Ab der Saison 2017/18 soll es in der Fußball-Bundesliga zum ersten Mal fünf Montagsspiele geben.

Vor allem Auswärtsfahrer unter den Fans protestieren dagegen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Mehrheit der Vereine argumentiert jedoch, dass sich die Übertragungsrechte für die Spiele der 1. und 2. Bundesliga nur dann noch teurer verkaufen lassen, wenn ein Spieltag in möglichst viele Scheibchen zerlegt wird. Ein Überblick über einige Pro's und Kontra's in einer komplizierten, kontroversen Diskussion.

FANS KONTRA MONTAGSSPIELE:

Für jene Fans, die ihrem Verein auch an einem Montagabend hinterher reisen wollen, gibt es zunächst einmal ein praktisches Problem: "Man fährt kreuz und quer durch Deutschland an einem Montag. Dafür braucht man zwei Tage Urlaub", sagte Jochen Grotepaß, Sprecher der Fanorganisationen "Unsere Kurve", der Deutschen Presse-Agentur.

Was viele Anhänger aber noch mehr auf die Palme bringt, ist ein diffuses Gefühl: Dass auf ihre Belange niemand mehr Rücksicht nimmt im Millionengeschäft Profifußball. Dass die Vereine der Bundesliga mehr an Businesskunden und potenziellen TV-Zuschauern in fernen Ländern interessiert sind, als an den Stimmungsmachern in der Kurve.

"Im Grunde genommen geht es einzig und allein darum, den TV-Vertrag nach oben zu schrauben, unterschiedliche Pakete anzubieten und damit mehr Geld in die Kassen der Vereine zu spülen", meinte Grotepaß.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert betonte zwar noch einmal: "Die Fans sind ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Fußball- Kultur. Es ist nicht geplant, eines Tages montags eine Vielzahl von Erstligaspielen durchzuführen."

Doch viele Fans trauen seinen Aussagen nicht. Sie befürchten: Fünf Montagsspiele pro Saison werden erst der Anfang sein. "Bei der DFL wird gern nach dem Prinzip verfahren: 'Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.' Es wird weitergehen. Das Geld regiert den Fußball", meinte der Sprecher der Fanorganisation ProFans, Alex Schulz.

DFL PRO MONTAGSSPIELE:

Die Deutsche Fußball Liga hat ein großes Ziel: Nimmt man alle 17 ausgeschrieben Rechtepakete zusammen, will sie mit dem Verkauf der TV-Rechte künftig mehr als eine Milliarde Euro erlösen. Das kann sie aber nur schaffen, wenn sie den TV-Sendern oder Internetunternehmen möglichst viele verschiedene Anstoßzeiten anbietet, an denen Spiele exklusiv übertragen werden können. Je mehr Spiele zeitgleich an einem Samstagnachmittag stattfinden, desto weniger sind auch die TV-Rechte wert.

"Die Fans der Bundesliga wollen doch auch weiterhin die Stars bei unseren Vereinen sehen. Die Spieler kosten aber immer mehr Geld", sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge der "FAZ".

Die DFL steht bei den TV-Verträgen auch deshalb so unter Druck, weil die Clubs der englischen Premier League ab der kommenden Saison mehr als drei Milliarden Euro an dem Verkauf ihrer Übertragungsrechte verdienen werden. "Profifußball, wie er in Deutschland gespielt wird, braucht erhebliche finanzielle Mittel. Wir leben nämlich nicht auf einer einsamen Insel", sagte Seifert.

VEREINE PRO MONTAGSSPIELE:

Über die neuen Spielpläne freuen sich vor allem die Vereine, die in der Champions oder Europa League starten. Für die bedeutet ein mögliches Spiel am Montagabend mehr Erholung nach einem Eurocup- Abend.

"Die Europapokal-Teilnehmer bekommen nach einem Spiel mehr Luft. Das ist ein Zugeständnis, das absolut akzeptabel ist. Ich kann mich mit den neuen, kreativen Plänen anfreunden", erklärte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl.

Auch Rummenigge sagt über die geplante Spielplan-Reform: "Es spielen hierbei nicht nur finanzielle Notwendigkeiten eine Rolle, sondern auch technische. Es geht um eine Entlastung der international tätigen Clubs."

Der Bayern-Boss und sein Rivale Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund sind sich in dieser Frage ausnahmsweise einmal einig. "Die Zerfaserung ist ja so ein herrliches Stichwort", sagte Watzke an die Adresse der kritischen Fans. "Aber wenn wir dafür zwei Englische Wochen weniger haben, ist das für die Fans von Vorteil. Sie müssen unter der Woche definitiv nicht mehr reisen, als jetzt."

Voraussetzung dafür sei natürlich, "dass bei den fünf Montagsspielen kein Club dabei ist, der zwei- oder dreimal betroffen ist. Aber wenn man dann noch bedenkt, dass man nicht mehr Donnerstag und Samstag spielen muss, was für die Spieler gesundheitsgefährdend ist, dann geht die neue Spieltags-Reform durchaus in Ordnung".

AMATEURE KONTRA SONNTAGSMITTAG-SPIELE:

Bislang gibt es zwischen den Proficlubs auf der einen und dem DFB auf der anderen Seite eine klare Absprache: An einem Sonntag darf vor 15.00 Uhr kein Bundesliga-Spiel stattfinden, weil das den vielen Kreis- und Bezirksliga-Spielen im ganzen Land die Zuschauer wegnehmen könnte. Dass es ab der Saison 2017/18 in der Bundesliga auch fünf Sonntagsspiele um 13.30 Uhr geben soll, bereitet den Amateurvertretern deshalb zumindest Sorgen.

"Natürlich muss man abwarten, wie die Pakete umgesetzt werden", sagte der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes BFV, Bernd Schultz. "Aber wenn man die Zahl der Bundesliga-Spiele zu diesen traditionellen Anstoßzeiten des Amateurfußballs weiter ausweitet, muss man das neu diskutieren." Schultz bringt unter anderem die Idee ins Spiel, dass die Profivereine nach der Änderung der Spielpläne einen finanziellen Ausgleich für den Amateurfußball schaffen könnten.

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