Friesoythe Als 21-Jähriger besuchte der gebürtige Cloppenburger Alwin Meyer das frühere Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dort erfuhr er zum ersten Mal, dass in dem Lager auch Kinder gefangen waren. Eine Erkenntnis, die den Autor und Dokumentarfilmer Meyer nie wieder loslassen sollte.

Er begab sich auf die Suche nach Überlebenden, die im Kindesalter in Auschwitz gefangen waren. Ihre bewegenden Geschichten erzählte Meyer am Mittwochvormittag Schülern des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Friesoythe. „Neben meiner Familie ist dieses Thema zu dem Wichtigsten in meinem Leben geworden“, sagte Meyer. 1972 begann seine weltweite Suche nach den „Kindern von Auschwitz“. Inzwischen hat Meyer ganze 80 Personen gefunden, die im Kindesalter in Auschwitz gefangen waren. Mit 45 von ihnen hat der heute 67-jährige Meyer gesprochen, mit einigen sogar an die 30 Mal. „Von den rund 232 000 nach Auschwitz verschleppten Kinder zwischen dem ersten und 17. Lebensjahr haben nur knapp 700 überlebt“, erklärte Meyer.

Zur Ausstellung

„Die Kinder von Auschwitz“ ist der Titel von Alwin Meyers Ausstellung in der Katholischen Akademie in Stapelfeld, Stapelfelder Kirchstraße 13.

80 Personen, die im Kindesalter in Auschwitz-Birkenau gefangen waren, hat Alwin Meyer kennengelernt. Ihre Erzählungen vom Lagerleben und von einer Kindheit im Vernichtungslager werden in der Ausstellung behandelt.

Bis zum 29. Oktober wird die Ausstellung zu sehen sein, jeweils von Montag bis Samstag von 9 bis 20 Uhr, an Sonntagen von 9 bis 13 Uhr.

Beim Besuch des Vernichtungslagers erfuhr er vom ehemaligen Gefangenen Tadeusz Szymanski von den Kindern. Szymanski stellte auch den Kontakt zu den Überlebenden Lidia und Kola her. Kola wurde im Alter von zwei Jahren im Lager von seiner Mutter getrennt. Er überlebte nur, weil Emilia und Adam Klimcyzk ihn nach der Befreiung des Lagers mit zu sich nahmen. Die Zeit in Auschwitz konnte er trotz des jungen Alters nicht vergessen. So erzählte Meyer davon, dass Kola eine lange Zeit nicht geglaubt habe, dass Menschen eines natürlichen Todes sterben können. „Sterben? Was ist das?“, soll der junge Kola einst gefragt haben. Aus dem Konzentrationslager kannte er es schließlich anders.

Yehuda Bacon wurde im Kindesalter ebenfalls nach Auschwitz verschleppt. Mit ihm traf sich Alwin Meyer bereits an die 30 Mal. Als Yehuda Bacon seine Eltern und weitere Familienmitglieder im Lager verlor, habe er nicht einmal trauern können. Er hatte schon zu viel gesehen.

„Keines der überlebenden Kinder konnte und kann Auschwitz jemals vergessen“, stellte Meyer fest. Der 67-Jährige lernte auf seiner Suche auch Eduard Kornfeld kennen. Meyer erzählte, dass diesen schon sein ganzes Leben Träume von seiner Zeit im Vernichtungslager plagten.

Heutzutage setzt sich Meyer in Büchern, Vorträgen und Ausstellungen mit dem Thema auseinander. In der Katholischen Akademie Stapelfeld ist am Sonntag seine Ausstellung „Die Kinder von Auschwitz“ eröffnet worden. Ein nächstes Buch des Autoren soll Kola Klimcyzks Familienhistorie behandeln.

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