BERLIN Gekaufte Schiedsrichter, verbrannte Stasi-Millionen und ein mysteriöser Todesfall: Die Negativ-Schlagzeilen der Vergangenheit lasten noch heute auf dem BFC Dynamo. Das schlechte Image hängt dem Fußballclub aus Berlin jedoch nicht nur wegen seiner Ost-Vergangenheit nach. Insolvenzen und randalierende Fans prägten nach der Wende das Bild in der Öffentlichkeit. An diesem Sonnabend (15.30 Uhr) will der BFC dieses in der Pokalpartie gegen den 1. FC Kaiserslautern verbessern.

Zumindest für 90 Minuten taucht der von vielen schon fast vergessene Verein, der zwischen 1979 und 1988 zehn DDR-Meistertitel feierte, nun wieder auf der großen Fußballbühne auf. Gegen die Lauterer rechnet der Regionalligist mit 8000 Zuschauern.

Mit einer groß angelegten Plakataktion hat der ehemalige Stasi-Verein, der seine Titel auch korrupten Schiedsrichtern verdankte, versucht, Werbung für das „Spiel des Jahres“ zu machen und bewusst auch in Gefilden des ungeliebten Rivalen Union „gewildert“. „Es ist ein besonderes Spiel. Es wäre ja fahrlässig, wenn wir die Menschen nicht drauf aufmerksam machen würden“, begründete Trainer und Ex-Profi Heiko Bonan die Maßnahme.

Obwohl die Partie vom Deutschen Fußball-Bund und der Polizei als „Risikospiel“ eingestuft ist und einige Polizei-Hundertschaften präsent sein werden, gehen die Gastgeber davon aus, dass es friedlich bleibt. „Unsere Fans wissen, was auf dem Spiel steht“, erklärte Pressesprecher Martin Richter. In der Vergangenheit waren immer wieder gewaltbereite Fans des BFC negativ aufgefallen und hatten vor fünf Jahren im Ortsderby gegen Union sogar einen Spielabbruch provoziert.

Dass es im Pokal ausgerechnet gegen die Pfälzer geht, hat einen pikanten Beigeschmack. In Zeiten des „Kalten Krieges“ hatte sich vor 32 Jahren Nationalspieler Lutz Eigendorf bei einem Vergleich des BFC in Kaiserslautern vom Team abgesetzt und bei den Lauterern angeheuert. Vier Jahre später war der Mittelfeldspieler unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Indizien weisen darauf hin, dass Eigendorf bei einer nächtlichen Autofahrt von der DDR-Staatssicherheit umgebracht wurde.

Während in Stürmer Falko Götz ein weiterer wichtiger BFC-Spieler zu DDR-Zeiten flüchtete, warteten Stars wie Thomas Doll, Rainer Ernst oder Frank Rohde den Mauerfall ab, um im Westen ihre Karriere zu vergolden. Die Ablösesummen für die Spieler versanken jedoch im Nichts, der sportliche Niedergang Dynamos war programmiert.

Daher rechnen sich die Berliner gegen den 1. FCK auch kaum eine Chance aus. „Wir spielen gegen Profis, gegen die unsere Spieler sonst bisher nur auf der Playstation gespielt haben“, sagte Kapitän Amadeus Wallschläger. Trainer Bonan, der dem FCK im Pokal selbst als Profi mit Rot-Weiss Essen schon einmal ein Bein stellte, meinte: „Von 100 Spielen gegen Lautern würden wir in dieser Konstellation vielleicht eins gewinnen. Und das auch nur, wenn Lautern völlig unkonzentriert und überheblich in die Partie geht.“

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