Hamburg /Oldenburg Als Rafael van der Vaart und Co. die wilde Partynacht im Rock-Club „Zwick“ am Dienstag um 5.30 Uhr langsam ausklingen ließen, schworen sich Bruno Labbadia und Dietmar Beiersdorfer mit einem Absacker im „Erikas Eck“ auf St. Pauli schon auf eine bessere Zukunft ein. Nach dem zweiten Fast-Abstieg in Folge soll und muss beim Hamburger SV alles besser werden.

„Ich denke auch, dass es jetzt reicht, die Nerven so zu strapazieren“, sagte Clubchef Beiersdorfer, der trotz der ausgelassenen Feierlichkeiten im Anschluss an das dramatische 2:1 nach Verlängerung im Relegations-Rückspiel beim Karlsruher SC den Finger in die Wunde legte: „Freude ist nicht zu verwechseln mit einer inneren Genugtuung. Die kann es nach dieser Saison bei uns nicht geben.“

Damit der Dino der Fußball-Bundesliga keine dritte Horrorsaison mit Last-Minute-Rettung in der Relegation erleben muss, laufen die personellen Planungen an der Elbe bereits auf Hochtouren. So stehen die Abgänge von Altstar van der Vaart (32), Marcell Jansen (29) und Ivo Ilicevic (28) bereits fest.

Hinter der Zukunft von Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic, Heiko Westermann, Valon Behrami und Artjoms Rudnevs stehen große Fragezeichen. Klar ist, dass die schwächste Offensive der Liga dringend Verstärkung benötigt. „Wir müssen Veränderungen vornehmen“, sagte Labbadia am Dienstag. Potenzielle Zugänge wollte Sportchef Peter Knäbel nicht kommentieren.

Allen voran fordert auch Club-Ikone Uwe Seeler einen Umbruch. „Jetzt muss etwas passieren“, sagte der frühere Mittelstürmer: „Man muss jetzt handeln und Dinge gerade rücken. Es gibt genug zu tun. Ich hoffe, die Verantwortlichen wissen das.“

Seine Hoffnungen setzt Seeler dabei vor allem auf Trainer Labbadia. „Er ist der Richtige für den Neuaufbau“, sagte der 78-Jährige. Labbadia habe „gute Arbeit“ geleistet und sich „voll reingekniet“.

Die Karlsruher ärgerten sich derweil mächtig über Referee Manuel Gräfe, der in der Nachspielzeit einen Freistoß gab, als Rajkovic aus kurzer Entfernung Jonas Meffert an den Oberarm schoss. So kam der HSV durch Marcelo Diaz zum Ausgleich in der Nachspielzeit. „Das kann und darf man nicht pfeifen“, schimpfte Manager Jens Todt und spottete in Richtung des Berliner Unparteiischen: „Augen auf bei der Berufswahl!“

Heiner Neuenstein, ehemaliger Bundesliga und Fifa-Schiedsrichter aus Friesoythe (Kreis Cloppenburg), nahm Gräfe jedoch in Schutz. „Ich habe die Szene im TV gesehen. Meine erste Reaktion war: Klares Handspiel“, meinte der 56-Jährige am Dienstag. Neuenstein räumte ein, dass man nach Betrachten der Wiederholung auch anderer Meinung sein könne: „Aber der Schiedsrichter hat nur eine Perspektive zur Verfügung. Und aus Gräfes Position sah die Arm-Bewegung des Karlsruher Spielers unnatürlich aus.“

Die Karlsruher sollten sich mit der Entscheidung abfinden, meint Neuenstein: „Die einen freuen sich, die anderen ärgern sich. So ist Fußball, das macht ihn so populär.“

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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