Jever Die drei Männer stecken ihre Köpfe zusammen. Ganz genau nehmen sie den alten Plan von Jevers Mitte in Augenschein. In einer Ecke des Bauplans ist die Jahreszahl 1963 notiert. Der Plan ist also alt – doch für ihre Aufgabe ist das sehr wichtig.

Die drei Männer: das sind Jens Hillers und Bruno Rohlfs von der Dachdecker-Firma Nöth sowie Daniel Vetter, ehrenamtlicher Mitarbeiter der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Jever. Ihre Aufgabe: Herauszufinden, welches Kanalrohr an der Stadtkirche verstopft ist. Und diese Aufgabe ist alles andere als leicht. Dass die Dachdecker am Werk sind, hat den Grund, dass das Wasser vom Dach kommt – oder besser gesagt, kommen müsste.

Fallrohre verstopfen

„Mit jedem Starkregen besteht die Gefahr, dass die Dachrinnen der Kirche überlaufen und die Fallrohre verstopfen“, sagt Daniel Vetter – genau das ist bei dem vielen Regen in der vergangenen Woche passiert. Das Wasser fließt dann nicht richtig ab. Und dann staut es sich und es besteht die Gefahr, dass es in die Kirchenmauern sickert.

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„Doch das eigentliche Problem ist: wir wissen nicht, an welchem Rohr es liegt, weil die Kontrollschächte zugebaut wurden.“

Wann das genau passiert ist, weiß Vetter nicht. Die Kontrollschächte müssen etwa im Jahr 1963 gebaut worden sein, schätzt er – also in Zeiten des Kirchenbaus. „Irgendwann in den vergangenen 25 bis 30 Jahren wurde der Platz aber zweimal saniert und neu gepflastert – und die Kontrollschächte liegen nun unterm Pflaster.“

Ein Brunnenschacht war bereits im Juli 2014 wiederentdeckt worden. Damals wurde der Boden dafür komplett aufgerissen. In dem Schacht war noch ein Siebkorb eingebaut. „Der war voll mit Unrat– und deshalb konnte kein wasser mehr abfließen“, erinnert sich Vetter. Deshalb musste der Schacht damals ausgehoben und ein neues Kunststoffrohr verlegt werden.

Fast einen Meter unter der Erde lag der Brunnenschacht. Der Durchmesser: etwa 35 bis 40 Zentimeter. Baukosten zur Sanierung: mehr als 2000 Euro. „Und die muss leider die Kirchengemeinde tragen – obwohl sie nichts dafür kann, dass die Schächte aus mir unerfindlichen Gründen irgendwann überbaut wurden“, sagt Vetter.

Auch wenn noch viele Kontrollschächte unter der Erde liegen – ein paar sind zum Glück zugänglich. Und die werden immer als erstes kontrolliert, wenn mal wieder kein Wasser abfließt.

Ein hilfreiches Arbeitsgerät ist dabei eine Kanalkamera. „Das Ding ist Gold wert“, meint Bruno Rohlfs. „Wie ein Endoskop für Kanäle“, fügt Jens Hillers hinzu. Bis zu 50 Meter weit können sie mit der Kamera, die an einem langen Kabel befestigt ist, in die Rohre hineinfahren, um sie zu kontrollieren.

Pläne stimmen nicht

Auf einem Bildschirm sehen sie direkt, wenn etwas nicht stimmt. „Aber bei diesem hier haben wir nichts entdeckt“, sagt Jens Hillers und zeigt auf den offenen Schacht. Nur eine Hummel kam ihnen entgegen. „Das kann dann schon mal gruselig aussehen, wenn so ein Tier plötzlich vor die Kamera fliegt“, meinen die Männer und lachen.

Immerhin: gute Laune haben sie – auch wenn ihnen langsam klar wird: an den Regenwasserschächten, an die sie herankommen, liegt das Problem nicht. Es muss also wieder ein zugebauter Schacht sein, der verstopft ist. Und das heißt: Pflaster aufheben und Boden aufreißen.

Vetter gefällt das alles gar nicht. Nicht nur, weil die Arbeit so schwierig ist, da die Problemzonen tief unter der Erde liegen und zugebaut sind. Sondern auch, weil offensichtlich die Lage der Schächte und Abwasserrohre nicht immer genau auf dem Bauplan verzeichnet ist.

Das bedeutet: Man muss suchen – und das kostet Zeit. „Außerdem ist das natürlich nicht gut für das Mauerwerk, weil die Feuchtigkeit darin stehen bleibt“, meint Vetter.


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Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
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