STUTTGART /OLDENBURG

Und unseren Agenturen STUTTGART/OLDENBURG - Dem mutmaßlichen Täter, der beim DFB-Pokalspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC den Schiedsrichter-Assistenten Kai Voss (Großhansdorf) mit einem gefüllten Hartplastikbecher am Nacken getroffen hatte und beim Stand von 2:0 für die Berliner für den Abbruch der Partie (86. Minute) sorgte, droht eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Stuttgarter müssen sich zudem vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verantworten, das gestern die Ermittlungen aufnahm. In einer ersten Amtshandlung erklärte das Gericht die Berliner zum 2:0-Sieger.

Zuschauerangriffe gab es zwar schon öfter im Profigeschäft, ein vorzeitiges Ende wegen eines verletzten Linienrichters aber noch nie. „Michael Weiner hat mehr als korrekt gehandelt“, lobte der ehemalige DFB-Schiedsrichter (130 Einsätze) und Fifa-Assistent (50) Heiner Neuenstein aus Friesoythe auf NWZ-Anfrage die Besonnenheit des Spielleiters in Stuttgart.

Dass für Voss, der nach dem Volltreffer in der 80. Minute bewusstlos zusammengebrochen war, der vierte Offizielle hätte einspringen können, lehnte Neuenstein ab: „Der Zeitpunkt spielt gar keine Rolle. Weiner musste dem Werfer ganz klar signalisieren: So geht es nicht.“

Ein Tausch des Linienrichters sei nur zulässig, wenn dieser sich aus dem Spiel heraus verletzt. Dieses passierte Neuenstein im Dezember 1997 bei der Bundesligapartie Karlsruher SC gegen 1860 München, als er einen Ball aus fünf Metern Entfernung an den Kopf bekam. „Ich bin sofort k.o. gegangen“, erinnert sich der Friesoyther.

Dass die Stimmung auf den Rängen überkocht, kennt Neuenstein ebenfalls aus eigener Erfahrung. „In Deutschland habe ich das bisher aber nie so arg erlebt“, sagte er. „Schlimmer ist es im Ausland.“ Vor Würfen könne sich der Assistent an der Linie indes nicht schützen. „Man merkt zwar, dass Brisanz im Spiel ist. Aber kein Linienrichter dreht den Kopf nach hinten.“

Bei dem Festgenommenen handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 38-jährigen Stuttgarter. Ein Sprecher bestätigte, dass er den Behörden bereits als gewaltbereiter Hooligan bekannt sei, aber seit langer Zeit nicht mehr aufgefallen war. Dem Mann, der sich wieder auf freiem Fuß befindet, droht eine Geld- oder Haftstrafe. Den Stuttgartern droht eine Geldstrafe bis zu 200 000 Euro.

Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.) / Redakteur
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