Berlin Nach den neuen Korruptionsvorwürfen gegen den WM-Gastgeber Katar werden die Forderungen nach einer Neuvergabe des Fußball-Weltturniers 2022 immer lauter. Vor allem die Nationen, die mit ihren Bewerbungen um die Weltmeisterschaft zuletzt unterlegen waren, üben heftige Kritik und setzen den Weltverband unter Druck.

Wie zuvor schon der Weltverbands-Vize Jim Boyce, schloss Lord Peter Goldsmith, Mitglied der unabhängigen Fifa-Reformkommission, eine neue Abstimmung nicht aus. „Wenn es bewiesen ist, dass die Entscheidung, Katar die WM zu geben, durch Bestechung und unangemessene Einflussnahme herbeigeführt wurde, dann sollte diese Entscheidung nicht mehr stehen“, sagte der frühere britische Generalstaatsanwalt.

Klarheit erhält Goldsmith womöglich schon kurz nach der WM. Fifa-Chefermittler Michael Garcia will seine Untersuchungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 bis zum 9. Juni abschließen. Das gab das Büro des früheren US-Staatsanwalts am Montag bekannt. Gut sechs Wochen später, also unmittelbar nach der WM in Brasilien, will er seinen Bericht an die Rechtskammern weiterleiten. „Der Bericht wird alle möglichen Beweise zum Bieterverfahren beinhalten, einschließlich der Informationen aus vorherigen Untersuchungen“, versprach Garcia.

Auch Australien pocht nach der Bewerbungs-Niederlage gegen das Wüsten-Emirat auf eine neue Chance. „Es ist eine ernsthafte Entwicklung, es sind ernsthafte Vorwürfe und wir wollen sehen, was die Antwort sein wird“, sagte der nationale Fußball-Chef David Gallop bezüglich der Fifa-Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung beim Votum für Katar. Die Zeitung „The Australian“ schrieb zudem am Montag, dass der Verband eine erneute Kandidatur in Betracht ziehe, sollte dem Wüsten-Emirat die WM 2022 entzogen werden.

Bis dahin ist es aber trotz der Enthüllungen der „Sunday Times“, die von vermeintlichen Zahlungen des ehemaligen Spitzenfunktionärs Mohamed bin Hammam in Höhe von fünf Millionen Dollar an Offizielle berichteten, noch ein weiter Weg. Selbst wenn der Bericht von Fifa-Chefermittler Michael Garcia eine Neu-Ausschreibung nahelegt, ist mit einem Gang durch alle Instanzen der Sport- und Zivilgerichtsbarkeit zu rechnen.

Auf eine neuerliche Vergabe drängt auch der Vorsitzende des englischen Fußball-Verbands, Greg Dyke. England hatte sich zwar um die WM 2018 beworben und war damit Russland unterlegen, zürnt aber immer noch über diese Entscheidung.

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