Berlin Mit der Einführung der Torlinientechnik tun sich die Bundesliga-Funktionäre trotz Stefan Kießlings legalem Phantom-Tor und anderer Streitfälle immer noch schwer. Als Innovationsmuffel will aber Andreas Rettig, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), nicht gelten und überrascht nun mit einer revolutionären Idee. Als er kürzlich in der Schweiz die Datenbrille Google Glass auf die Nase setzte, kam ihm offenbar ein Gedanke: Wenn Schiedsrichter mit einer entsprechenden Computer-Sehhilfe ausgerüstet wären, könnten alle Diskussionen um Fehlentscheidungen der Vergangenheit angehören.

„Wenn wir heute an technischen Fortschritt denken, dann müssen wir auch den nächsten Schritt in Erwägung ziehen“, sagte Rettig der „Süddeutschen Zeitung“. Die durch den Weltverband Fifa vorgegebene unumstößliche Regelung der Tatsachenentscheidung durch die Referees könnte bestehenbleiben und der Unparteiische dennoch mit Hightech-Hilfe ausgestattet werden.

„Wenn der Schiedsrichter in seiner Brille das sieht, was jeder Fernsehzuschauer auf der Couch sieht, dann ist ein wichtiges Argument gegen den Videobeweis, nämlich dass der Schiedsrichter auf dem Platz nicht mehr Herr des Verfahrens ist, erledigt“, sagte Rettig (50). „Er muss sich nicht auf irgendjemanden externen berufen oder auf eine Technik, er könnte die Szene sofort bewerten.“

Der Liga-Funktionär räumte aber ein, dass ein Zeitpunkt solcher Neuerungen nicht absehbar sei. „Uns ist natürlich klar, dass so etwas ein langer Verfahrensweg ist“, betonte Rettig. Die Regelhüter des Weltfußballs vom International Football Association Board sind nicht für ihre Erneuerungskraft bekannt. Es brauchte Jahre, um die nun bei großen Fifa-Wettbewerben und in Englands Liga eingeführte Torlinientechnik zu gestatten. Auch bedürfte es einer Spezialausführung – bislang dürfen Fußballer aus Sicherheitsgründen keine Brillen tragen.

Rettigs Gedankenspiele kommen überraschend und laufen der bisherigen Argumentation der deutschen Fußballführungskräfte zuwider. Bislang hatte die DFL technischen Neuerungen abwartend gegenüber gestanden. Die Torlinientechnik soll in der Bundesliga frühestens 2015 eingeführt werden, sofern die Vereine es wollen und alle technischen Zweifel beseitigt sind.

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