VAREL Die Zukunft der Firma Heinen am Standort Varel ist gesichert. Das älteste Unternehmen der Stadt, das vor drei Monaten Insolvenz angemeldet hat, arbeitet künftig mit einem neuen Partner an seiner Seite. Die Amandus-Kahl-Gruppe aus Hamburg-Reinbek übernimmt 75 Prozent der Anteile. Sie ist wie Heinen im Anlagenbau tätig. Von den 50 Mitarbeitern wurden nach Auskunft des Insolvenzverwalters Christian Hanken (Wittmund) und des geschäftsführenden Gesellschafters Helge Pahl 42 übernommen. Für die anderen wurde ein Sozialplan erstellt. Sie erhalten eine Abfindung.

Frosteranlagen erfolgreich

Die neue Firma mit dem Namen Heinen Freezing GmbH und Co KG an der Achternstraße konzentriert sich in Zukunft auf den Anlagenbau von Frostern für die Lebensmittelindustrie. „Diese Sparte war und ist sehr erfolgreich am Markt und gehört zu den größten Herstellern in Europa“, erklärte Pahl. Probleme habe die alte Heinen GmbH im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise im Anlagenbau von Trockner bekommen. Die Aufträge des weltweit tätigen Unternehmens seien weggebrochen. Die Froster-Sparte habe die Defizite nicht mehr auffangen können. „Dieser Teil der alten Firma wird nun liquidiert“, sagte Hanken.

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Weltweit tätig

Trotz der im Oktober angemeldeten Insolvenz lief der Betrieb bei Heinen weiter: Anlagen werden konstruiert, die Bauteile eingekauft und die Anlagen in den Firmen für Pizza, Torten, Fleisch, Backwaren, Fisch und Gemüse montiert. „Von der Größe her sind die Anlagen meist kleine Familienhäuser“, erklärte Pahl. Dazu gehöre auch der Service. Zehn bis 15 Mitarbeiter seien permanent rund um den Globus unterwegs. In den vergangenen zwei Jahren wurden Froster unter anderem in Mexico, Südafrika, Polen, Türkei, Frankreich, Italien und Ägypten gebaut. Der Umsatz betrug im Vorjahr 14 Millionen Euro. Nächstes Jahr werden zwölf Millionen angestrebt. „Wir haben von unseren Kunden gute Resonanz erfahren“, sagte Pahl.

Die vergangenen drei Monate waren nach Darstellung von Hanken nicht leicht. Es habe zehn Interessenten aus dem In- und Ausland für die Firma gegeben. Mit dreien sei verhandelt worden. Eines der wichtigsten Ziele sei der Erhalt des Standortes Varel gewesen. „Es gab auch Interessenten, die nur am Know-how interessiert waren“, so Hanken. Eine große Rolle bei den Übernahmegesprächen habe der Gläubigerausschuss gespielt. Darin waren unter anderem die Sparkasse Wilhelmshaven und der Betriebsrat von Heinen vertreten.

Begleitet und unterstützt worden ist die Sanierung auch von den Wirtschaftsförderungen der Stadt Varel und des Landkreises Friesland. „Stadt und Landkreis geben ein Darlehen“, sagte Bürgermeister Gerd-Christian Wagner. „Wir haben uns auch erfolgreich beim Land um Fördergelder bemüht. Ich freue mich, dass Heinen einen starken Partner gefunden hat.“

Um den Neuanfang von Heinen zu ermöglichen, haben laut Hanken auch die Mitarbeiter einen großen Beitrag geleistet. „Sie haben auf viel Geld verzichtet, vor allem, wenn sie im Ausland unterwegs waren, teilweise auch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld.“ Das bestätigte Betriebsratsvorsitzender Wilfried Elberling. „Wir haben eine schwere Zeit hinter uns, sind nun aber froh, dass es weitergeht. Eine bittere Pille sind die acht Kollegen, die entlassen wurden.“

Die Firma Heinen

Die Traditionsfirma Heinen, 1856 von Anton Heinen gegründet, entwickelte sich von einer Gelbgießerei (Messing) zu einer Eisengießerei (1861) und Fabrik zur Herstellung von Tabakschneidemaschinen (1866).

Zu den Produkten zählten auch Tabakröstmaschinen, Rippenwalzwerke zur Tabakverarbeitung, Torfverarbeitungsmaschinen und Maschinen für die Ziegelindustrie. Ab 1982 folgte der Aufbau der Sparten Gefriersysteme und Trocknungstechnologie für die lebensmittelverarbeitende und pharmazeutische Industrie.

In mehreren Abschnitten erfolgte der Arbeitsplatzabbau in den 90er Jahren, der 2001 in der Insolvenz endete. Seitdem kamen von Heinen zumeist gute Nachrichten.

2007 folgte die Trennung von der Maschinenbausparte, die Heiko Theilen übernahm. Die Theilen Maschinenbau Varel steht gut am Markt.

Die neue Firma Heinen GmbH und Co KG gehört zu 75 Prozent der Amandus-Kahl-Gruppe (Maschinen- und Anlagenbau, rund 450 Mitarbeiter an mehreren Standorten) aus Hamburg. 25 Prozent teilen sich die beiden bisherigen geschäftsführenden Gesellschafter Helge Pahl (Maschinenbau-Ingenieur) und Jochen Hottinger (Elektro-Ingenieur). Nicht mehr vertreten sind Gerd Knospe und Leo te Brake, die mit der Heinen Holding 90 Prozent der alten Heinen GmbH hielten.

Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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