Schortens /Bondeno Drei Monate sind jetzt seit dem Bürgerinfoabend zum geplanten Bau der Lebensmittelfabrik im norditalienischen Bondeno vergangen (die NWZ  berichtete). Bis heute ist das Projekt, dessen Investoren angeblich auch in Schortens ein großes Werk für rund 300 Millionen Euro bauen wollen, allerdings keinen Schritt weitergekommen, wie eine Nachfrage in dieser Woche bei Gemeinderatsmitglied Giovanni Nardini ergeben hat.

Im Gegenteil sieht es nach wiederholt geplatzten Vertragsverhandlungen über den Grundstückskauf inzwischen ganz danach aus, dass das Vorhaben endgültig gescheitert ist. Politiker vor Ort bestätigen, dass die Betreiber der alten Zuckerfabrik, auf deren Areal das Lebensmittelwerk entstehen sollte, inzwischen die Fühler nach anderen Investoren ausstrecken. Statt von einer großen Fabrik für Pizza und Pasta ist jetzt die Rede von einem modernen grünen Abfallwirtschaftszentrum und von Bioenergie.

Schulden nicht beglichen

Die mit großem Getöse beworbene Lebensmittelfabrik in Bondeno mit einem Investitionsvolumen von mehreren hundert Millionen Euro scheitert demnach am Kauf eines Gewerbegrundstücks für etwa neun Millionen Euro. Weder das mit den Planungen beauftragte Unternehmen Enumplan in Lugano (Schweiz), noch die Gesellschaft Thomas Food Italia, die das Werk einst betreiben soll, sind willens oder in der Lage, die Summe aufzubringen. Auch das lokale und inzwischen geschlossene Enumplan-Büro in Bondeno soll rund 400 000 Euro Schulden zurückgelassen haben, berichten örtliche Medien. In Italien ist das „Projekt Lebensmittelfabrik“ inzwischen ein Fall für das Landwirtschaftsministerium geworden.

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Nach Informationen der NWZ  soll es innerhalb der Unternehmensgruppe zudem in der Führungsspitze Differenzen geben. Unter anderem geht es um ausstehende Gehälter. Nicht bestätigt ist zudem, wer eigentlicher Geldgeber dieses Projektes ist. Die 100 Millionen Euro, mit denen Thomas Food an Kapital ausgestattet worden sein soll, sollen schon wieder abgezogen und auf die Virgin Islands transferiert worden sein.

Auf Anfragen zum Sachstand der Lebensmittelfabriken, zum gescheiterten Grundstückskauf und zu der angeblichen Absicht, in Kürze nach Friesland zu kommen, um das Projekt in Schortens voranzubringen, reagiert Enumplan nicht. Der Internetauftritt von Thomas Food Italia ist ebenfalls nicht aufrufbar, über den deutschen Ableger von Thomas Food als Nachfolgegesellschaft der Industrial Group for Food Production (IGFP) existiert kein Handelsregistereintrag.

Mehr noch: Weitere Standorte, an denen Enumplan und Thomas Food angeblich Lebensmittelwerke und Distributionszentren errichten wollen, sind in den betreffenden Kommunen bereits lange abgehakt. In Leutkirch im Allgäu genauso wie im brandenburgischen Spremberg, wo schon im nächsten Jahr große Objekte gebaut werden sollten, passiert gar nichts. Die letzen Kontakte zu den angeblichen Investoren oder ihre Mittelsmänner liegen Monate oder gar zwei Jahre zurück.

Glauben verloren

In Bondeno, wo an diesem Sonntag parallel zur Europawahl ebenfalls ein neuer Bürgermeister gewählt wird, nähert sich der Glaube der Bürger an den Bau des Lebensmittelwerkes allmählich der Nulllinie. Die Veranstaltung Ende Februar wird mit Blick auf die weitere Entwicklung als „Farce“ bezeichnet.

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Oliver Braun Redakteur / Redaktion Jever
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