VAREL „Wenn ich morgens noch im Bett liege, kratzt es draußen schon.“ Friedrich Jahn aus der Teichgartenstraße in Varel kann sich auf seine Nachbarn verlassen. Der eine stellt ihm seine Mülltonnen an die Straße und abends wieder zurück, der andere schippt ihm jeden Morgen den Bürgersteig und den Weg zum Haus frei. Für beide ist es selbstverständlich, dem 70-Jährigen, der nur noch ein Bein hat, zu helfen.

Nachbarschaftshilfe hat in diesen Tagen Hochkonjunktur. Viele Bürger machen beim Schneeschippen nicht an den Grundstücksgrenzen Halt, sondern erledigen die Arbeit für ihre oft älteren Mitbürger gleich mit.

Für einen schneefreien Bürgersteig an der Edo-Wiemken-Straße, freie Auffahrten und Parkplätze sorgt in Dangast Rüdiger Offer. Mit seinem Quad mit Pflugvorsatz ist der Eigentümer des Restaurants „Störtebeker“ schon frühmorgens unterwegs. Etliche Kubikmeter Schnee hat er in diesem Winter bereits beiseite geschoben. „Überall, wo noch Schnee liegt, schiebe ich ihn weg“, sagt er, „erst auf dem Bürgersteig, dann auf meinem Parkplatz und auf den Auffahrten der Nachbarn. Wenn mir dann die Hauseigentümer aus dem Fenster zuwinken, freut mich das“, sagt er.

Insbesondere ältere Leute seien dankbar, dass er ihnen das mühselige Schneeschippen abnimmt. „Wo mancher eine Stunde dafür brauchen würde, mache ich das mit meinem Quad in einer Minute.“ Und das mit viel Begeisterung. „Es macht mir viel Spaß.“ Er ist bei seinen Räumdiensten nicht allein: Immer dabei ist in einer Transportbox sein Hund Mr. Watson.

Generell zufrieden mit den Räumdiensten der Vareler ist Ordnungsamtsleiter Klaus Engler. „Die meisten Bürger räumen ihre Bürgersteige gut“, sagt er, „die Zahl der Beschwerden hält sich deshalb auch in Grenzen“. Spätestens um 8 Uhr müssen die Bürgersteige von Schnee und Eis befreit sein, Engler würde sich wünschen, dass sie schon um 7 Uhr geräumt sind. Optimal ist es für ihn außerdem, den Bürgersteig zuerst zu räumen und dann zu fegen und bei Glatteis abzustumpfen. „Die Pflasterung braucht nicht zu sehen zu sein“, erläutert er.

Und was ist mit der Fußgängerzone? Dort müssen die Geschäftsleute einen Meter breit vor ihren Geschäften räumen, für den Schnee in der Mitte ist die Stadt zuständig, sagt Engler und weist generell darauf hin, dass die Bürger der Witterung entsprechendes Schuhwerk tragen sollten.

Die Stadt Varel greift in der Fußgängerzone erst ein, wenn die Schneehöhe 30 Zentimeter überschreitet, erläutert Bauhofleiter Gerold Joachim. Er und seine Mitarbeiter fahren seit Wochen viele Überstunden, um die Stadtstraßen ab 5 Uhr morgens von Schnee zu befreien und mit einem Salz-Sandgemisch zu streuen. Drei Unimogs, zwei kleine Schlepper und eine Handkolonne sind unterwegs.

Der Schnee bringt es an den Tag: In Varel ist die Welt noch in Ordnung – zumindest was Nachbarschaftshilfe angeht. Ohne Rücksicht auf Grundstücksgrenzen werden fleißig Bürgersteige und Auffahrten von zumeist älteren Nachbarn schon frühmorgens mit vom Schnee befreit – und das ohne großes Aufsehen. Vom vielbeschriebenen Egoismus keine Spur. Statt sich über verschneite Bürgersteige aufzuregen, greifen die Nachbarn kurzerhand zum Schneeschieber und regeln das Schneeproblem. Dieser Dienst am Nächsten sollte auch ohne Schnee Fortbestand haben.

Die Autorin erreichen Sie unter boerjes-meinardus@info-autor.de

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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