Wangerland Er war ein Mann der ersten Stunde: Vor 28 Jahren hat Johann Dirks die Windpark Bassens GmbH & Co.KG mitgegründet, 25 Jahre lang war er Geschäftsführer. Nun gibt er sein Amt in jüngere Hände: Am Freitag wurde er mit einer Feierstunde verabschiedet.

Amtswechsel

Nach 25 Jahren als Geschäftsführer der Windpark Bassens gibt Johann Dirks sein Amt an eine Doppelspitze ab: die Geschäftsführung haben jetzt der 29-jährige Fritz Ortgies und der 26-jährige Finn Harms-Janßen übernommen. „Wir wissen, dass wir in große Fußstapfen treten“, sagte Fritz Ortgies. „Und davor haben wir Respekt.“ Der 71-jährige Dirks wird künftig mehr Freizeit haben – die er unter anderem dem Shantychor, seiner Frau und seinem Hobby „Oldtimer“ widmen wird.

„Als wir damals angefangen haben, wurden wir belächelt und verspottet“, sagte Johann Ortgies, der auf die nicht immer ganz so leichten Anfänge zurückblickte. „Niemand hat verstanden, was wir gemacht haben – und auch nicht, dass wir Haus und Hof aufs Spiel setzten, für solch ein windiges Geschäft.“

Doch immer mehr schlossen sich zusammen, erst waren es vier Landwirte, dann sechs, dann neun – schließlich 17. „Dabei war Dirks immer ein besonderer Mann des Ausgleichs, der für jeden die richtigen Worte gefunden hat, stets Vertrauen genossen und die Gruppe auf Kurs zusammengebracht hat. Das ist ein besonderes Verdienst seiner Zeit“, so Ortgies.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Die ersten Gespräche

Später fanden die ersten Gespräche zur Aufstellung von Windkraftanlagen statt: „Und was wir gleich gemerkt haben: die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde. Nur wenn man das begreift, kommt man weiter.“

Sie seien auch weitergekommen – allerdings anders als geplant: es sollte ein Bürgerwindpark entstehen. „Es waren andere Flächen, größere Flächen, vom Investitionsvolumen wurde uns ganz schwindelig: es handelte sich um mehr als 40 Millionen DM und 34 Anlagen.“

Mit dem Gedanken des Bürgerwindparks konnte sich das Team dann aber anfreunden: „Das war nicht so leicht, aber es war die richtige Idee, die wir da verfolgt haben“, sagte Ortgies.

Zudem blickte Ortgies auf die erste Bauphase: „Das war spannend. Auch wir betraten Neuland.“ Damals sei noch nicht die Zeit von Vollwartungskonzepten gewesen. Dafür gab einen Wartungsvertrag, was bedeutete: jedes halbe Jahr wurde die Anlage gewartet. „Wenn es zwischendurch Störungen gab, fuhren wir selbst zur Anlage. Wir kannten jeden Hasen und jeden Fuchs im Windpark, weil wir oft dort unterwegs waren“, sagte Ortgies.

Noch gute könne er sich an den Schutzschalter erinnern, der ganz oben in der Anlage war. „Einer musste oben raufklettern und den Schalter bedienen. Das war dann meist sonntags zur besten Tatort-Zeit.“ Zudem seien die Anlagen oft vereist gewesen – „auch das haben wir selbst gelöst“.

Generatoren und Getriebe sind damals durchgewechselt worden, viele Anlagen kamen als Prototypen, die Testphase war relativ kurz –„dann passierten all solche Dinge im Lauf des Betriebs“.

Auch in Bezug auf Novellen im EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) sei es nicht immer leicht gewesen, erinnerte Ortgies – und alles habe Dirks als Geschäftsführer der Winpark Bassens miterlebt.

„Du hast Planungen entwickelt, du hast Konzepte vorbereitet, du hast Genehmigungen miterlangt, du hast Vorhaben mit umgesetzt, im Wangerland im Gesamtvolumen von weit über 80 Millionen Euro. Du hast acht Gesellschaften mit fast 500 Gesellschaftern geführt und die breite Streuung des Kapitals war wichtig“, sagte Ortgies. „Insgesamt haben wir wirtschaftliche Stabilität in so mach einen Haushalt gebracht – und das ist sicher ein gutes Gefühl, mit dem du aussteigen kannst.“

Dank an die Frau

Da die Windpark Bassens über keine Räumlichkeiten verfügt, sei überwiegend alles zu Hause passiert: Telefonate, Zusammenkünfte, Post. Deshalb dankte Ortgies auch Johann Dirks’ Frau Irmgard, die alles mitbegleitet hat und häufig auch als Ratgeberin dabei war. „Manchmal musste sie Johann bremsen, weil er immer 150 Prozent geben wollte. Aber 100 reichen ja oft auch“, so Ortgies.

Auch Bürgermeister Björn Mühlena dankte Dirks für seinen Einsatz. „Auch wenn Ihr zu Beginn belächelt wurdet: heute sind Wangerland und Windkraft untrennbar“, so Mühlena. Es sei eines der wichtigsten Standbeine und habe deutlich zum Wohlstand der Gemeinde beigetragen.

Andererseits müsse noch viel passieren in Sachen Windkraft. „Auch inzwischen ist das gar nicht mehr so leicht – schnell hat man eine Bürgerinitiative vor sich“, sagte Mühlena. „Heute wird wohl zwischen Klimaschutz und Naturschutz unterschieden – früher hieß es einfach nur Umweltschutz und wurde zusammengefasst.“

Nach den Reden ging es für alle ans Büfett. „Wir haben heute windiges Wetter: Sie dürfen alle reichlich zulangen“, sagte Ortgies. Passenderweise haben „De Platters“ für Musik gesorgt: „Wir kennen ganz viele Lieder über den Wind“, sagten sie.


  www.youtube.com/nwzplay 
Video

Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.