Grabstede Auf alten Postkarten mit Motiven aus Grabstede ums Jahr 1900 ist er noch vermerkt, „Anton Janßens Gasthof“. Anton war der Urgroßvater der Zwillingsbrüder Günther und Gerd Janßen. Und die beiden Brüder können noch eine Menge erzählen aus früheren Zeiten. Ihre Mutter Ella Janßen führte die Gaststätte bis in die 1960er Jahre.

Damals war der Eingang zur Gaststube an der Hauptstraße.

Turner üben im Saal

Links die Wirtschaft, rechts ein Einkaufsladen, geführt vom Onkel Robert Janßen. Und rechts neben dem Haus im kleinen Nebenbau die Toiletten. Erst Ende der 1950er Jahre wurden in Grabstede Wasserleitungen verlegt, im Krug gab es fortan eine feine Rinne. Kommentar eines Zieglers: „In Afrika leben sie in Lehmhütten, und wir pinkeln an die Fliesen.“

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Früher bestand sogar ein Schießstand auf dem Gelände und eine kleine Brauerei. Das Lagerbier wurde bis Westerstede geliefert. Ella Janßen war wohl eine couragierte, fleißige Frau; sie unterhielt nebenbei auch die Posthalterei an der Theilenmoorstraße. Da, wo heute der Parkplatz des „Grabsteder Hofes“ ist, stand eine große Scheune mit Lehmdiele, Heuböden, Pferde-, Kuh-, Schweine- und Hühnerställen, davor der Misthaufen. Taubenschlag, Torfstall, Räucherkammer – für Kinder wie Gerd und Günther Janßen gab es viel zu entdecken.

In der Gaststube trafen sich die Ziegler, Handwerker und Bauern aus dem Dorf. Regelmäßig wurden Feste gefeiert, dafür wurde ein Zelt aufgebaut. Als das einmal ausblieb, entschloss sich Anton Janßen, selbst Zimmermann, kurzerhand einen Saal zu bauen. In sechs Wochen wurde der Plan ausgeführt, der Saal mit Dachpappe und Teer gedeckt. Mit einer Bühne für Theateraufführungen, mit Platz für Gesangverein, Feuerwehr, Boßelverein Grabstede-West, Kyffhäuser-Kameraden und geeignet als Übungshalle für Turner-Riegen.

Kriegsversehrte

In der Küche stand ein großer, runder Tisch, da wurde gute Bohnensuppe serviert. Auch die Mitbewohner im Haus wie zwei Kriegsversehrte, der einarmige Feldwebel und sein einbeiniger Kamerad, hatten so manchen Strauß auszufechten.

Der Großvater Johann war tot, der Vater Bernhard im Krieg vermisst, so wurde für Gerd und Günther „Onkel Sklorz“ zum Zieh-Opa. Der Kapitän a.D. lebte ebenfalls im Krug in Vollpension, er regte mit seinem großen Wissen bei den Kindern die Neugier aufs Leben an.

Die Wissensfreude hat sich bis heute gehalten, Gerd Janßen wurde Banker in Oldenburg, sein Bruder zunächst Postinspektor und dann Lehrer in Varel, unter anderem für Sport, Geografie, Deutsch, Geschichte und Biologie. Bekannt wurde er als Marathonläufer.

Früher anderer Name

Die Brüder kennen auch noch den alten Namen der Gaststätte, „Stickopp“. Was war damit gemeint? Es gibt zwei Vermutungen. Vor der Elektrifizierung wurde die Wirtschaft mit dem Kienspan beleuchtet. So sagte die Wirtin: „Ich stick noch einen opp“. Aber es existierte auch ein Pfeifenclub im Hause, die Raucher besaßen abnehmbare Pfeifenköpfe. Wurde zum gemeinsamen Rauchen gerufen, hieß es: „Stickopp“.

1963 gab Ella Janßen die Gaststätte auf, als Pächter folgte eine Familie Richter, und dann kam schon Martin Budelmann ins Haus, später gefolgt von Karl Hayen. Heute ist der „Grabsteder Hof“ wieder Treffpunkt für Gesangverein und Feuerwehr – wie in alten Zeiten.

Nur die Kegelbahn wird wohl nicht wieder aktiviert. Dabei diente sie einst guten Zwecken: „In der Besatzungszeit wurden da heimlich Kühe und Schweine gehalten“, berichten Gerd und Günther Janßen.

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