Berlin Etliche Plätze blieben leer. Zwar dürfen seit gut einem Monat wieder Fans in die Stadien. Dennoch blieb der erhoffte Ansturm auf die Tickets weitestgehend aus. Die Fans, so scheint es, wollen die Wettbewerbe derzeit gar nicht hautnah erleben. Die Entscheidung, das eigene Team live anzufeuern, oder eben nicht, könnte den Fans zudem bald wieder abgenommen werden. Es drohen weitere Geisterspiele.

Stadionerlebnis fehlt

Der Fan-Forscher Gunter Pilz führt die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und die fehlende Atmosphäre im Stadion als Gründe an: „Distanz zu wahren, ist gerade für Ultras wenig attraktiv. Dicht gedrängt zu stehen und zusammen zu jubeln – das Stadionerlebnis fehlt.“ Ein weiteres Problem sei die Verlosung der Tickets: „Es ist fast unmöglich, als Gruppe ins Stadion zu gehen.“

Geisterspiele drohen

Zumal derzeit die Chance noch geringer wird. Bundesligist Mainz 05 kündigte am Dienstagabend an, dass gegen Bayer Leverkusen am Samstag statt 6800 nur 250 Zuschauer ins Stadion dürfen. Zu hoch sind die Corona-Zahlen. Weitere Clubs dürften folgen. Die flächendeckende Rückkehr der Geisterspiele ist längst nicht mehr ausgeschlossen. Für die meisten Anhänger scheint das kein Problem zu sein.

Die „normale Fankultur“, etwa die Choreographien der Ultraszene, spiele bei den Spielen mit limitierter Zuschauerzahl und fester Platzvergabe keine Rolle, sagt Jost Peter vom Fan-Bündnis „Unsere Kurve“. Bei vielen Fans sei der Vorstoß der Vereine und der DFL, „möglichst schnell wieder Publikum zuzulassen“, nicht gut angekommen. „Es gibt viele Fans, die sagen: Warum muss der Fußball weiterhin laufen? Warum steht nicht die Bekämpfung der Pandemie an erster Stelle?“, sagt Peter.

Clubs und DFL wiesen immer wieder darauf hin, dass es auch um die Existenzsicherung der Vereine gehe. Das Risiko einer Ansteckung in den Stadien ist nach jetziger Erkenntnislage aufgrund der strengen Auflagen und der Spiele an der frischen Luft gering. Der Fußball wird jedoch auch weitere Spiele ohne Zuschauer überstehen, sagt Pilz. „Ich bin fest überzeugt davon, dass Fanbegeisterung und Leidenschaft dafür zu ausgeprägt sind.“

So hätten sich etwa mehrere Hundert Fans von Hannover 96 beim Derby gegen Eintracht Braunschweig Anfang des Monats zum Feiern vor dem Stadion versammelt, allerdings auch ohne auf die Corona-Vorschriften zu achten. In der HDI-Arena selbst blieben derweil von den 9800 erlaubten Plätzen 2500 frei.

Das Geschäftsmodell

Für den Fan-Forscher Harald Lange gehen die Ursachen für das Wegbleiben der Fans bei den Fußballspielen tiefer: „Erst waren es nur die Ultras, inzwischen kritisieren aber auch die ganz normalen Zuschauer die Ausrichtung der DFL.“

Immer mehr Fans nähmen eine Fehlentwicklung wahr. Der Profifußball zeige sich immer mehr als reines Geschäftsmodell. Die Vereine könnten aber nicht viel tun. „Es gibt keine Zauberformel, die jetzt wieder mehr Menschen ins Stadion lockt. Letztendlich entscheiden die Fans.“

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