Friesoythe Um 22.03 Uhr am Mittwochabend war es amtlich: Hildegard Kuhlen wird für die CDU als Kandidatin für die Bürgermeisterwahl in Friesoythe antreten. Mit 57,4 Prozent der Stimmen setzte sich die Thülerin gegen ihren Kontrahenten Bernd Wichmann aus Friesoythe – er erreichte 42,6 Prozent der Stimmen – durch (die NWZ  berichtete). Großer Jubel im Lager der Kuhlen-Anhänger, Enttäuschung aber fairer Applaus von den Wichmann-Anhängern.

Spannung spürbar

Vorausgegangen war ein Wahlabend der besonderen Art. 466 von 672 wahlberechtigten CDU-Mitgliedern des Friesoyther Stadtverbandes, das entspricht fast 70 Prozent, drängten sich in den mehr als voll besetzten Saal des Gasthofes Reiners in Gehlenberg, um in einer Urwahl den CDU-Bewerber um das Bürgermeisteramt zu wählen. Die Spannung im Saal war spürbar, denn es war ein Wahlabend mit offenem Ausgang. Die beiden Kandidaten hatten im Vorfeld kräftig für sich die Werbetrommel gerührt und sogar Verwandte und Bekannte zur CDU-Mitgliedschaft überredet, damit diese mitstimmen durften. Doch wer am Ende eine größere Schar hinter sich versammeln konnte, vermochte kaum einer der Anwesenden zu vermuten.

Eine Vorstellungsrunde der beiden Bewerber brachte auch keinen Aufschluss, denn sie begegneten sich auf Augenhöhe. Nur eines wurde klar: Kuhlen und Wichmann unterscheidet nicht nur das Geschlecht. Auch die Ansprache an die CDU-Mitglieder glich sich in keinster Weise.

Die 46-jährige Thülerin setzte auf die Karte „erfahrene Kommunalpolitikerin“. Sie habe dazu beigetragen, dass Friesoythe heute gut dastehe. Sie hob Projekte wie den Umbau des alten Bahnhofsgeländes, den Rathausbau, die Entlastungsstraßen und aktuell das Projekt Allwetterbad hervor, lobte die Landwirtschaft als wichtigen Wirtschaftsfaktor, bot sich an als „Bürgermeisterin für alle Gewerbetreibenden“ und erklärte die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Chefsache. Wichtig sei ihr der Zusammenhalt aller Ortschaften. Kuhlen: „Wir müssen leben, dass wir eine Stadt sind.“ Sich selbst bezeichnete sie als Frau der „direkten Worte“, sie sei „gerade heraus“. Es folgte großer Applaus, Jubel und Pfiffe der Begeisterung.

Der 43-jährige Friesoyther Bernd Wichmann wählte eine andere Herangehensweise, um die CDU-Mitglieder zu überzeugen. Er führte vor allem die Herausforderungen der Zukunft an. Diese bestünden vornehmlich darin, den demografischen Wandel im kommunalen Bereich frühzeitig zu begleiten. „Das wird unser politisches Handeln immer stärker prägen.“ Dabei müsse man alle Generationen im Blick behalten. Er betonte: „Kinder von heute werden hierbleiben, wenn sie überzeugt sind, hier ihr Glück zu finden.“ Einen Seitenhieb für Kuhlen gab es auch noch. Schließlich sei das Bürgermeisteramt keine logische Fortführung der Parteikarriere. Auch hier: Großer Applaus, Jubel, Pfiffe der Begeisterung.

Am Ende konnte Hildegard Kuhlen 267 Stimmen auf sich vereinen. Bernd Wichmann hatte mit 198 Stimmen das Nachsehen. Dass nur eine Stimme ungültig war, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass es von vornherein zwei klare Lager gegeben hat.

„Ich werde kämpfen“, versprach Kuhlen einen engagierten Wahlkampf um das Bürgermeisteramt. Zunächst müsse sie aber die 198 CDU-Mitglieder, die nicht für sie gestimmt hätten, von ihrer Person überzeugen. Wichmann selbst zeigte sich als fairer Verlierer und zählte zu den ersten Gratulanten. Der noch amtierende Bürgermeister Johann Wimberg freute sich für die Wahlgewinnerin, lobte aber auch Wichmann, der „mehr als einen Achtungserfolg erzielt hat“.

JU erfreut über Wahl

Als Beitrag zur Demokratie wertet Gerhard Bruns (CDU), Vorsitzender des Friesoyther Stadtrats, die Urwahl des CDU-Kandidaten. Das Interesse der Menschen sei – anders als bei Delegiertenwahlen – groß gewesen. „Ich bin der Überzeugung, dass Hildegard Kuhlen das Bürgermeisteramt sehr gut ausüben wird“, so Bruns.

Ernst Dierkes, Vorsitzender der Friesoyther Senioren-Union, sagte: „Die Mehrheit hat abgestimmt.“ Er wünsche Hildegard Kuhlen viel Glück.

Jonas Bickschlag (Friesoythe) von der Jungen Union freut sich über die Wahl von Hildegard Kuhlen und hofft, in ihr künftig auch eine Stimme für die Jugend in Friesoythe zu finden. Bernd Wichmann, der ein „sehr respektables“ Ergebnis erreicht habe, „hätte es bestimmt auch gekonnt“, so Bickschlag.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/cloppenburg 
Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.