FRANKFURT Fifa-Präsident Joseph Blatter (76) wird von allen Seiten attackiert. Selbst Mitstreiter aus der Fifa-Exekutive rücken von ihm ab, auch das IOC will sich an diesem Wochenende in London mit der Schmiergeldaffäre des Fußball-Weltverbandes beschäftigen – dem Schweizer droht die Rote Karte. Die Causa werde auf den Tisch kommen, kündigte IOC-Präsident Jacques Rogge am Montag an.

Der schwer beschädigte Fifa-Chef muss sich derweil an diesem Dienstag vor seinem Exekutivkomitee erklären und gegen Rücktrittsforderungen wehren. Dabei sollte die Sitzung eigentlich der Startschuss für einen Reformkurs sein. Und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) weist Blatters Andeutungen, bei der WM-Vergabe für 2006 sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, weiter von sich.

Das Führungsgremium der Fifa will ausgerechnet jetzt den Ethik-Kodex verabschieden und die Vorsitzenden der beiden Kammern der Ethikkommission einsetzen. „Die Sitzung des Exekutivkomitees ist eigentlich anberaumt worden, um den Reformprozess zu verabschieden. Aber diese Sitzung ist total überschattet von dem, was jetzt öffentlich geworden ist“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Niersbach betonte mit Blick auf die WM-Vergabe 2006: „Wir haben da sauber gearbeitet.“

DOSB-Präsident Thomas Bach forderte eine vollständige Aufarbeitung. „Es sollte alles aufgeklärt werden. Denn die Einstellungsverfügung macht lediglich zwei Personen und eine Summe von angeblich 14 Millionen öffentlich, während insgesamt wohl 140 Millionen über mehrere Jahre in Rede stehen“, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Der ehemalige Fifa-Präsident Joao Havelange und dessen brasilianischer Landsmann Ricardo Teixeira hatten vor Jahren von der inzwischen insolventen Schweizer Marketingfirma ISMM/ISL rund 14 Millionen Schweizer Franken (heute umgerechnet etwa 11,6 Millionen Euro) Schmiergeld kassiert. Insgesamt soll ISL aber geschätzt 138 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet rund 114 Millionen Euro) an rund ein Dutzend Funktionäre gezahlt haben.

Der ehemalige Fifa-Direktor Guido Tognoni erhob Vorwürfe gegen Blatter. „Sepp Blatter war immer dabei. Wenn Sepp Blatter den Deutschen jetzt irgendwelche Vorwürfe macht, dann treffen die auch auf ihn zu“, sagte der Schweizer Tognoni im ARD-Morgenmagazin.

Derweil hat Blatter seine Aussagen zu Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2006 relativiert. Der Fifa-Boss sagte in der „Bild“-Zeitung: „Man kann immer einen Vorwand finden, um die Rechtmäßigkeit eines Entscheides zu bezweifeln. Solange keine konkreten Beweise vorliegen, dass bei irgendeiner WM-Vergabe etwas schief gelaufen ist, muss und soll man an der Rechtmäßigkeit der Wahl festhalten. Dies gilt für Deutschland ebenso wie für alle anderen Länder.“

Gegen Blatter will das IOC nicht ermitteln, teilte ein Sprecher mit. Nachträgliche Sanktionen gegen den Fifa-Ehrenpräsidenten Joao Havelange, der im Dezember als IOC-Mitglied zurückgetreten war, schloss Rogge aus. „Herr Havelange ist kein IOC-Mitglied mehr und fällt nicht unter IOC-Regeln“, hieß es.

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