Friesoythe Neue Ausstellungsstücke im Postgeschichtlichen Museum in Friesoythe: Geschichts- und Heimatinteressierte können sich in Friesoythe nun unter anderem ein Bild davon machen, was damals getan wurde, wenn ein Briefbeutel, im Volksmund „Postsack“ genannt, kaputt war. „Es gab bei der Post Angestellte, die für das Flicken der Beutel zuständig waren. Dafür wurden eigene Nähmaschinen angeschafft“, erklärt der Leiter des Museums, Wolfgang Letzel. Eine solche Nähmaschine, die ursprünglich in Wilhelmshaven im Einsatz war, hat das Museum nun vom Postamt Oldenburg bekommen und ausgestellt.

Archiv wird digitalisiert

Das Archiv des Postgeschichtlichen Museums wird in den kommenden Jahren digitalisiert.

6000 Aktenordner mit jeweils bis zu 400 Seiten müssen eingescannt werden. Jede Seite muss dabei einzeln aufgelegt werden, da die Blätter unterschiedliche Formate haben. Erschwerend ist zudem, dass unterschiedliches Papier verwendet wurde. Vor allem die damals verwendeten Pergament- und Thermopapiere reißen sehr schnell.

Hans Lammers aus Barßel ist im Ruhestand und hat bei der Post gearbeitet. Er übernimmt die Archivarbeit für ein Jahr.

8000 Euro hat das Postgeschichtliche Museum vom Niedersächsischen Kultusministerium für die Digitalisierung bekommen. Davon wurden bisher Scan-Equipment und ein neuer PC angeschafft.

Nach den Postakten sollen Fernmeldeakten und Bücher digitalisiert werden.

Unweit der Nähmaschine hängt zudem ein Briefkasten der ehemaligen Deutschen Reichspost. „Dieser stammt aus der Zeit um 1900 und war ursprünglich kornblumenblau. 1946 wurde er mit honiggelber Farbe angestrichen, und die Aufschrift wurde von ,Post-Briefkasten’ in ,Deutsche Post’ geändert“, berichtet Walter Beckmann, stellvertretender Museumsleiter. Der Briefkasten hing vermutlich bis in die 1980er-Jahre im Thüringer Ort Königsee in der DDR.

Direkt daneben befindet sich eine Briefeinwurfplatte, die außen an den Postämtern angebracht war und durch die die Menschen ihre Briefe einwerfen konnten. „Diese Platte ist aus Messing und stammt von 1890“, sagt Letzel. Im Fundus des Museums haben Letzel und Beckmann zudem einen alten Brieftransportbeutel des kaiserlichen Postamtes Oldenburg.

Auch ein beleuchteter Werbekasten für Produkte der Post aus den 1950er-Jahren, in dem beispielsweise Schnellpakete, Luftbriefe und Weihnachtspost beworben wurden, kann nun besichtigt werden. Zu den Ausstellungsstücken gehört ab sofort auch rund 100 Jahre altes Geschirr aus den Kantinen der ehemaligen Reichspost.

Auf den ersten Blick für Verwunderung sorgt eine Posttrompete, die um 1840 in Preußen im Einsatz war. Mit der Post verbinden die Menschen schließlich das klassische Posthorn und keine Trompete: „Damals wurden in Preußen Trompeten eingeführt, um an den Poststationen das Signal zum Pferdewechseln zu geben. 1866 folgte jedoch die Rückkehr zum klassischen Posthorn“, erklärt Letzel.

Die Trompete wurde von Klaus Eckhardt aus Grömitz an der Ostsee zur Verfügung gestellt. Der ehemalige Post-Angestellte ist dem Museum sehr verbunden und wird in diesem Jahr zum dritten Mal beim Internationalen Museumstag am Sonntag, 19. Mai, die Gäste in seiner Postillions-Uniform begrüßen. An diesem Tag wird auch eine Präsentation zum Friesoyther Stadttor mit über 30 Folien gezeigt.

Nils Coordes Redakteur / Newsdesk
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