OLDENBURG Um 19.51 Uhr hat für Francesco Pianeta am Sonnabend das Warten ein Ende. Aufgewärmt, gedehnt, die Hände bandagiert und die Boxhandschuhe an den Händen betritt der 22-Jährige die Oldenburger EWE-Arena, um seinen Schwergewichts-Kampf gegen Colin Wilson zu bestreiten. Am Ende der acht Runden sehen alle drei Punktrichter den jungen Pianeta gegen den 35-jährigen Australier vorn.

Begonnen hat der Arbeitstag von Pianeta rund zwei Stunden vorher in einer Umkleidekabine der Arena. Um kurz nach 18 Uhr fängt Giulio Spagnoli an, dem Gelsenkirchener Pianeta die Hände zu bandagieren. Der so genannte Cutman ist Spezialist seines Fachs und wird vom Sauerland-Boxstall zu den Kampfabenden extra aus Italien eingeflogen.

Sauerland-Cheftrainer Ulli Wegner beobachtet das Bandagieren aus dem Hintergrund und versucht, die Stimmung aufzulockern. „Unglaublich, Werder schlägt Bielefeld mit 8:1“, wirft er in die Runde. „Ich weiß gar nicht, wann die das letzte Mal so hoch gewonnen haben.“ Das Thema Fußball fällt beim Italiener Spagnoli auf fruchtbaren Boden. Aus seinem Redeschwall geht hervor, dass es sowieso keine Mannschaft der Welt mit dem AS Rom aufnehmen könne – eine Behauptung, die dem Deutsch-Italiener Pianeta aber nur ein Lächeln abringt.

Die drei Männer sind keineswegs allein in der Kabine. Auf der nebenstehenden Bank wird der polnische Schwergewichtler Andrzej Wawrzyk von Betreuern auf seinen Kampf vorbereitet, auf der anderen Seite der Umkleide macht sich Cruisergewichtler Enad Licina aus Frankfurt/Main für seinen Einsatz fertig. Plötzlich steht Alexander Frenkel in Mantel und mit Sporttasche in der Tür und wirft ein „Guten Abend“ in die Runde. Sauerland-Trainer Manfred Wolke rückt auf seiner Bank ein Stück beiseite und macht Frenkel Platz. Der Cruisergewichtler wird erst gegen 21.30 Uhr kämpfen, rund drei Stunden zuvor beginnt er bereits, sich umzuziehen. Nikolai Valuev freilich muss sich nicht auch noch dazwischen drängen. Der Ex-Weltmeister und Hauptkämpfer des Abends hat eine eigene Kabine. Geredet wird bei der Vorbereitung nicht mehr als nötig, den Kämpfern und Betreuern ist die Anspannung vor ihrem Auftritt anzumerken.

„Das Problem ist der Zeitplan“, sagt Wegners Co-Trainer Georg Bramowski. „Wenn die vorigen Kämpfe durch K.o. schneller zu Ende sind, ist der Kämpfer plötzlich schon dran – und dann muss er fertig sein. Also sollte der Boxer lieber etwas früher als später mit dem Programm beginnen.“

Das „Programm“ besteht aus Warmlaufen auf dem Gang und Dehnübungen. Später gehen die Trainer mit ihren Schützlingen noch einmal die Taktik durch. Alle paar Minuten wird der Stand aus der Halle durchgegeben. „Es läuft der 4. Kampf, 3. Runde“, ruft ein Betreuer in die Kabine. Bei aller Anspannung ist dennoch Zeit für Späße, und die kommen meist von Wegner. Als Pianeta seine Kontaktlinsen herausnimmt, sagt der Trainer scherzhaft: „Mensch Francesco, wie gut würdest Du erst boxen, wenn Du auch noch richtig gucken könntest.“

Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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