Köln /Friesoythe Das spielentscheidende „Handball-Tor“ von Leon Andreasen zum 1:0 von Hannover 96 beim 1. FC Köln am Sonntag hat den Befürwortern des Videobeweises in der Fußball-Bundesliga neue Argumente geliefert. Der frühere Profi-Schiedsrichter Heiner Neuenstein (57) aus Friesoythe (Kreis Cloppenburg) lehnt die Einführung dieses technischen Hilfsmittels jedoch weiterhin ab.

„Man sollte das Spiel so lassen, wie es ist“, sagte Neuenstein am Montag auf Anfrage dieser Zeitung: „Spieler machen Fehler, Schiedsrichter auch. Das macht doch die Faszination des Fußballs aus.“

In Köln hatte Schiedsrichter Bastian Dankert nicht erkannt, dass Andreasen den Ball mit dem Oberarm ins Tor befördert hatte. Auch beim zweiten Sonntagsspiel in Stuttgart übersah der Unparteiische Guido Winkmann beim Treffer von Daniel Didavi zum 1:0 für den VfB gegen Ingolstadt eine Abseitsstellung des Torschützen.

Für die weitaus größere Aufregung sorgte jedoch das irreguläre Tor von Hannovers Andreasen. Kölns Manager Jörg Schmadtke hielt sich mit Forderungen nach technischer Unterstützung für die Schiedsrichter zurück, und stellte stattdessen die Qualität der deutschen Referees grundsätzlich infrage: „Ich habe gelesen, wir hätten die besten Schiedsrichter der Welt. Aber ich werde jede Woche eines Besseren belehrt.“

Neuenstein wunderte sich, dass Dankert angesichts der massiven Kölner Proteste nach dem Gegentor nicht zu Andreasen gegangen sei und ihn zu der Situation gefragt habe. „Dann wäre er sauber aus der Nummer herausgekommen“, sagte Neuenstein, der früher selbst Bundesligaspiele pfiff (130 Einsätze) und auf internationaler Ebene als Fifa-Assistent tätig war.

Nach dem Spiel gestand Dankert seinen Fehler ein. „Sicherlich ist man unter den 48 500 Zuschauern, die im Station waren, derjenige, der am meisten enttäuscht ist“, erklärte der 35-Jährige, der seit 2014 auf der Fifa-Liste steht: „Nach dem Studium der Bilder muss man sagen, dass das auf diesem Niveau nicht passieren darf.“

Andreasen hatte das Handspiel anschließend vor den TV-Kameras eingeräumt und erklärt, dass er sich als Opfer fühle: „Für mich ist es ein blödes Gefühl, ich bin normal ein fairer Spieler.“ Von Kölner Seite gab es jedoch keine Vorwürfe in Richtung des Dänen. „Ich verlange von ihm zu null Prozent, dass er hingeht und das Handspiel zugibt“, meinte FC-Trainer Peter Stöger: „Es ist der Job des Schiedsrichters, das zu erkennen.“

Auch Neuenstein nahm den früheren Profi von Werder Bremen in Schutz. „Natürlich wäre es toll gewesen, wenn er das Handspiel zugegeben hätte. Aber das kann man nicht von einem Spieler erwarten“, sagte der Friesoyther: „Man darf schließlich nicht vergessen, in welcher Situation Hannover steckt. Die können jeden Punkt gebrauchen.“

Dennoch droht Andreasen womöglich eine Sperre. Wie der „Kicker“ am Montagabend berichtete, hat der DFB-Kontrollausschuss die Ermittlungen aufgenommen.

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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