Friesoythe /Frankfurt Schiedsrichterboss Herbert Fandel ist nach dem bisher einmaligen Rot-Festival in der Geschichte der Fußball-Bundesliga bemüht, die Wogen der Empörung zu glätten. Die Rekord-Flut von acht Platzverweisen hatte viele Vereinsvertreter auf die Palme gebracht, doch Fandel wollte die teils massive Kritik an den Unparteiischen nicht gelten lassen: „Sie haben bei den allermeisten Entscheidungen richtig gelegen“, erklärte er am Montag.

Einzig die Rote Karte für Stuttgarts Ibrahim Traoré beim 1:2 in Augsburg und die Gelb-Rote Karte für Freiburgs Francis Coquelin beim 3:3 gegen Hoffenheim seien Fehlentscheidungen gewesen. Den Schwarzen Peter für die vielen Feldverweise wollte er sich jedoch nicht zuschieben lassen. Die Ursache sei, „dass zu Beginn der Saison bei einigen zu viele Emotionen im Spiel sind“.

Diese Meinung vertritt auch Heiner Neuenstein. „Der Druck ist bei einigen Teams schon jetzt sehr hoch. Das wirkt sich auf die Spieler aus“, sagt der ehemalige DFB-Schiedsrichter (130 Einsätze) und Fifa-Assistent (50) aus Friesoythe (Kreis Cloppenburg). Die Krux für die Unparteiischen sei, dass sie sich im Versuch, die aggressive Spielweise durch das Verteilen von Karten zu unterbinden, selbst unter Zugzwang setzten.

Nun macht der 55-Jährige – als Referee über ein Jahrzehnt lang auf höchstem Niveau aktiv – einen recht simpel anmutenden Vorschlag: Die Wiedereinführung der Zehn-Minuten-Zeitstrafe. Diese kam früher im Amateur-Bereich zum Einsatz und sei ein probates Mittel gewesen, um erhitzte Gemüter auf dem Platz zu beruhigen, so Neuenstein. Der Friesoyther ist sich sicher: „Das würde den Schiedsrichtern auch heute noch helfen.“ Derzeit dürfen die Unparteiischen in Deutschland nur im Jugend-Fußball (bis zur B-Jugend) Zeitstrafen aussprechen. Die Einführung dieser Regelung im Profibereich kann nur vom Weltverband Fifa erfolgen.

Besonders im Fokus standen am vergangenen Wochenende in Bastian Dankert (33 Jahre/9 Bundesligaspiele) und Tobias Stieler (32/11) zwei Unparteiische, die erst seit einem Jahr in der Bundesliga pfeifen. Sowohl Dankert (Hannover - Schalke) als auch Stieler (Hoffenheim - Freiburg) stellten gleich drei Spieler vom Platz. Den Vorwurf, dass die Schiedsrichter zu früh in der höchsten Spielklasse zum Einsatz kämen, wies Neuenstein zurück: „Diese Leute sind erstklassig ausgebildet und haben auch schon ihren Mann gestanden. Irgendwann müssen sie doch ihre Erfahrungen in der Bundesliga sammeln.“

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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