Varel Das damals teuerste Bauwerk der Stadt Varel hat Jubiläum: Vor 50 Jahren, am 29. August 1968, wurde das Klärwerk offiziell eingeweiht. 18 Jahre hatte die Planungs- und Bauzeit gedauert, 3,55 Millionen DM hatte es gekostet. Rund 1,9 Millionen Mark hatte die Stadt Varel gezahlt, 931 360 DM gab das Gewerbe dazu, 536 080 DM kamen von der damaligen Gemeinde Varel-Land – und mit 182 510 Mark bezuschusste die Bundeswehr das Projekt. Den Vertrag hatte im Jahre 1950 August Osterloh, Bürgermeister der Landgemeinde, unterschrieben. Als Altbürgermeister war er Ehrengast der Einweihungsfeier.

„Für unsere Stadt und bestimmte Gebiete der Landgemeinde ist nunmehr das Zeitalter der Hygiene angebrochen“, erklärte der damalige Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Wilhelm Kammann. „Von den Zinnen des Faulturmes aus blickten Stadtväter mit ihren vielen prominenten Gästen auf das Klärwerk herab, das Varels Bürgermeister mit einem Knopfdruck und Prösterchen in Gang gesetzt hatte. Man zeigte sich tief beeindruckt nicht nur von den hohen Kosten, sondern durchaus auch von der Mannigfaltigkeit der Wasserspiele, die überall in lebhaftestem Betrieb waren“, schrieb der „Gemeinnützige“ damals.

Am ersten Betriebstag wurde die neue Anlage bereits mit einer Abwassermenge von genau 118 Kubikmetern pro Stunde beschickt, „was fast der Hälfte der maximalen Belastungsfähigkeit entspricht“, hieß es vor 50 Jahren.

Entstanden ist das Klärwerk hinter der Koppenstraße, was „nicht dem Zufall oder günstigen Liegenschaften zuzuschreiben war“. Gewählt wurde dieser Standort, weil er hier unmittelbar am Ufer der Nordender Leke liegt und in der Hauptwindrichtung etwa auftretende Geruchsbelästigungen zur nahen Wasserkante loswerden sollte.

„Die Gäste waren ausnahmslos überrascht, daß ihre Nasen den Geruchstest ohne wesentliche Störungserscheinungen überstanden. Die „Fahne“ erwies sich als verträglich. Und das aus optimaler Nähe“, schrieb Chronist Willy Hinck. Und weiter: „Inzwischen formieren sich die Stämme der abbauenden Bakterien, um in ungeheuren Massen demnächst ihr wohltätiges Werk zu beginnen, Vareler Abwasserbrühe letzthin soweit zu säubern, daß in absehbarer Zeit in der Leke wieder muntere Fische spielen können.“

Im Juni 1968 war die Fertigstellung der Kläranlage angekündigt worden. Im Mai 1966 war mit dem Bau begonnen worden, „jetzt, kurz vor dem Abschluß, wird es auch für die Hausbesitzer ernst, die daran denken müssen, ihre Hauskläranlagen an das städtische Abwassernetz anzuschließen. In Varel wurden schon die verschiedensten Unsummen genannt, die angeblich die Hausbesitzer zu tragen hätten“, hieß es im Bericht.

Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass sie den Anschluss nur bis zur Straße selbst bezahlen müssen. Es seien „nur Bagatellarbeiten notwendig, um ordnungsgemäß an der Abwasserbeseitigung angeschlossen zu sein“. Und in Härtefällen werde auch die Stadt Einsicht haben und den Hausbesitzern etwas mehr Zeit mit dem Anschluss lassen.“

Zweitgrößtes Klärwerk des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes

Die Vareler Kläranlage ist nach heftigen Debatten vor 12 Jahren vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) übernommen worden.

Am Anfang des Wegs, den das Abwasser in der Kläranlage bestreitet, steht ein Rechen, der Grobstoffe aussortiert. Über die Vorklärung, Belebungsbecken und Nachklärbecken gelangt das Abwasser in die Schönungsteiche. Insgesamt vier Tage bleibt das Abwasser in der Vareler Anlage, bis es geklärt in die Leke fließt.

Die tägliche Kapazität der inzwischen mehrfach erweiterten Anlage beträgt 5000 bis 7000 Kubikmeter Abwässer. Dazu wird der Klärschlamm aus 1100 Haushalten verarbeitet, er stammt aus den Sickergruben der entlegenen Grundstücke, die nicht direkt an die Kanalisation angeschlossen sind (etwa 2800 Kubikmeter jährlich).

Zum Kanalnetz gehören 44 Kilometer Mischkanal, 60 Kilometer Schmutzwasserkanal und 40 Kilometer Regenwasserkanal.

Das Vareler Klärwerk ist das zweitgrößte des OOWV. Gereinigt wird auch das Abwasser aus der Gemeinde Bockhorn, das per Druckrohrleitung direkt zum Klärwerk gepumpt wird.

Eine Abwasserbeseitigung in Varel gibt es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst wurde in offenen Gräben in die Nordender Leke entwässert. 1886 bis 1895 begann man, das Grabensystem mit Holzbrettern abzudecken. 1903 wurde zwischen Obernstraße, Schloss- und Schüttingstraße ein 400 Meter langer Kanal aus Zementrohren gebaut. In ihm wurde das Abwasser in die „Donau“ geleitet, ein offener Graben hinter den Häusern der Langen Straße in Richtung Nordender Leke. 1914 erfolgte die Kanalisierung der Bahnhofstraße, 1916 Windallee, Teichgartenstraße und Bleichenpfad.


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