Frankfurt Der neue DFB-Präsident soll kein omnipräsenter Alleskönner und Alleinherrscher mehr sein. Vielmehr wird eine Persönlichkeit gesucht, die den größten nationalen Fachverband der Welt repräsentieren kann – und die Amtszeit diesmal nicht vorzeitig beendet. Deshalb soll am 21. August den Regional- und Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Berlin nicht irgendein Kandidat oder eine Kandidatin vorgestellt werden, sondern ein Bewerber, der zum neuen Stellenprofil passt. Die Zeit drängt, hinter den Kulissen läuft die Suche auf Hochtouren.

Nach den vier Verbandschefs Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel, die alle vorzeitig ihren Dienst quittierten, soll es nun einer werden, der nicht vorzeitig aufgeben muss. „Man hatte den Eindruck, dass das Problem der Organisation immer in dem Präsidenten bestanden hat, der gerade zurückgetreten ist“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. „Dass das nicht so ist, ist ganz offensichtlich.“

Denn inzwischen ist die Einsicht gewachsen, dass die Vielfalt der Aufgaben und Herausforderungen an den Präsidenten eine Überforderung gewesen ist. In der Öffentlichkeit war er für den Bundestrainer und die Nationalmannschaft verantwortlich, den Frauenfußball, die Vertretung in den internationalen Verbänden Uefa und Fifa oder als Integrationsbeauftragter – siehe Affäre Mesut Özil. In Paragraf 34 der DFB-Satzung ist der Präsident „oberster Repräsentant“. Das heißt: „Ihm obliegt die Gesamtverantwortung und die Richtlinienkompetenz.“

Der neue Spitzenfunktionär wird die Bundeskanzler-ähnliche Rolle nicht mehr einnehmen müssen. Der Passus soll aus den Statuten gestrichen und die Ära als Tausendsassa beendet werden. Der oder die zukünftige Nummer eins des DFB soll im Sinne der neuen Stellenbeschreibung repräsentieren, die Sitzungen des Präsidiums moderieren, natürlich fußballaffin und kompetent auf dem Wirtschaftssektor sein.

Im April war Grindel nach einer Reihe von Verfehlungen zurückgetreten. Der gemeinsame Kandidat des DFB und der DFL soll „zu einem zeitgemäßen Anforderungsprofil passen“, sagte Reinhard Rauball, zusammen mit Rainer Koch Interimspräsident.

„Angesichts eines dreistelligen Millionenumsatzes ist meiner Meinung nach eine klare Managementstruktur erforderlich“, sagte Rauball. Der scheidende DFL-Präsident und Boss von Borussia Dortmund ist ebenso Mitglied der sechsköpfigen Präsidenten-Findungskommission wie Koch und Seifert.

Dass der Präsident neben dem DFB-Amt auch noch einen gut dotierten Posten in den Führungsgremien der internationalen Verbände Fifa und Uefa einnimmt, muss auch nicht mehr sein. Der Neue könnte dafür Aufsichtsratsvorsitzender der künftigen DFB GmbH werden, in der das gesamte operative Geschäft angesiedelt ist. Den Vorsitz der GmbH soll der DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius als Geschäftsführer übernehmen, während für Oliver Bierhoff der Job als Geschäftsführer Sport vorgesehen ist. Dies wird zumindest im Zuge der noch nicht abgeschlossenen Strukturreform diskutiert.

In der DFB GmbH sind die Euro 2024 GmbH, die Deutsche Fußballmuseums GmbH, die Reisebüro GmbH und die geplante Schiedsrichter GmbH angesiedelt. In den DFB e.V. mit dem Jugend- und Amateurfußball, dem Schiedsrichterwesen, der Trainerausbildung, Sportgerichtsbarkeit und den Stiftungen werden die 26 Millionen Euro aus dem Grundlagenvertrag von der DFL fließen und für die gemeinnützigen Zwecke des Verbandes genutzt. Wer den DFB künftig führt, darüber gibt es bislang nur Spekulationen – auch über angebliche Absagen.

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