Bremen Die Diskussion um seine Person verschärfte Thomas Schaaf selbst. Für fast mehr Wirbel als Werder Bremens unerklärliches 0:3 nach desolater Vorstellung im so wichtigen Nord-Duell gegen den VfL Wolfsburg sorgte eine scheinbar etwas unbedachte Äußerung Schaafs anschließend im Fernsehen: „Wenn ich im Weg stehen sollte, geh’ ich gerne zur Seite, das ist überhaupt nicht das Problem.“

Zwar sagte Schaaf das nicht einfach so, sondern auf eine Frage zu seiner Zukunft, doch die Aussage stand erstmal im Raum. Schmeißt Schaaf nach 14 Jahren als Trainer des Bremer Fußball-Bundesligisten tatsächlich hin? Nein, (noch) nicht, lautet die Antwort wohl. „Ich versuche meinen Job zu machen, meine Arbeit so zu machen wie in den letzten Jahren auch“, relativierte Schaaf später.

Auch Geschäftsführer Thomas Eichin kann sich eine überstürzte Reaktion nicht vorstellen und scheint keine Lust zu haben, ein Rücktritts-Angebot im Fall der Fälle anzunehmen. Dennoch: Nach fast 14 Jahren als Werder-Coach ist Schaaf längst nicht mehr unantastbar. Am Sonntag sah sich Bremens Medien-Direktor Tino Polster genötigt, noch einmal zu versichern: „Nach meinem Kenntnisstand kann ich ausschließen, dass es heute und morgen eine Sitzung der Geschäftsführung geben wird.“

Dass Schaaf noch Energie hat, bekamen seine Spieler zu spüren. Wenige Minuten nach der Schmach mit den drei Gegentoren von Maximilian Arnold (13. Minute), Ivica Olic (27.) und Diego (66./Foulelfmeter) rief der Coach sein Team in die Kabine. Teilweise wurden die Profis aus Interviews herausgerissen. „Der Trainer hat deutliche Worte gefunden“, berichtete Kapitän Clemens Fritz über den wohl heftigen Auftritt Schaafs. Am Sonntag scheuchte der Coach entgegen sonstiger Gepflogenheiten den gesamten Kader bei Intervallläufen über den Platz. Zudem wurde der trainingsfreie Montag gestrichen.

Noch haben die Hanseaten fünf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Doch die Art und Weise, wie der frühere Champions-League-Dauergast mittlerweile auftritt, vergrößert die Angst vor dem ersten Bundesliga-Abstieg seit 1980.

Dabei war am Sonnabend eigentlich alles angerichtet für Werder. Die Niederlagen der Konkurrenten Augsburg, Hoffenheim und Düsseldorf waren eine Steilvorlage. „Man kann sich selbst freispielen und den Gegner mit reinziehen. Und dann gehen wir in Zweikämpfe, wie man es einfach nicht machen kann“, schimpfte Schaaf, der sich aber auch mit seiner Taktik angreifbar machte. Torjäger Nils Petersen saß nach einer Magen-Darm-Grippe zunächst nur auf der Bank, Werder begann ohne Stürmer. Als Schaaf dies nach 32 Minuten korrigierte, stand es bereits 2:0 für Wolfsburg. „Ich glaube, dass wir Zweikämpfe verloren haben. Das ist das Entscheidende. Die Taktik ist da egal“, rechtfertigte sich Schaaf.


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