Cäciliengroden Fleisch und Wurstwaren, Brot und Kuchen – die Auswahl auf dem Wochenmarkt in Cäciliengroden ist ziemlich übersichtlich geworden. Nur noch Fleischer Karl-Heinz Bitter aus Horsten und Tanja Meeske aus Friedeburg mit Backwaren halten der Grodensiedlung als Markthändler die Treue.

Besonders groß war der Wochenmarkt in Cäciliengroden nie: Schon zum Start vor knapp elf Jahren waren nur fünf Händler dabei, darunter auch Fleischer Karl-Heinz Bitter. Immerhin: Es gab damals einen Fischwagen, es gab Obst und Gemüse und einen Blumenhändler. Fisch gibt es schon länger nicht mehr, Obst und Gemüse ebenso. Seit ein paar Monaten kommt auch der Blumenhändler nicht mehr. Da waren es nur noch zwei. Und mangels Kundenansturms ist auch die Marktzeit schon auf drei Stunden reduziert worden, sagt Karl-Heinz Bitter. Wochenmarktzeit ist inzwischen freitags nur noch von 8 bis 11 Uhr.

Einst etliche Läden

Für die örtliche Siedlergemeinschaft ein Alarmsignal: Die hatte unlängst die Bürger des Dorfes aufgefordert, den Markt mehr zu nutzen, sonst würde es das Angebot eines Tages gar nicht mehr geben. Der Wochenmarkt ist die letzte Möglichkeit, direkt vor Ort überhaupt noch etwas einkaufen zu können.

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Dabei entstand der Wochenmarkt 2005 gerade aus der Situation heraus, dass im Ort der letzte Laden geschlossen hatte. Hier gab es mal einen Edeka-Markt, einen Bäcker, es gab einen kleinen Lebensmittelladen und die Filiale der Volksbank. Es gab eine Poststelle, zwei Kneipen und zwei Kioske. Inzwischen stehen diese Läden alle leer. Die Jüngeren kümmert das kaum: Sie sind mobil und erledigen ihre Einkäufe in Sande, in Wilhelmshaven, Schortens oder Jever. Für die älteren Dorfbewohner, die nicht mobil sind und nicht ständig Nachbarn oder Angehörige um Hilfe bitten wollen, ist der Wochenmarkt die einzige Möglichkeit der Nahversorgung.

Gut 30 Kunden, bedient Karl-Heinz Bitter in seinem Fleischerwagen an einem normalen Freitagvormittag in Cäciliengroden. Einer davon ist Reinhard Claußen: „Ich bin jeden Freitag hier. Was ich hier vor Ort kaufen kann, das kaufe ich auch hier. Schon allein deshalb, damit unsere beiden Händler uns eines Tages nicht wegbleiben.“

Auch Maria Strauß, die in Cäciliengroden das letzte verbliebene Ladengeschäft betreibt – einen Friseursalon – kauft ganz bewusst auf dem Wochenmarkt in ihrem Dorf ein: „Hier decke ich meinen Bedarf für die komplette Woche. Die Qualität ist Spitzenklasse.“ Für alle andere Dinge fährt sie in die Geschäfte der Umgebung.

Das können Frieda Dirken und Margot Hurling nicht: Beide sind gehbehindert und auf einen Rollator und E-Rollstuhl angewiesen: „Ich kaufe auf unserem Wochenmarkt.“ Alles andere bringt ihr die Haushaltshilfe aus Sande mit, sagt Frida Dirken. Ähnlich sieht es Margot Hurling: „Ohne den Markt wären wir aufgeschmissen.“

Die Kunden sind Stammkunden, man kennt sich beim Namen. „Mit vielen ist man inzwischen sogar per Du“, sagt Fleischermeister Bitter, der auch auf den Märkten in Wilhelmshaven, Zetel und Friedeburg verkauft. Mit dem Standort Cäciliengroden ist er zufrieden, der Umsatz sei in Ordnung, Auch Tanja Meeske schätzt den kleinen Markt: „Der ist klein und gemütlich. Es ist auch immer Zeit für einen Klönschnack.“

Mehr geht immer

Dass die beiden Händler Cäciliengroden den Rücken kehren könnten, weil es sich nicht lohne, können sie nicht bestätigen: „Mehr geht immer“, sagt Karl-Heinz Bitter. Und Tanja Meeske sagt: „Ich verkaufe hier gut.“ Beide betonen: „Wir bleiben. Macht euch keine Sorgen.“ Schön wäre, wenn die Marktlücken geschlossen würden. „Hier ist Platz für gute Geschäfte.“ Vor allem Fisch und Obst und Gemüse werden von den Kunden schmerzlich vermisst.

Oliver Braun Redakteur / Redaktion Jever
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