Schortens Unten der Bioladen für die Menschen, oben der „Bioladen“ für die Insekten und die Vögel: Reinhard Hartwig, der mit seiner Frau Jutta seit vielen Jahren den Welt- und Bioladen „Sonnenblume“ im Fairhandelshaus und Fair Café in Grafschaft betreibt, hat schon vor vielen Jahren damit begonnen, den Bienen und anderen bestäubenden Insekten den Tisch zu decken: Er hat sein Flachdach begrünt. Nun verwandelt er auch die anderen Dachflächen direkt über dem Laden und den Lagerflächen – der einstigen Kegelbahn – in eine blühende Landschaft und hofft, dass sich dort ein Biotop für die Insektenwelt entwickelt.

„Die erste Dachbegrünung entstand schon vor 15 Jahren mit rund 150 Quadratmetern auf dem Flachdach des Fair-Cafés. Da hat noch keiner von Bienensterben gesprochen“, sagt Reinhard Hartwig. Inzwischen wachsen dort Wildpflanzen bis zu einer Höhe von einem Meter. Im vergangenen Sommer mit seiner monatelangen Trockenheit entstand mit 240 Quadratmetern eine weitere insektenfreundliche Grün- und Blühfläche auf dem Flachdach des Welt- und Bio-Ladens.

Wurzelfeste Bahnen

Flächen für Insekten melden

Und auch Sie können helfen: Gestalten Sie insektenfreundliche Flächen. Teilen Sie uns mit, wo im Oldenburger Land insektenfreundliche Flächen bestehen oder neu entstanden sind.

Auf unserer Internet-Seite zum NWZ-Insektenjahr, erreichbar unter www.NWZonline.de/insektenjahr, finden Sie ein Online-Formular. Oder aber Sie schicken die Infos per E-Mail an Insektenjahr@nwzmedien.de. In der Mail sollten Ihr Name, der Ort, an dem Sie eine insektenfreundliche Fläche angelegt haben, und die ungefähre Größe der Fläche in Quadratmetern benannt werden. Gerne können Sie auch ein Foto mitsenden.

Diese Daten werden anonymisiert in eine interaktive Karte eingefügt, die wir ebenfalls in unserem Online-Spezial bereitstellen.

www.nwzonline.de/insektenjahr

Für solche Flächen auf Bitumendächern sind wurzelfeste Schweißbahnen Voraussetzung, damit größere Pflanzen nicht in der Dachhaut wurzeln können. Wurzelfeste Schweißbahnen seien das A und O. „Es wird ja immer etwas von den Bäumen aus der Nähe auf das Dach geweht“, sagt Hartwig. „Über die Schweißbahnen haben wir verrottungsfreien Kunstrasen-Filz verlegt, der die dünne Bodenschicht am Wegspülen durch starke Regengüsse hindert. Wir haben hiesige Blühpflanzen ausgesät. Allerdings kommt die Vegetation auch ganz von allein, wenn man Geduld hat“, so Hartwig. Zum Beschweren der Filzbahnen eignen sich Mauersteine und Baumscheiben. Letztere sind Kinderstube für Käfer-Larven und wirken optisch wie Baumstümpfe. Ein durchlöcherter Gartenschlauch auf gesamter Länge an der höchsten Stelle der Flächen sorgt für permanente Bewässerung und ist die umweltfreundlichste Klimaanlage für die darunter liegenden Räume. So herrschen dort durch die Verdunstungskälte konstant 22 Grad Celsius auch bei 35 Grad Außentemperatur (bei vorher über 30 Grad Innentemperatur). Und kleine Pfützen sind Tränke für die Vögel.

Garten im Wandel

Die Kosten für die Eindeckung der 240 Quadratmeter liegen bei etwa€ 15 000 Euro, wenn man für die Schweißbahnen, Randprofile und Dachrinnen eine Fachfirma beauftragt und wenn man ohnehin was am Dach machen möchte.

Auch der Rasen des Kaffee-Gartens wird nicht mehr gemäht. Blühende Wildpflanzen wechseln über das Jahr und werden nicht mehr ausgerottet. Die Laufwege zu den Sitzgruppen sollen dennoch freigemäht werden, damit die Gäste die übrigen Flächen nicht zertrampeln.

Der Vorgarten des Fairhandelshauses an der Accumer Straße ist schon seit 30 Jahren durch seinen Wildwuchs ein Insektenparadies, was häufig zu kritischen Bemerkungen der Anwohner führte. „Aber die Zeiten ändern sich“, hat Reinhard Hartwig festgestellt. „Die Gartengestaltung befindet sich in einem grundlegenden Umbruch.“

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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