Im Nordwesten Das Virus Covid-19 hat den Fußball deutschlandweit zum erliegen gebracht. In den Medien wird über die Auswirkungen auf den Profifußball diskutiert, Experten - darunter auch viele selbsternannte – diskutieren auf allen Kanälen über eine mögliche Weiterführung oder den Abbruch der Spielzeit. Wir haben uns einmal an der Basis umgehört und verschiedene Vereine von der Kreisliga bis zur Landesliga um ihre Einschätzung gebeten. Im zweiten Teil erklären die Verantwortlichen, ob sie gegen unbequeme Maßnahmen des NFV Einspruch einlegen würden und welche Belastungen auf die Spieler in der jetzigen Situation zukommen.

Mario Rauch denkt in der jetzigen Situation noch einen Schritt weiter: „Vielleicht ist das aber jetzt auch die Chance, endlich vom bisherigen Saisonverlauf umzustellen auf eine Saison, die von April bis November gespielt wird. In Schweden wird das zum Beispiel auch in der Profiliga Allsvenskan gemacht und man geht schlechtem Wetter bestmöglich aus dem Weg.“ Genauso denkt Brakes Trainer Jasper. „Hierbei wäre die Umstellung auf eine Jahressaison sicherlich eine Möglichkeit, um dem Ganzen ein wenig den Zeitdruck zu nehmen. Diese Pläne beziehungsweise Vorstellungen gibt es ja schon länger aufgrund der ständigen Spielausfälle im Winter und Frühjahr.“ Hier würde es aber vermutlich starke Kollisionen mit dem Rahmenterminplan des DFB geben.

Allen Befragten ist klar, dass im Falle einer Weiterführung der Saison auf die Vereine und die Spieler ungewohnte Belastungen zukommen würden. In Ahlhorn zeigt man demonstrative Gelassenheit. „Wir hoffen natürlich alle, dass es bald wieder los geht, doch derzeit steht alles in den Sternen. Wir können nur die Zeit abwarten.“ In dasselbe Horn stößt Stefan Jasper: „Wie schon gesagt, ich halte eine Lösung, in der man fernab von Zeitdruck wäre, für die beste. Aktionismus ist für den Amateurfußball nicht nötig. Man kann sich alle Zeit der Welt verschaffen.“ Für Mario Rauch aus Leer ist es klar, dass bei einer Weiterführung der Saison auf die Vereine noch große organisatorische Probleme zukommen können. „Um das Restprogramm zu absolvieren, braucht es ohnehin die Flexibilität aller Vereine“, heißt es aus Leer. Gerade bei Germania, der als Landesligist die weitesten Fahrten zu stemmen hat, kämen ungeahnte logistische Probleme dazu. Alle Spieler studieren oder sind berufstätig. „Wir würden uns damit arrangieren. In vielen Fällen und bei Fahrten, die nicht viel weiter als eine oder eineinhalb Stunden sind, würden wir natürlich auch in der Woche spielen“, sagt Rauch. „Das ist dann wahrscheinlich keine Option mehr, sondern ein Muss. Denn um die Spiele ansatzweise im verbleibenden Zeitraum zu absolvieren, muss jede erdenkliche Möglichkeit genutzt werden.“ Sowohl beim Bezirksligisten aus Wilhelmshaven als auch beim Kreisligisten aus Sande könnte man mit der Option eines Doppelspieltags (Freitagabend und Sonntag) wohl leben. Steffen Janßen vom VfL II würde ebenso wie Servet Zeyrek lieber englische Wochen durchführen. „Wir würden lieber unter der Woche spielen. Am Anfang der Saison und in den September hinein hat es ähnlich ausgesehen“, sagt Janßen.

Ob die Saison weitergeführt wird, steht zur Zeit in den Sternen. Einziger Fakt ist bisher, dass der Spielbetrieb bis zum 19. April ruht. Alle Beteiligten vertrauen aber dem NFV und den dafür zuständigen öffentlichen Stellen. Natürlich ist es so, dass mit einer Entscheidung seitens des Verbandes nie alle Vereine zufrieden sein werden. „Es wäre sinnvoll, zu versuchen alle Interessen und Möglichkeiten auszuschöpfen, die den Belangen aller Vereine am nächsten kommt. Das wird schwer, am Ende aber muss es Entscheidungen geben“, sagt Oppenländer stellvertretend für den WSC Frisia. Auch Mario Rauch äußert sich dahingehend: „Ich kann verstehen, dass der NFV keine voreiligen Entscheidungen treffen kann und will. Dazu ist die Situation auch völlig unvorhersehbar. Wir wissen ja momentan nicht mal, wie die Lage in zwei Wochen ist. Deshalb macht es Sinn, jetzt zumindest die Entwicklung bis Anfang April abzuwarten. Falls es wider Erwarten zu einer Besserung kommt, kann immer noch überlegt werden, wie das Restprogramm bewältigt wird. Aber ich denke, wir können davon ausgehen, dass die Saison kein gewöhnliches Ende finden wird.“ Beim ASV regt Zeyrek eine schnelle Entscheidung an. „Ich bin für klare, zeitnahe Entscheidungen des NFV. Schnelle Entscheidungen treiben die Zukunftsplanungen voran, egal wie sie denn auch ausfallen sollten. Planungssicherheit ist für mich das Wort.“

Mögliche Einsprüche gegen Entscheidungen des NFV würde es nach jetzigem Stand vonseiten der befragten Vereine nicht geben. „Ich bin mir sicher, dass der NFV alles dafür tun wird, Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle herzustellen und ewige Klagewellen zu vermeiden. Letztendlich sollte hier nur eine Entscheidung im Austausch mit den Vereinen getroffen werden“, ist sich Brakes Trainer Jasper sicher. „Man sollte von Einsprüchen absehen, das Solidarprinzip sollte hier obsiegen“, sagt Oppenländer, während VfL-Trainer Janßen zugibt, sich über diesen ganzen Komplex noch keine Gedanken gemacht zu haben. „Ich denke, ein Einspruch wäre völlig fehl am Platz. Es geht in dieser Phase um die Gesundheit von Menschen, da sollte der Fußball an letzter Stelle kommen“, merkt Sandes sportlicher Leiter Janßen an.

 Morgen gehen wir auf die Auswirkungen auf die Kaderplanung der Vereine und die wirtschaftlichen Auswirkungen ein.

Andreas Kempe Nordwest-Fußball / Autor
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