Sande Weithin sichtbar ist das weiße „r“ auf blauem Grund. Der Firmenschriftzug von Reichelt Elektronik in Sande ziert inzwischen ein noch größeres Gebäude, oder besser: neue Gebäudekomplexe. Der im Sommer vergangenen Jahres begonnene Erweiterungsbau steht: Ein hochmodernes Logistikzentrum voll automatisierter Fördertechnik, intelligenter Hochregale und Palettenlifte. In Kürze ist er einsatzbereit.

„Ende des Monats werden wir den ersten Abschnitt in Betrieb nehmen“, sagt Reichelt-Geschäftsführer Ulf Timmermann und staunt selbst darüber, wie schnell die Zeit vergangen ist: „Ende des Monats – ich kann kaum glauben, dass ich das gerade gesagt habe.“ Vor allem, wenn er an die anfängliche Odyssee wegen des Brandschutzkonzepts zurückdenkt. „Das ist alles geregelt, alles super“, sagt Timmermann.

100 000 neue Artikel

Mit der Neun-Millionen-Euro-Investition am Elektronikring, der nun kein Ring mehr ist, sondern bestenfalls noch eine unsymmetrische S-Kurve, hat der Elektronikversender Reichelt seine Logistikkapazität von rund 5000 auf mehr als 10 000 Quadratmeter verdoppelt. Parallel zum bestehenden Bau entstand ein zusätzliches Logistikzentrum. Beide Objekte sind durch zwei 19 Meter lange Brücken miteinander verbunden: eine verglaste für das Personal und eine geschlossene für den Warentransport.

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Das Unternehmen trägt damit der wachsenden Nachfrage und dem Bedarf nach deutlich mehr Fläche Rechnung. Mit der Erweiterung entstehen Timmermann zufolge zu den bestehenden 250 Arbeitsplätzen mittelfristig bis zu 100 neue Arbeitsplätze in Sande. Und das in allen Bereichen des Unternehmens.

Die neue Halle bietet Platz für eine Sortimenterweiterung von bis zu 100 000 Artikeln. „Wir haben die Erweiterung weit in die Zukunft geplant“, berichtet Timmermann bei der Führung durch den riesigen Neubau. Ende April soll zunächst der erste von vier Abschnitten für 25 000 zusätzliche Artikel in Betrieb gehen. Das aktuelle Reichelt-Sortiment umfasst zurzeit 52 000 Artikel vom kleinen elektrischen Widerstand bis zum großen 3D-Drucker, außerdem Messtechnik, PC- und Netzwerktechnik, Werkzeug und Bauelemente, Batterie- und Akkutechnik, Drohnen und noch viel mehr. Eigentlich alles, was ambitionierte Elektroniker und professionelle Nutzer brauchen. Mit den zusätzlichen Kapazitäten und Artikeln wird auch der Reichelt-Katalog, den das Technikunternehmen trotz großen Online-Auftritts immer noch auch auf Papier herausgibt, um einiges dicker.

20 Jahre nach dem Standortwechsel von Reichelt ins Sander Gewerbegebiet und gut zehn Jahre nach dem Erweiterungsbau folgt mit der jüngsten Investition die dritte Ausbaustufe für den ehemals inhabergeführten Elektronik-Versand, der inzwischen zur Schweizer Unternehmensgruppe Dätwyler gehört. Der Neubau soll nicht nur große Teile der Logistik und den Wareneingang aufnehmen, sondern auch viel Technik und später auch das Reichelt Call-Center. Im alten Teil können sich dann das beengte Marketing und das Produktmanagement weiter ausbreiten. „Das einzige, was unser Wachstum zu bremsen drohte, war die Endlichkeit unserer räumlichen Möglichkeiten“, hatte Timmermann zum Baustart im vergangenen Frühjahr erklärt.

In den neuen großen Hallen wirken die noch leeren Hochregale wie riesige Stahlskelette, die Förderbänder wie ein verschlungenes Rückenmark. Noch befördern diese Förderbänder nichts, aber das wird sich sehr bald ändern. Stolz ist Ulf Timmermann darauf, dass hier viel eigenes Knowhow drinsteckt: von der Optimierung der Arbeitsabläufe bis zur entsprechenden Programmierung der vielen Steuerungs- und Transportelektronik.

In der alten Halle 1 und 2 bugsieren die Förderbänder blaue, gelbe und rote Transportkisten durch die Halle – jede Farbe hat ihre Bedeutung vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Nach einem bis ins Detail ausgeklügelten und sehr effizienten System werden Regale und die Boxen mit Artikeln befüllt und Bestellungen bearbeitet.

Pro Tag verlassen zwischen 6000 und 7000 Pakete für Kunden in aller Welt das Sander Werksgelände. Die meisten Kunden hat Reichelt in Deutschland und im benachbarten europäischen Ausland. Weitere 500 Kunden kommen jeden Tag in den Werksverkauf, holen sich ihre zuvor meist online bestellten Artikel selbst aus dem Laden ab.

Reif für die Insel

Reichelt wächst nicht nur baulich in Sande, sondern erschließt sich auch international neue Märkte – ist quasi reif für die Insel: „Aktuell bereiten wir den Markteintritt in Großbritannien vor“, sagt Timmermann. Reichelt ist im Vereinigten Königreich zwar heute schon aktiv. „Aber mit Produktbeschreibungen aus dem Google-Übersetzer. Und bei technischen Produkten ist das schwierig“, so Timmermann. Inzwischen wurden die zigtausend Artikelbeschreibungen in korrektes technisches Englisch übersetzt. „Es läuft gut an“, sagt Timmermann. Einer Partnerschaft mit dem Versender Amazon hat die Reichelt-Geschäftsführung im letzten Augenblick einen Korb gegeben.

Zur Reichelt-Klientel zählen private Endverbraucher genauso wie Schulen, Behörden und Unternehmen. Am liebsten sind Timmermann die so genannten Maker, die Macher. Kunden, die das Garantiesiegel abreißen, das Gerät aufschrauben, tüfteln, die Technik auseinandernehmen, um Neues zu kreieren und zu programmieren.


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Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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