Zetel /Wilhelmshaven Der Nordwest-Zeitung wurde in diesen Tagen von Lesern gemeldet, dass unter Lindenbäumen in Zetel auffällig viele tote Hummeln liegen. Das Problem hat auch der Naturschutzbund (Nabu) Wilhelmshaven erkannt und spricht von dramatischen Zuständen im Stadtgebiet und der Region. Der Nabu teilt mit: „In Wilhelmshaven lässt sich derzeit ein für den Hochsommer charakteristisches Phänomen beobachten: Scharen toter Hummeln sammeln sich an baumbesäumten Wegen innerhalb der Stadt, auffällig große Mengen unterhalb von Linden. Aufmerksame Beobachter zählten allein auf den Friedhof Friedenstraße 3000 bis 4000 Hummelkadaver.“

Jedoch: Spekulationen zu den Ursachen wie das Vorkommen einer in spätblühenden Linden auftretende, einfach strukturierte Zuckerverbindung, der Mannose, mit einer toxischen Wirkung auf Bienenarten und Hummeln, seien inzwischen wissenschaftlich widerlegt worden. Weder die oft zitierte ,Trunkenheit durch Nektargenuss’ noch Altersschwäche oder Gifte sind schuld an der Misere. Die traurige Antwort laute schlicht: „Die Hummeln verhungern.“ Anders als viele Bienenarten bilden Hummeln laut Nabu kaum nennenswerte Nahrungsdepots. Zudem gewöhnten sie sich nur schwer an neue, exotische Pflanzenarten. Sie leben laut Nabu von den angesammelten Zuckerreserven im Körper und sind unmittelbar abhängig von einem großen Nahrungsangebot. So seien die Linden in den ansonsten nahrungsarmen Monaten zwischen Juli und August oft die letzte verbliebene Nahrungsquelle für die geschwächten Sammler. „Nicht allein das Drosseln der Nektarproduktion durch den Baum selbst, sondern vor allem das Überhandnehmen der Nahrungskonkurrenz bewirkte, dass die Hummeln schließlich bei ihren Flügen zwischen Blüte und Nest mehr Energie verbrauchten als sie aufnehmen konnten und schließlich massenhaft verendeten“, teilt der Nabu in einer Pressemitteilung mit.

Der Nabu erklärt auch den Grund für das Verhungern der Hummeln: „Unsere steril werdende Umwelt, die einseitige Bepflanzung von Gärten und Grünanlagen, eine weitläufige Flächenversiegelung und die extrem lebensfeindliche Situation im Bereich der modernen Agrarwirtschaft lassen nicht nur die Hummeln, sondern die meisten Insekten rasant absterben. Ein Rückgang von 76 Prozent der Insektenmasse ermittelte eine bekannte Langzeitstudie seit 1989. Eine problematische Entwicklung, der zu begegnen unerlässlich ist. Agrarreformen tun not, zum Überleben unserer Tier- und Pflanzenwelt brauchen wir dringend ungenutzte sowie schonend bewirtschaftete Flächen. Ein Umdenken innerhalb unserer Konsumgewohnheiten sollte eher früher als später Teil unseres Alltags werden.“


Alles zum Insektenjahr der Nordwest-Zeitung unter   www.nwzonline.de/insektenjahr 
Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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