SCHORTENS Der Weg ins Bürgerhaus Schortens führte die Delegierten und Gäste am Samstagmorgen durch ein Spalier von Protestlern. Rund 100 in der Gewerkschaft Verdi organisierte AWO-Mitarbeiter und Sympathisanten hatten sich bei strömendem Regen am Eingang postiert, um gegen Missstände in der sozialen Arbeit, gegen Bürokratisierung, steigende Belastung und sinkende Löhne zu demonstrieren. „Wir gehen auf allen Vieren“, sagte Cornelia Schlimgen vom Sprachheilzentrum Wilhelmshaven, die an die Teilnehmer der Konferenz „Mogelpackungen“ verteilte – kleine Päckchen mit Zetteln, auf denen Kritikpunkte und Forderungen abgedruckt waren. „Teilzeitkräfte haben nicht die Möglichkeit, ihre Stunden hochzustufen, anstatt immer wieder Überstunden zu machen“, stand da zum Beispiel oder: „Wissen Sie, was Respekt und Wertschätzung ist? Wenn ja, bringen Sie dieses Wissen in die Konferenz ein“.

Bessere Bedingungen

Schon während der Kundgebung hatte der AWO-Bezirksvorsitzende Dr. Harald Groth betont, dass die AWO die Forderung der Demonstranten unterstützt. Auch Cornelia Schlimgen räumte ein, dass die Statuten der AWO in Ordnung seien, es aber bei der Umsetzung hapere. Ziel müsse sein, von der Politik besserer Rahmenbedingungen für die soziale Arbeit zu fordern.

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Diese Forderung zog sich auch wie ein roter Faden durch die Konferenz. Eine bessere Personalausstattung, die Anerkennung von Tariflöhnen und die Erhöhung der Pflegesätze in Niedersachsen sind die zentralen Forderungen in einem Initiativantrag, den der AWO-Bezirk in der Konferenz verabschiedet hat.

Zuvor hatte der stellvertretende AWO-Bezirksvorsitzende Dr. Lothar Knippert aus Jever zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden begrüßt. Dass die AWO nicht nur ein „Dienstleister“ im sozialen Bereich, sondern auch ein sozialpolitischer Mitglieder- und Interessensvertretungsverband ist, machte Knippert schon in seiner Begrüßung deutlich. Er kritisierte, dass die Schere zwischen Armen und Reichen immer weiter auseinander gehe. „Wachstum bedeutet nicht automatisch Wohlstand für alle“, sagte Knippert: Ungleichheit schwäche die Wirtschaftskraft und gefährde den sozialen Zusammenhalt und Frieden.

Bevor Dr. Harald Groth seinen Tätigkeitsbericht vorlegen und die 123 Delegierten in die Verbandsarbeit einsteigen konnten, gab es sozialpolitische Grußworte von Schortens stellvertretender Verwaltungschefin Anja Müller, Frieslands Landrat Sven Ambrosy, dem SPD-Landtagsabgeordneten Olaf Lies, dem Beauftragten des Landes Niedersachsen für Menschen mit Behinderungen, Karl Finke, und dem frisch gebackenen niedersächsischen SPD-Landeschef Stephan Weil.

Positive Bilanz

Groth zufolge sei es der AWO trotz der schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen, denen vor allem die stationäre Altenpflege ausgesetzt sei, gelungen, sich zu behaupten und zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln. Groth und Verbandsgeschäftsführer Thomas Elsner verwiesen unter anderem auf überdurchschnittliche Bewertungen der sozialen Arbeit in der AWO durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen.

Der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler erinnerte daran, dass die Zahl der Mitglieder in der AWO sinke. Er forderte neue Ideen für die Mitgliederwerbung und -struktur. Schließlich sei das ehrenamtliche Engagement ein „existenzielles Thema“.

Stadler ehrte Brigitte Weinhold aus Varel und Marianne Schoolmann aus Norden für ihr ehrenamtliches Engagement in der AWO. Zudem erhielt Edith Weiß aus Wilhelmshaven die erstmals verliehene Elisabeth-Frerichs-Medaille (siehe Info-Kasten).

Brigitte Weinhold: Die Varelerin ist seit 1974 Mitglied der AWO. Von 1982 bis 2010 war sie Vorsitzende des Ortsvereins. Sie engagiert sich zudem im Bezirksverband und im Aufsichtsrat der gemeinnützigen AWO-Tochter „Wohnen & Pflegen Weser-Ems“ GmbH.

Edith Weiß: Die Wilhelmshavenerin engagiert sich auf Kreis-, Bezirks- und Bundesebene. Als Vorsitzende des Kreisverbands Wilhelmshaven hat sie die Verbände aus Wilhelmshaven und Friesland 2007 zusammen geführt und bis 2011 den neuen Kreisverband geleitet.

Marianne Schoolmann: Die Nordenerin kam 1976 über einen Kinderspielkreis zur AWO und engagierte sich gleich in der Vorstandsarbeit. 1988 wurde sie Vorsitzende des Kreisverbands in Norden, den sie 23 Jahre lang leitete. Zudem gehörte sie dem Bezirksvorstand an.

Ulrich Schönborn Chefredakteur (ViSdP) / Chefredaktion
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