Meppen /Oldenburg Nach dem glücklichen Ende im Elfmeterdrama war der Aufstiegs-Trainer „total alle“. Das packende Spielende, das die Fußballer des SV Meppen nach 17 Jahren zurück in die Drittklassigkeit brachte, hatte bei Christian Neidhart sichtlich Spuren hinterlassen: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Mir fehlen die Worte.“

Neidhart fand sie dann doch noch und beschrieb seine Emotionen, nachdem im Elfmeterschießen Sebastian Gärtner von Waldhof Mannheim den entscheidenden Versuch an den Pfosten geschossen hatte. „Sensationell“, fand der Coach den Erfolg nach einem 0:0 im Hinspiel und weiteren 120 torlosen Minuten im Rückspiel. „Einen größeren Krimi kann man gar nicht machen“, beschrieb Mittelfeldspieler Patrick Posipal, Enkel des 1954er-Weltmeisters Jupp Posipal (1927 - 1997), das Elfmeter-Drama. Dieses entschied Meppen mit 4:3 für sich.

Viele Derbys im Nordwesten

Fünf Vereine aus dem Nordwesten (Werder Bremen II, VfL Osnabrück, SV Meppen) beziehungsweise dem nördlichen Nordrhein-Westfalen (Sportfreunde Lotte, Preußen Münster) spielen in der Saison 2017/18 in der 3. Liga. Die weitesten Auswärtsfahrten stehen für diese Teams bei den Spielen bei Absteiger 1860 München und Aufsteiger Spielvereinigung Unterhaching an.

„Nie mehr 4. Liga, nie mehr“, jubelten die meisten der 13 815 Zuschauer in der Meppener Arena, während einige hundert Fans auf den Platz liefen und teilweise Pyrotechnik zündeten.

Die Mehrzahl der Meppener feierte indes friedlich das Comeback ihres Sportvereins, der viele Jahre lang als Kultclub der 2. Liga und Synonym der Fußball-Provinz galt. Zwischen 1987 und 1998 spielten die Emsländer zweitklassig. Nach dem Abstieg und der späteren Insolvenz fiel der Verein zwischenzeitlich bis in die 5. Liga zurück.

Überraschend kam die souveräne Regionalliga-Meisterschaft und jetzt der Aufstieg, weil der Club vor dieser Saison das Voll-Profitum abgeschafft hatte. „75 Prozent der Spieler arbeiten bei uns“, erklärte Trainer Neidhart (48), der einen Vertrag für zwei weitere Jahre hat. Vor seinem Engagement in Meppen, das 2013 begann, hatte er als Co-Trainer beim VfB Oldenburg und beim BV Cloppenburg sowie als Chefcoach beim SV Wilhelmshaven gearbeitet. Für Neidhart bedeutet der Aufstieg, dass es nun zu einem Familienduell kommt. Sein Sohn Nico (22) steht beim Drittligisten Sportfreunde Lotte unter Vertrag.

Philipp Herrnberger gratulierte den Emsländern zum Aufstieg. „Allerdings ist es schade, dass wir in der kommenden Saison zwei Derbys weniger in der Regionalliga haben“, sagte der Geschäftsführer des nun ehemaligen Meppener Ligarivalen VfB Oldenburg: „Die Meppener hatten schon in der vergangenen Saison eine gut eingespielte Mannschaft. In dieser Saison hat sich das Team nochmals gesteigert und ist verdient aufgestiegen. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder – aber nicht in der Regionalliga, sondern in der 3. Liga.“

Unschöne Begleiterscheinung des Spiels war die Fan-Randale. Nach dem Abpfiff „kippte die Stimmung im Gästeblock“. So beschrieb es die Polizei, die eine Eskalation und einen Platzsturm nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot und einem Wasserwerfer verhinderte.

„Die Aggressionen mündeten in Gewalt gegen die Zäune und die Einsatzkräfte“, berichtete die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim. Es gebe acht verletzte Mannheimer Fans, einige mussten im Krankenhaus behandelt werden. Fünf Beamte wurden leicht verletzt.

Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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