Neuenburg Wer weiß heute noch, dass Honigbienen ursprünglich in Baumhöhlen lebten und dass die Imkerei im Wald begann, die dort von sogenannten Zeidlern ausgeübt wurde? Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland eine Renaissance der Zeidlerei. Dabei werden die Bienen nur noch selten in Höhlen, die in lebende Bäume geschlagen werden, angesiedelt. Stattdessen nimmt man ausgehöhlte Baumabschnitte, sogenannte Klotzbeuten. In einer Gemeinschaftsaktion wurde nun eine Klotzbeute am Rand des Neuenburger Holzes aufgestellt.

Rainer Städing Regionaler Pressesprecher Weser-Ems Niedersächsische Landesforsten BILD: Niedersächsische Landesforsten

Autor dieses Beitrages ist Rainer Städing. Der Regionale Pressesprecher Niedersachsen-West der Niedersächsischen Landesforsten berichtet über das traditionelle Zeidler-Handwerk.

Thilko Meyer vom Verein „De Immen“ hat die Klotzbeute zur Verfügung gestellt und Hendrik Jürgens vom Imkerverein Friesische Wehde spendierte ein Bienenvolk. Unterstützt wird die Aktion von der Naturschutzbehörde des Landkreises, den Freunden des Neuenburger Holzes, der BUND-Kreisgruppe, dem Imkerverein und den Niedersächsischen Landesforsten, die bereits ein ähnliches Projekt im Weserbergland fördern.

„Wir unterstützen gerne diese traditionelle Form der Waldnutzung und sind gespannt auf die Wechselwirkungen der wildlebenden Honigbienen auf die Artenvielfalt“, sagt Wibeke Schmidt vom Forstamt Neuenburg, die sich gleichzeitig über eine weitere Attraktion für ihre waldpädagogische Arbeit freut. Zur Starthilfe wird das frisch eingezogene Volk täglich mit einer Nährlösung versorgt. Thilko Meyer beobachtet dabei, dass die Bienen sich bislang sehr wohl fühlen und dabei sind, Naturwaben zu bauen, die täglich größer werden.

Bis zur Einführung von Rohr- und Rübenzucker war Honig das einzige Süßungsmittel und die Waben waren ein begehrter Rohstoff für die Wachs- und Kerzenherstellung. Die Zeidlerei, also die Imkerei im Wald mit künstlichen Höhlen in lebenden Bäumen, war europaweit verbreitet. Sie war ein angesehener und einträglicher Berufszweig. Dies kann man heute noch an dem verbreiteten Familiennamen Zeidler erkennen.

Dem Bienenvolk wurde lediglich ein Drittel des Honigs und der Waben genommen, der Rest blieb als Wintervorrat. Seit einigen Jahren verbreitet sich die noch in Russland vorkommende Zeidlerei nach Westen. Zunächst nach Polen, wo in einem Naturschutzprojekt Zeidler ausgebildet wurden, und dann nach Deutschland, wo sich verschiedene Initiativen gebildet haben, die sich mit der Waldimkerei und den Möglichkeiten wild lebender Honigbienen beschäftigen.

Neben dem Verein „De Immen“ hier im Norden, ist es im Weserbergland der Verein „Waldbiene“, der sich mit wildlebenden Honigbienen befasst. Dessen Vorstandsmitglied Rudolf Rantzau erklärt: „Millionen von Jahren hat die Honigbiene in den Wäldern dieser Erde ihr Zuhause gehabt. Inzwischen herrscht aber die Meinung vor, dass Honigbienen ohne imkerliche Betreuung in den Wäldern Mitteleuropas nicht mehr überleben können. Neueste Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass die wilde Honigbiene auch in Deutschland noch existiert“. Es sei von großer Bedeutung herauszufinden, wie sich ein Bienenvolk ohne imkerliche Unterstützung gegen Parasiten und Viren zur Wehr setzt und so überleben kann. „Diese wildlebenden Honigbienen der Wälder stellen vermutlich einen wertvollen Genpool dar, der auch für den Erhalt der in menschlicher Obhut lebenden Honigbiene zukünftig bedeutend werden kann“, sagt Imkerin und Bienenpädagogin Karen Lau vom gleichen Verein.

Nicht nur in Russland werden Honigbienen auch heute noch teilweise in lebenden Bäumen gehalten, die das sehr lange aushalten. „Dass Klotzbeuten überhaupt verwendet werden, hat damit zu tun, dass die Zeidler früher aus den Wäldern vertrieben wurden, aber die Zeidelbäume fällen durften, um den Stamm mit der Höhle mitzunehmen“, erklärt Thilko Meyer.

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