Zürich Die Justiz schlug wieder im Morgengrauen zu – und sie erschütterte den Fußball-Weltverband Fifa ausgerechnet am Tag des „Neuanfangs“ erneut in ihren Grundfesten. Um 6 Uhr verhafteten die Schweizer Behörden im Züricher Fünf-Sterne-Hotel Baur au Lac am Donnerstag die beiden Vize-Präsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit (Honduras). Es geht um Bestechung in Millionenhöhe. Der Neustart der Fifa aus einer tiefen Krise ist trotz der wenige Stunden später beschlossenen Reformen weit entfernt.

„Die Fifa-Funktionäre sollen diese Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten haben“, teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz mit: „Die Straftaten sind gemäß Verhaftungsersuchen teilweise in den USA abgesprochen und vorbereitet worden; zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden.“

Im Morgengrauen waren laut „New York Times“ die Einsatzkräfte am Luxus-Hotel eingetroffen. Der Hotelmanager sprach von einer „extremen Situation“. Sowohl Hawit, Chef des Kontinentalverbandes Concacaf (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), als auch Napout, Präsident des Kontinentalverbandes Conmebol (Südamerika), widersetzten sich ihrer direkten Auslieferung an die USA, sie werden alles abstreiten. Von den sieben Vize-Präsidenten des Exekutivkomitees sind damit drei aus dem Verkehr gezogen, weitere könnten folgen.

Das am Donnerstag dennoch auf den Weg gebrachte Reformpaket könnte ähnliche Auswüchse in Zukunft verhindern. Das Exko mit dem als DFB-Präsident zurückgetretenen Wolfgang Niersbach soll in eine Art strategischen Aufsichtsrat („Council“) umgewandelt werden, die Amtszeit der Entscheider einschließlich des Präsidenten auf zwölf Jahre begrenzt werden. Die Anzahl der 26 Fifa-Kommissionen soll auf neun reduziert und mit mehr unabhängigen Mitgliedern besetzt werden. Es soll eine Frauenquote geben, Gehälter der Führungsriege offengelegt werden.

„Die Ereignisse vom Donnerstag unterstreichen die Wichtigkeit der Reformen. Wir haben einen großen Schritt unternommen“, sagte Fifa-Interimspräsident Issa Hayatou: „Die Vorschläge zeigen den Weg zu einer Veränderung, die so radikal ist wie nötig.“

Dubiose Gestalten im Weltverband sollen künftig mit strengen Integritätschecks aussortiert werden, die Mitglieder des künftigen „Council“ würden aber weiter von den Konföderationen entsandt. Endgültig verabschieden muss das Paket der Fifa-Kongress aller 209 Nationalverbände am 26. Februar.

Die offensichtlich geplante Aufstockung der Weltmeisterschaften auf 40 Teilnehmer ab dem Jahr 2026, die das Exko alleine hätte beschließen können, wurde dagegen verschoben. „Das Thema wurde zur weiteren Prüfung an die Administration gegeben“, sagte Niersbach.

Am Donnerstagabend gab das US-Justizministerium in Person von Loretta Lynch dann bekannt, dass es gegen 14 weitere hochrangige Fußball-Funktionäre ermittelt. Darunter sind der ehemalige Vize-Präsident des Weltverbandes, Ricardo Teixeira, der frühere brasilianische Verbandspräsident Marco Polo del Nero und das ehemalige Fifa-Exekutivmitglied Rafael Salguero aus Guatemala. Acht Angeklagte haben sich laut Lynch schuldig bekannt.

Staatsanwalt Roberto Capers erklärte, es handele sich um „hochrangige Fifa-Offizielle mit Spitzenämtern in der Concacaf und Conmebol“. Capers nannte die Verbände von Brasilien, El Salvador, Guatemala, Honduras, Bolivien, Ecuador, Paraguay und Peru. „Die Zahlen sind erschütternd“, sagte Capers: „Was genug ist, ist genug.“

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