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Tettens In der Nacht zu Sonntag gegen 0.35 Uhr bekommt Jörg Schlüter, Vorsitzender der Tierrettung Friesland mit Sitz in Tettens, einen Anruf von der Seenotrettungsleitstelle der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS): Ein Urlauber auf der Insel Wangerooge hatte einen Notruf abgesetzt – sein Hund zeige alle Anzeichen einer Magendrehung.

Schnell steht die Entscheidung fest und es folgt eine dramatische Rettungsaktion per Rettungsboot und Weitertransport nach Oldenburg (die NWZ  berichtete).

„Einsätze wie dieser zeigen, wofür die Tierrettung einsteht – wir helfen Tieren und ihren Besitzern im Notfall, wenn jede Minute zählt“, sagt Jörg Schlüter: Die Tierretter, die Mitte Juli ihren Echtbetrieb aufgenommen haben, sind rund um die Uhr erreichbar: Wird ein Notruf abgesetzt, dann entscheiden sie, was zu tun ist – ob sie rausfahren, telefonische Hilfe leisten oder ob sie weitervermitteln.

Seit der Vereinsgründung im März sind die Tierretter mehr als 73 Einsätze gefahren – und die sind vielfältig: „Das reicht vom Fund erschöpfter Wildvögel über angefahrene Katzen bis eben zur Übernahme des kranken Hundes von den Seenotrettern“, berichtet Schlüter.

Der 46-Jährige, der als Selbstständiger in der Immobilienbranche tätig ist, gründete den Verein. Mit der Idee für eine Tierrettung ist er vor einigen Monaten von seiner Heimatstadt Bochum ins Wangerland gezogen.

Die ausgebildeten Tiersanitäter übernehmen die Erstversorgung der Tiere und bringen sie, wenn nötig, zum Tierarzt.

Die Notwendigkeit eines Tierrettungsdienstes ist für Schlüter ganz offensichtlich: „Auch wenn Tiere rechtlich als Sache gelten, gibt es langsam ein Umdenken: Den Menschen wird immer bewusster, dass es sich bei Tieren auch um fühlende Wesen handelt, die Hilfe verdient haben“, meint er.

Zudem sei die Tierrettung auch Ansprechpartner für Tierhalter. Allerdings, betont er, könne und dürfe der Verein mit seinen Ehrenamtlichen weder die Arbeit von Tierärzten noch die des zuständigen Veterinäramts übernehmen. „Wir führen nur erweiterte Erste-Hilfe-Maßnahmen durch und bringen Tiere zum Tierarzt, wenn der Besitzer das nicht selbst übernehmen kann oder es medizinisch notwendig ist“, sagt Schlüter.

Ausgerüstet sind die Tierretter inzwischen mit zwei so genannten First-Responder-Fahrzeugen, die Einsatzorte in den Landkreisen Friesland und Wittmund anfahren. Die Fahrzeuge verfügen über eine Notfallausrüstung zur medizinischen Versorgung der Tiere. Zudem können die Helfer mit den Fahrzeugen die Tiere entsprechend transportieren.

Für die Einsätze des Rettungsdienstes berechnet der Verein eine einmalige Pauschale von 50 Euro für Tierhalter, die Meldung von Fundtieren ist dagegen kostenlos€.

Derzeit besteht der Verein aus 19 Mitgliedern, 17 von ihnen sind im aktiven Dienst. „Wir freuen uns über neue Mitstreiter“, sagt Schlüter. Auch passive Mitglieder seien willkommen. Zudem hegt der Verein einen großen Wunsch: „Ein ausgedienter Krankenwagen, den wir für unsere Zwecke umbauen können“, sagt Schlüter. Dafür fehlt aber bisher das Geld. „Vielleicht finden sich ja Sponsoren“, hofft der Vorsitzende.

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