Borgstede Im Veranstaltungshaus „Weberei“ in Varel hat Hermann Pieper noch eine Ausbildung zum Weber gemacht, als es wirklich noch eine Weberei war. Als die Grundschule Borgstede gerade fertiggestellt war, wurde er dort eingeschult – nun wird sie wegen zu geringer Schülerzahlen aufgelöst. Als sein Sohn geboren wurde, hat Hermann Pieper kein Foto auf Facebook gepostet, sondern erst Tage später davon erfahren, als ein Brief per Feldpost zu seinem Posten auf Kreta kam.

Hermann Pieper hat noch nie selbst ein Auto gefahren – er hat keinen Führerschein. Er heizt heute noch seine Küche, wie er es vor fünfzig Jahren gemacht hat – mit Holz, das er selbst im Garten klein sägt. Er isst Gemüse aus seinem großen Garten – und er hat es zuvor selbst gepflanzt, großgezogen und geerntet.

Das alles erzählt Hermann Pieper so, während er ohne Gehilfe durch seine Stube läuft, er trägt kein Hörgerät und keine Brille. „Ab 90 werden die Augen wieder besser“, sagt er. Solche Männer gibt es wohl nur wenige. Hermann Pieper wird an diesem Mittwoch, 19. März, 100 Jahre alt.

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Zu Glasmurmeln sagt er Knicker. „Für zehn Knicker haben wir einen Pfennig bezahlt“, erzählt er aus seiner Kindheit. Er ist mit Holzschuhen zur Schule gegangen, und nach der Schule hat er für wenige Pfennige auf Baustellen gearbeitet. Als er Schüler war, gab es noch die Prügelstrafe. „Und wenn der Stock abgebrochen ist, mussten wir einen neuen mitbringen. Aber den hatten wir dann schon eingeritzt, damit er schneller abbricht.“ Er grinst wie ein Schuljunge.

Als er jung war, gab es in Borgstede noch zwei Kolonialwarenläden, Drechsler, einen Schmied, Schumacher und Zigarrenmacher.

Zwei Kriege hat Hermann Pieper miterlebt. In seinem vierten Lebensjahr hat er kaum etwas anderes gegessen als Steckrüben.

Zur Hochzeit mit seiner Frau Gerda ist er mit dem Fahrrad gefahren, der Schleier lag im Fahrradkorb. Er erzählt das alles mit strahlenden Augen, und schließlich sagt er: „Wissen Sie, die Leute wissen gar nicht, wie gut sie es heute haben. Ich bin zufrieden. Und zufrieden sein heißt glücklich sein, ob man nun zwei Pfennige hat oder zweitausend.“

Sandra Binkenstein Redakteurin / Redaktion Varel
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