Jever „Fragen Sie mal nach in der Filial-Bäckerei: Klaben? Ja, den Begriff habe ich auch schon gehört, heißt es eventuell. Oder: Ach so, Sie meinen sicher Stollen. Den können Sie haben. Sogar mit Marzipanfüllung.“

„Nein, ich will Klaben, ungezuckert, ohne Puderzucker. Ja, aber wo ist denn der Unterschied zum Stollen?“

Solche Gespräche hat Remmer Deharde aus Jever nun häufiger erlebt: Er vermisst den traditionellen Klaben, den es, so seine Erinnerung, einst im Dezember und zum Jahreswechsel auch im Jeverland gab.

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Klaben, erklärt Deharde, hat einen bedeutend höheren Anteil an Früchten wie Rosinen, Korinthen und anderen Zutaten als Stollen und ist außen nicht gezuckert. „Die Bäckereien im Norden übertrafen sich vor weit über 70 Jahren mit den Hausfrauen in der Qualität der Backart. Ein halber Meter Klaben gehörte wie Brot eigentlich grundsätzlich in der Weihnachtszeit zu jedem Haushalt“, meint er.

Der heute übliche süße Dresdener-Stollen sei nicht bekannt gewesen. „Man isst den Klaben mit Butter, nach Geschmack auch mit Wurst und Schinken belegt zum Tee.“ Heute gibt es noch den „Bremer Klaben“ als Besonderheit in der Hansestadt in etlichen Bäckereien während der Wintermonate zu kaufen. „Es ist schade, dass er hier bei uns im Jeverland so gut wie ausgestorben ist“, bedauert Deharde.

Doch dass es einst einen „Jeverländer Klaben“ gegeben haben soll, ist den Bäckermeistern Helma Schoof, Hans Klatt und Garrelt Schönbohm sowie dem früheren Innungsobermeister Helmut Rohlfs nicht bekannt. Der Klaben werde zwar als norddeutscher Bruder des Christstollens bezeichnet, sei aber eine Spezialität Bremens und seines Umlands.

Was den Klaben ausmacht, so Bäckermeister Hans Klatt aus Jever, seien die Rosinen. Auf 1000 Gramm Mehl kommen da oft mehr als ein Kilogramm in den Teig. Mindestens zwölf Stunden in Rum gezogen, geben sie dem Teig zusammen mit Sukkade, Zitronat und Orangeat Süße. Und weil die Rosinen gewichtsmäßig in der Überzahl sind, müsse der Hefeteig sich an ihnen festhalten.

Weit verbreitet dagegen noch heute im Jeverland sind die ostfriesischen Prüllerkes, die in einer Prüllerkespfanne gebacken werden. Backt man sie in Fett, nennt man sie Schwemmertjes. Doch auch als Bomboisis sind die fettgebackenen Spezialitäten im Jeverland bekannt. Besonders lecker sind die Bomboisis, wenn die Hälfte der Hefeteigmasse mit Brandteig verfeinert wird.

In den zwölf heiligen Nächten, den Tagen und Nächten zwischen Weihnachten und 6. Januar, werden im Jeverland die Knippkuchen gebacken. Sie ähneln in ihrer Form den Neujahrskuchen, sind aber kleiner. Der Teig ist fester und besteht aus vier bis fünf Eiern, 250 Gramm Zucker, 250 Gramm aufgelöster Butter oder Margarine, 500 Gramm Mehl sowie Anis und Kardamom.

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