Varel Von der Politik enttäuscht sind die Landwirte aus Friesland und der Wesermarsch. „Trotz intensiver Gespräche hat sich nichts bewegt“, konstatierte Hartmut Seetzen beim Neujahrsempfang der beiden Kreislandvolkverbände am Dienstagabend im Vareler Tivoli.

Frieslands Kreislandwirt führte gleich mehrere Themen an, die ihm und seinen Kollegen auf der Seele brennen. In erster Linie der Streit um die neue Düngeverordnung. „Sie ist in einigen Punkten nicht nachvollziehbar“, sagte Seetzen. Zudem forderte er die „sofortige Gewährung eines fairen Ausgleichs für Schäden durch Gänsefraß“. Diese belaufen sich auf viele Millionen Euro, sagte Seetzen: „Zurzeit trägt diese Summe die Landwirtschaft, nur dass kann sie finanziell nicht leisten.“ Besonders betroffene Landwirte seien in ihrer Existenz bedroht.

Ganz entschieden rief Hartmut Seetzen zum Kampf gegen die Erweiterung des Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer auf. Die Landwirte fürchten bei der geplanten Ausweitung der Naturschutzzone nach binnendeichs weitere Einschränkungen. „Können Gemeinderäte es wirklich verantworten, dass für kleine, vom Land oder der EU mitfinanzierte, Leuchtturmprojekte, die kein Geld einbringen dürfen, der ländliche Raum wirtschaftlich so stark gefährdet wird?“, appellierte Seetzen an die Politik.

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Bis Ende Juli 2020 müssen die Städte und Gemeinden, die dem Biosphärenreservat angehören wollen, dies der Nationalparkverwaltung melden. Dazu wird in Ausschüssen beraten und entschieden. „Geht zu diesen Sitzungen, zeigt euch dort und bringt eure Meinung ein“, forderte Hartmut Seetzen: „Wir müssen in den kommenden Monaten aufpassen, dass das nicht schiefläuft.“

Frieslands Kreislandwirt erinnerte dabei an die Ausweisen von Vogelschutzgebieten vor 41 Jahren und deren Folgen. „1979 wurden diese von der EU beschlossen mit der politischen Zusage, dass es keine weiteren Auflagen gibt“, sagte er. Doch das sei nicht eingehalten worden. „2011 mussten die Landkreise die Vogelschutzgebiete mit einem Landschaftsschutzgebiet zusätzlich schützen. Heute sieht der Entwurf des Insektenschutzprogramms vom Bundesumweltministerium vor, dass in allen Schutzgebieten kein Pflanzenschutz mehr stattfinden darf.“ Ackererträge ohne Pflanzenschutz seien im konventionellen Bereich aber nicht wettbewerbsfähig.

Zweites Hauptthema war die Mäuseplage. 150 000 Hektar Grünland seien unbrauchbar, sagte Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolks Wesermarsch. Sein Landkreis sowie Friesland seien davon mit 42 000 beziehungsweise 12 000 Hektar besonders betroffen.

Das Hauptziel sei nun, die Futterflächen so schnell wie möglich wiederherzustellen. „In den betroffenen Regionen steht kein Grünland für Futter mehr zur Verfügung“, schlug Padeken Alarm und forderte von der Politik „schnelle und unbürokratische Hilfe“.

Eine breitflächige chemische Bekämpfung der Mäuse sei nicht möglich. Deshalb forderte er, die Flächen „mechanisch zu bearbeiten“, sprich bis auf eine Tiefe von 15 bis 25 Zentimetern umzupflügen. Damit werden die Mäusegänge zerstört und die Tiere sterben. „Anschließen kann neu angesät werden.“ Für die Zukunft müsse zudem ein besseres Monitoring her. „Um die Erhöhung der Mäusepopulation frühzeitig feststellen und darauf reagieren zu können“, sagte Karsten Padeken.

Der Landrat aus der Wesermarsch, Thomas Brückmann, versprach, die Problematik der Mäuseplage in den nächsten Tagen anzugehen: „Ihre mahnenden Worte habe ich sehr wohl aufgenommen und sie sind auch angebracht.“ Denn: Um die Landwirtschaft zu schützen, seien „nachhaltige Rahmenbedingungen seitens der Politik erforderlich“.

Das Ziel sei, für die Betriebe Planungssicherheit zu erreichen. Es dürfe nicht jedes Jahr eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden, so Brückmann: „Doch dazu ist der regelmäßige Austausch mit der Politik nötig.“ Dafür gab es von den 150 Gästen Applaus.

Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.) / Redakteur
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