Oldenburg Andreas Reinke (48) spielte von 2003 bis 2007 bei Werder Bremen und gewann mit dem Team 2004 die Meisterschaft und den DFB-Pokal. IM Interview spricht er über das Dasein als Torhüter im Werder-Kasten.

Herr Reinke, bei Werder wechseln sich in dieser Saison Felix Wiedwald und Jaroslav Drobny im Tor ab. Wie geht ein Torhüter mit dieser Situation um?

Torwart holte Zwei Meistertitel und zwei Pokalsiege

Andreas Reinke (48) spielte von 2003 bis 2007 bei Werder Bremen und gewann mit dem Team 2004 die Meisterschaft und den DFB-Pokal. Beide Titel hatte der Torwart zuvor auch schon mit dem 1. FC Kaiserslautern geholt (Pokalsieger 1996, Meister 1998). Als Profi spielte er außerdem für den Hamburger SV, den FC St. Pauli, Iraklis Saloniki (Griechenland) und Real Murcia (Spanien).

In seiner Heimat Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) betreibt Reinke seit Jahren mit seiner Familie einen Bauernhof. Außerdem trainiert er eine Mannschaft mit neun- und zehnjährigen Jugendfußballern.

Ein guter Torhüter schafft es, in solchen Situationen alle Störgeräusche auszublenden und sich auf seine Leistung zu konzentrieren. Ich weiß, dass das sehr vereinfachend klingt. So ist es aber. Und zur Lage bei Werder: Es ist doch gut, wenn ein Trainer zwei etwa gleichstarke Torhüter zur Verfügung hat. Natürlich darf er nicht alle zwei Spiele wechseln, weil sich ein Schlussmann ja auch mit seinen Vorderleuten einspielen muss.

Da Drobny nach abgelaufener Sperre nun wieder an Schulterproblemen laboriert, wird am Freitag beim Spiel in Wolfsburg auf jeden Fall Wiedwald im Tor stehen. Wie stark sehen Sie ihn?

Er hat am vergangenen Wochenende beim Sieg in Mainz gut gespielt. Jetzt bekommt er die Chance, dies im nächsten Spiel in Wolfsburg zu bestätigen. Wenn er das schafft, stärkt ihn das weiter.

Sie waren früher über Jahre hinweg bei Werder die Nummer eins. Hat der damalige Trainer Thomas Schaaf Ihnen das einmal zu Saisonbeginn versichert oder hat er Sie auch im Saisonverlauf immer wieder bestärkt?

Da gab es jeweils zu Saisonbeginn eine sehr kurze Ansage, die ich aber verstanden habe. Thomas sagte: ,Du bist jetzt die Nummer eins. Und wenn Du Mist baust, werde ich wechseln.‘ Natürlich bleibt es im Saisonverlauf nicht aus, dass ein Torhüter bei den hohen Erwartungen, bei dem hohen Druck, auch einmal einen Fehler macht. Wegen eines einzelnen Fehlers wird aber kein Trainer sofort wechseln. Es kommt darauf an, wie man den Fehler in den Tagen danach verarbeitet. Und das ist mir immer ganz gut gelungen. Thomas Schaaf meinte mit dem ,Mist bauen‘ also nicht, dass ich keine Fehler machen darf. Er meinte, dass ich vernünftig damit umzugehen habe.

Nämlich wie?

Man muss viele, viele Abläufe trainieren, also bestimmte Situationen, die immer wieder im Spiel vorkommen. Das bringt Sicherheit. Und es gehört dazu, die fragliche Szene, in der ein Fehler passierte, im Training noch einmal nachzuspielen. An welcher Stelle genau war der Fehler? Was muss ich beim nächsten Mal besser machen? Man muss sich also dem Fehler stellen und ihn aufarbeiten. Ihn einfach nur verdrängen zu wollen, bringt nichts.

Wenn man zur Nummer zwei herabgestuft wird, lässt einen das vermutlich auch außerhalb des Trainingstages nicht kalt. Nimmt ein Profitorwart seine Sorgen mit nach Hause?

Ja, selbstverständlich. Ein junger Torwart kann vielleicht eher damit leben, die Nummer zwei zu sein, wenn er einen starken und erfahrenen Mann vor sich hat. Wenn man aber selber schon viele Erfahrungen hat, will man die Nummer eins sein. Und wenn das nicht klappt, beschäftigt einen das – zu Hause, beim Einkaufen, fast überall. Aber auch hier gilt diese sehr einfach klingende, aber dennoch wahre Regel: Ein guter Torwart schafft es, die Birne freizukriegen und sich auf sein Torwartspiel zu konzentrieren.

Vor Ihrer Zeit bei Werder haben Sie einige Jahre in Spanien gespielt. Hat die Torwartposition dort auch den hohen Stellenwert wie in Deutschland, wo es seit Jahrzehnten Schlussmänner auf Weltklasse-Niveau gibt?

Die Position wird dort auch als sehr, sehr wichtig erachtet. Aber der Umgang mit Torhütern ist dort meiner Meinung nach respektvoller als in Deutschland. Hier wird nach einem Fehler sehr hart und teilweise unfair mit jungen Torhütern umgegangen.

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