Varel 19 Jahre alt war Karl-Erich Speith, als er in die Metallgießerei seines Vaters eingetreten ist. Zusammen mit acht Kriegsheimkehrern baute er das Unternehmen wieder auf. Sie holten mit Pferdefuhrwerken abgeschossene Flugzeugteile aus dem Watt, schmolzen sie ein und fertigten daraus Töpfe und Pfannen. Das war 1946, vor 71 Jahren. Seitdem war er als Inhaber, Gesellschafter, langjähriger Geschäftsführer und Seniorchef im Einsatz und hat die Metallgießerei zu einem Unternehmen mit 60 Mitarbeitern weiterentwickelt.

Im Mai ist Karl-Erich Speith 90 Jahre alt geworden – „und noch immer fast jeden Tag in der Firma“, erzählt seine Tochter Susanne Speith. Sie hatte zusammen mit dem neuen Eigentümer eingeladen, um die Übergabe der Metallgießerei zu verkünden. Neuer Eigentümer ist die Foundry Alliance Firmengruppe.

Ihr Geschäftsführer Christian Pahls stellte am Mittwoch sein Konzept vor. Die Metallgießerei Speith und die ARRI Giesstechnik GmbH werden künftig Schwesterfirmen und Töchter der gemeinsamen Mutter Foundry Alliance (Holdingstruktur) sein. Die ARRI Giesstechnik ist seit 1965 erfolgreich am Markt für Sand-, Druck- und Kokillenguss. Die Schwestern sollen sich ergänzen, sagte Pahls.

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Die Familie Speith hatte sich für Pahls als Nachfolger entschieden, weil er zugesichert habe, sowohl den Standort als auch die Arbeitsplätze zu erhalten. „Innerhalb unserer Familie liegt nicht die Zukunft der Firma“, sagte Susanne Speith, eine von fünf Töchtern von Karl-Erich Speith. Dreieinhalb Jahre habe die Familie zusammen mit Ekkehard Brysch von der Wirtschaftsförderung Varel einen Nachfolger gesucht. „Mein Vater ist ein Vollblutunternehmer, mit Christian Pahls haben wir jemanden gefunden, der mit genauso viel Herzblut und Unternehmergeist die Firma vorantreiben möchte“, ist sie sich sicher.

Christian Pahls, in Celle geboren, ist Geschäftsführer der ARRI Giesstechnik und seit 2017 auch Geschäftsführer der Holding-Gesellschaft Foundry Alliance. Er sieht gute Perspektiven für die Metallgießerei Speith, die sich über die Jahrzehnte ihrer Existenz immer wieder Nischen geschaffen hat. Sie verarbeitet den Rohstoff Aluminium in verschiedenen Legierungen zu Leichtmetallguss.

„Bauteile aus Aluminium kommen heute in fast allen Technikbranchen zum Einsatz“, berichtet Michael Nitsche, zuletzt Geschäftsführer der Metallgießerei Speith. Bis zu fünf Tonnen Schmelzmasse werden pro Tag in den neun Hallen der Firma Speith verarbeitet. Die Bauteile gehen in den Maschinen-, Anlagen- und Gerätebau, in die Energiewirtschaft, in die Schienentechnik, den Schiffs- und Flugzeugbau.

„Der Aluminiummarkt ist nicht einfach, man muss gute Konzepte haben, um bestehen zu können“, sagte Christian Pahls. Er sieht großes Potenzial in der Firma Speith. Sie sei in der Lage, „extrem Anspruchsvolles zu produzieren“. Der 39-Jährige kündigte an, kräftig zu investieren. So soll in eine neue Strahlanlage und neue Sägen investiert werden. Allein in diesem Jahr wurden 600 000 Euro in die Sandaufbereitung investiert.

Froh darüber, dass eine Entscheidung über die Nachfolge gefallen ist, ist auch die Belegschaft: „Es ist ein großer Druck von uns abgefallen“, sagte Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Hagen. Viele der 60 Mitarbeiter seien der Firma Speith seit vielen Jahren treu, er selber seit 44 Jahren. Und auch Karl-Erich Speith wird sicher noch häufiger in der Firma zu Besuch sein, ist sich Tochter Susanne ganz sicher.

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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