussten“. Hollerbach hätten „positive Ergebnisse gefehlt“.

Unter der Führung von Hoffmann hat der HSV damit binnen fünf Tagen die komplette Führungsmannschaft ausgewechselt. Sieben sieglose Wochen durfte Hollerbach beim HSV herumwursteln, die Rettung wurde ihm nach dem Debakel bei Bayern München nicht mehr zugetraut.

Stattdessen soll der bisherige U-21-Coach Titz den Dino an den letzten acht Spieltagen vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren. Dafür wurde er mit allen Befugnissen ausgestattet. „Sollte das neue Trainerteam Spieler identifizieren, die sich nicht mit ausreichend Engagement den Zielen widmen, kann es rigoros durchgreifen“, sagte Wettstein.

Titz ist in dieser Saison nach Hollerbach und Markus Gisdol der dritte Coach auf der HSV-Trainerbank. In Thomas von Heesen wurde ihm ein erfahrener Ex-Profi als Berater zur Seite gestellt, der bis auf Weiteres die Aufgaben des geschassten Todt übernehmen wird. Der Vertrag von Titz gilt nur bis Saisonende.

Die Clubspitze im Schwebezustand, die Mannschaft zerstritten, die Fans zwischen Resignation und Aggression: Die Atmosphäre beim HSV ist irgendwo zwischen vergiftet und hochexplosiv. Ob ausgerechnet der unerfahrene Titz für neue Ordnung im Wirrwarr sorgen kann, darf bezweifelt werden.

Dennoch klammert der Verein seine letzten Hoffnungen an den 46-jährigen gelernten Betriebswirt, der die Reserve an die Tabellenspitze in der Regionalliga Nord führte. Titz wird an diesem Dienstag sein erstes Training im Volkspark leiten und im Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Hertha BSC auf der Bank sitzen. Dann besteht Siegpflicht: Nach 13 Spielen ohne Dreier beträgt der HSV-Rückstand zum Relegationsplatz sieben Punkte.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.