Istanbul Lukas Podolski war mächtig verärgert. Und er stand mit seinem Unmut über Schiedsrichter Cüneyt Cakir nicht alleine da. Nachdem Cakir am Wochenende bei der Partie Karabükspor gegen Galatasaray (2:1) einen strittigen Elfmeter für die Gastgeber gegeben hatte, protestierte der ehemalige Kölner so vehement gegen die Entscheidung, dass er die Gelbe Karte sah.

Nach dem Spiel stand auch nicht die überraschende Niederlage des türkischen Rekordmeisters im Mittelpunkt, sondern der Schiedsrichter. „Er hat das Vertrauen der Spieler und Verantwortlichen in der Türkei verloren“, sagte Galatasaray-Vorstandsmitglied Levent Nazifoglu. „Er hat kein Recht mehr darauf, Schiedsrichter zu sein.“

Solch scharfe Kritik ist nichts Neues für Cakir. Der 40-Jährige ist ein international anerkannter Schiedsrichter und wird von Uefa und Fifa in wichtigen Turnieren und Partien eingesetzt. Als prominentester Fall steht Cakir stellvertretend für den schweren Stand, den seine Kollegen im Moment haben. Die Verantwortlichen der Istanbuler Clubs üben regelmäßig Kritik an den Schiedsrichtern. Und kleinere Vereine beschweren sich ebenso, angeblich gegenüber den Spitzenteams benachteiligt zu werden.

Für eine Beruhigung der Debatte soll nun der Videobeweis sorgen, den der Verband von März an testen will. Denn so schlimm wie in der aktuellen Saison war die Kritik selten. Fenerbahce-Präsident Aziz Yildirim sprach etwa von „Schiedsrichter-Terror“ und wurde daraufhin vom nationalen Verband TFF für über ein halbes Jahr gesperrt.

Auch Medien gehen die Schiedsrichter hart an. Der bekannte Kolumnist Mehmet Demirkol unterstellte, mit den Fehlentscheidungen die Liga gar sabotieren zu wollen. Nach dem Spitzenspiel zwischen Fenerbahce und Medipol Basaksehir (1:0) am vergangenen Sonntag bezeichnete der TV-Experte Ridvan Dilmen die Leistung des Schiedsrichters als „erbärmlich“.

Der Verbandsseite bemühte sich um Schadensbegrenzung. „Schiedsrichter machen Fehler und das werden sie auch immer tun“, sagte TFF-Präsident Yildirim Demirören. Fehlentscheidungen seien menschlich und kämen nicht nur in der Türkei vor. Laut Demirören ist auch der massive öffentliche Druck schuld an der Leistung der Schiedsrichter, denen Demirören auf den Weg gab: „Seid gerecht, seid mutig, versucht nicht, Fehler durch erneute Fehler wiedergutzumachen.“

Helfen soll seit fast einem Jahr der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Roberto Rosetti. Der Italiener ist als Berater des Schiedsrichterausschusses tätig und hält regelmäßig Seminare für seine türkischen Kollegen, denn: „Für Schiedsrichter ist die Süper Lig eine der schwersten Ligen Europas.“

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