Im Nordwesten Das Virus Covid-19 hat den Fußball deutschlandweit zum erliegen gebracht. In den Medien wird über die Auswirkungen auf den Profifußball diskutiert, Experten - darunter auch viele selbsternannte – diskutieren auf allen Kanälen über eine mögliche Weiterführung oder den Abbruch der Spielzeit. Wir haben uns einmal an der Basis umgehört und verschiedene Vereine von der Kreisliga bis zur Landesliga um ihre Einschätzung gebeten. Im dritten Teil geht es um die Planungen für die kommende Saison und die Solidarität der Vereine untereinander.

Trotz der Pause ruhen aber nicht die Kaderplanungen der Vereine. „Das ist eine der wenigen Aufgaben, die trotz der Unterbrechung möglich ist“, sagt Oppenländer. Auch beim Kreisligisten aus Sande gehen die Planungen unverändert weiter. Hier wird bekanntlich zur neuen Saison Marcel Apitz das Team trainieren. „Natürlich gehen die Planungen weiter und man bleibt wachsam“, sagt Michael Janßen, der zusammen mit Apitz in der kommenden Spielzeit das Trainerduo bilden wird. Auch in Leer hat man bereits die Planungen für die kommende Saison in Angriff genommen. „Der VfL Germania Leer hat ja bereits mit Mike Mücke und Tobias Böhmann die beiden ersten Neuzugänge für die kommende Saison bekannt gegeben. Wir sind auch noch mit weiteren Spielern wegen eines Wechsels in Gesprächen. Was aber noch viel wichtiger ist: Unser bestehender Kader hat schon fast komplett für die kommende Saison verlängert. Das Grundgerüst steht also bereits. Und wir haben Vertrauen in diesen Kader, der diese Saison schon so viele überzeugende Spiele gezeigt hat. Allerdings ist diese Vorgehensweise völlig unabhängig vom Coronavirus. Es ist wahrscheinlich für die meisten Vereine normal, bereits in der Winterpause die Weichen für die neue Saison zu stellen.“ Auch beim Tabellenführer der Kreisliga Jade-Weser-Hunte, dem VfL Oldenburg II, hat es schon Gespräche gegeben. „Co-Trainer Cassian Klammer und ich haben schon mit einigen Jungs gesprochen und sind bis jetzt zufrieden. Die Gesundheit steht an erster Stelle und ich denke, dass wir sehr flexibel in alle Richtungen handeln müssen, egal ob es um Neuzugänge und Abgänge geht.“ Lediglich in Ahlhorn hält man sich noch zurück. „Personelle Planungen laufen nicht an. Erst müssen wir sehen, wie es denn weitergeht“, erklärt Servet Zeyrek. Für den Tabellenzweiten der Kreisliga IV besteht bei einem Sechs-Punkte-Rückstand auf Spitzenreiter SV Atlas Delmenhorst II und bereits drei mehr ausgetragenen Spielen allerdings nur noch eine theoretische Chance auf den Aufstieg. Auch in Brake arbeitet man am Kader für die nächste Saison. Allerdings gibt es laut Jasper noch viele offene Punkte. „Wir befanden uns in der Phase der Saison, in denen natürlich auch die Personalplanungen angestoßen wurden. Das kann auch jetzt nicht komplett ruhen, da es irgendwann definitiv weitergehen wird. Aber natürlich herrschen auch bei diesem Thema noch viele Unklarheiten. Auch hier ist es im Prinzip so, dass die Zeit angehalten wurde.“

Für viele kleinere Vereine ist die erzwungene Zwangspause aber auch ein wirtschaftliches Problem. Es gibt keine Zuschauereinnahmen, die heiß geliebte Bratwurst bleibt kalt und wird nicht verkauft. Es ist zwar nicht so, dass Vereine durch die zur Zeit herrschende Krise in Insolvenz gehen müssen, trotzdem ist jeder Cent für diese Vereine wichtig. Nicht zu vergessen auch die soziale Komponente, wenn man seinen Nachbarn auf dem Fußballplatz für ein kurzes Gespräch trifft. „Es zeigt sich, wie sehr Fußball ein Wochenende bereichert. Ich denke, dass Fans, Spielern, Trainern und Offiziellen gerade richtig bewusst wird, welch wichtige Rolle der Fußball in unserem Leben einnimmt. Das merkt man immer erst, wenn etwas fehlt. Aber zugleich sollte jedem auch bewusst werden, dass es Dinge gibt, die so viel wichtiger sind als Fußball. Und das müssen wir alle gerade schmerzlich erfahren. Denn die Wichtigkeit des Sports wird neben den aktuellen Ereignissen so verschwindend gering. Wir sollten auch nach Bewältigung der Krise in den Vereinen Werte wie Solidarität und Empathie viel mehr in den Fokus rücken als sportliche Erfolge.“ Auch beim VfL II ist der Aspekt des Sports weit nach hinten gerückt. „Die Gesundheit steht an erster Stelle und wir sollten versuchen, jeden Tag zu genießen.“ Rolf Oppenländer gibt zu bedenken, dass die Folgen noch nicht abzusehen sind. „Am Ende wird sich zeigen, wie Solidarität gelebt wird. Derzeit sind alle Mannschaften und Vereine erst einmal damit beschäftigt, die Pause zu gestalten. Dennoch sind durchaus wirtschaftliche Folgen noch nicht absehbar. Erst in ein paar Wochen wird sich das gesamte Ausmaß für den Amateurfußball zeigen.“ Das Schlusswort hat Stefan Jasper. „Schlussendlich ist es doch gar nicht wirklich wichtig, wie die Saison weitergeht. Wichtig ist, dass alle gesund bleiben und dass alles dafür getan wird. Wenn man etwas Gutes ausmachen möchte, dann sicherlich die Tatsache, dass unserer teilweise verrückt gewordenen Gesellschaft gerade das Tempo genommen wird. Was den Fußball angeht, hoffe ich, dass man am Ende feststellt, dass man auf gesellschaftliche Probleme flexibel und angemessen reagieren konnte. Ich denke auch, dass es den Fußball einen wird, wenn alle am Ende gleichbehandelt werden und keiner Mannschaft ein Nachteil durch sportpolitische Entscheidungen entsteht.“

Andreas Kempe Nordwest-Fußball / Autor
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