Tettens Mit so viel Resonanz auf den Infoabend zum Thema Windenergie hätte Timo Ostermann (Zissenhausen) von der „Bürgerinitiative Wangerland“ nicht gerechnet: „Das zeigt aber, dass die Menschen mehr Informationen wollen“, sagte er zum Auftakt.

Gut 200 Interessierte folgten am Donnerstagabend im Tettenser „Hof von Wangerland“ den Vorträgen von Matthias Elsner und Dr. Dr. Lothar W. Meyer von der Initiative „Vernunftkraft“, die vor allem einen sofortigen Ausbaustopp und ein Moratorium für Windenergie und Fotovoltaikanlagen fordert. Die Initiative hält die Auswirkungen dieser Technologien auf Mensch und Umwelt für nur unzureichend erforscht. Zudem zweifelt sie die Sinnhaftigkeit der Energiewende an.

Referat über Infraschall

Dr. Dr. Lothar W. Meyer referierte unter anderem über Infraschall. Dabei handelt es sich um Schall, dessen Frequenz unterhalb von etwa 16 bis 20 Hertz, also unterhalb der menschlichen Hörschwelle, liegt. Dennoch fürchten Windkraftgegner durch den Infraschall gesundheitliche Probleme: „Schlafstörungen, Schwindel, Herz- Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder Depressionen können die Folge sein“, sagt Meyer. „Denn die Windenergieanlagen erzeugen ein Schalldrücken und Vibrationen, die auch in vielen Metern Entfernung noch fühlbar sind.“

Ihre Sorge, Schlagschatten, Lärm und Infraschall könnten zu Beeinträchtigungen führen, machten die Bürger aus dem Wangerland deutlich. Mehrfach wurde seitens des Publikums sogar ein Stopp der Windkraftpläne gefordert.

„Die Bürger möchten gehört werden, Windkraft ist nicht das, was wir uns erhofft haben, wir sollten innehalten und alle zusammen überlegen, wie es weiter geht. Nicht nur Rat und Verwaltung, sondern alle Bürger im Wangerland“, sagte eine Zuhörerin. „Es ist genug, wir brauchen keine Windkraftanlagen im Wangerland mehr“, sagte ein anderer.

Wie berichtet, haben Rat und Verwaltung inzwischen den Aufstellungsbeschluss für vier Flächen im Wangerland gefasst. Erklärtes Ziel ist, bis Ende 2016 auf den vier Flächen zwölf bis 15 neue Anlagen als Bürgerwindpark baureif zu bekommen. Die Flächen, die aus der Potenzialstudie Windenergie hervorgegangen sind, liegen südöstlich von Hohenkirchen, südlich von Tettens, südwestlich von Haddien und südlich der Landesstraße 812 sowie zwischen Abfallwirtschaftszentrum Wiefels und B 210.

Neben Bürgern aus dem Wangerland, Vertretern der Bürgerinitiative Wangerland und Betroffenen aus Nachbarlandkreisen nahmen auch einige Ratsvertreter an der Versammlung teil, darunter Klaus Lammers (SPD), Wolfram Sandmeier (SPD), Reiner Tammen (Grüne), Dieter Behrens-Focken (CDU) und Immo Müller (UWW). Bürgermeister Björn Mühlena hatte sich entschuldigen lassen. Von den Bürgern mussten sich die Ratsvertreter vor allem den Vorwurf mangelhafter Informationspolitik gefallen lassen. „Warum werden wir nicht richtig informiert?“, fragten sie.

Immo Müller verwies darauf, dass die Pläne öffentlich gemacht worden seien, Wolfram Sandmeier betonte, dass er die Wiefelser bereits vor sechs Monaten über die Pläne informiert habe.

Abstände ein Thema

Müller, der sich zuvor klar als „Windkraftbefürworter“ positioniert hatte, stellte sich den Kritikern, die insbesondere die geplanten Abstände der neuen Windräder als zu gering kritisierten. „Ich will hier keine Grundsatzdiskussion führen, wenn wir überall Abstände von mindestens 1000 Metern einhalten müssten, wäre Windkraft im Wangerland kaum noch möglich“, sagte er.

Noch sei alles offen und noch nichts endgültig entschieden, betonte Dieter Behrens-Focken (CDU). „Es gibt noch keinen Satzungsbeschluss.“

Timo Ostermann versprach nach gut drei Stunden Vortrag und Diskussion, die „Bürgerinitiative Wangerland“ werde weiterkämpfen: „Wir haben gerade erst angefangen und ich bin froh, dass ich nicht mehr alleine dastehe.“

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