Osterende Zu einer großen Geflügelschau mit rund 200 Tieren ganz unterschiedlicher Rassen und Farbschläge laden die Mitglieder des Rassegeflügelzuchtvereins Zetel und Umgebung an diesem Wochenende ein. Am Sonnabend, 21., und Sonntag, 22. November, ist die Schau im Haus der Geflügelzüchter, Osterende 9 in Zetel, jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Es gibt eine Cafeteria und eine Tombola – und viele ganz unterschiedliche Hühner zu sehen.

Schriftführer seit 1964

Einer der Mitglieder des Vereins ist Georg Eilers. Er hat 53 Jahre lang Rassehühner gezüchtet. In diesem Jahr ist es das erste Mal seit seinem Vereinseintritt 1962, dass er nicht selbst ausstellt. Er hat keine Hühner mehr. Der 84-Jährige hat seine Zucht aufgegeben.

„Früher gehörte das einfach dazu, jeder hatte Hühner am Haus“, sagt Georg Eilers. Seine Großeltern hatten Hühner, seine Eltern hatten Hühner, alle Nachbarn hatten Hühner. Doch das ist vorbei. Er war zuletzt der einzige in der Nachbarschaft, der gezüchtet hat. Jetzt hat er seine knapp 40 Tiere verkauft, den Stall baut er gerade ab. „Einmal im Leben ist Schluss“, sagt Eilers. Die Arbeit – das Saubermachen von Käfigen und Ausläufen, das Füttern und die Pflege – könne er nicht mehr so leisten wie früher.

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Aber die Leidenschaft für die Geflügelzucht lässt ihn trotzdem nicht einfach los. Deswegen ist er immer noch im Verein – und der braucht ihn. Denn seit 1964 übernimmt Eilers die Aufgaben des Schriftführers.

Verein übersteht Krisen

So mancher Züchter muss seine Leidenschaft aus Altersgründen aufgeben. „Wir haben auch fünf Jugendliche, die angefangen haben, zu züchten. Aber ob sie dabeibleiben, weiß man ja nicht. Irgendwann kommen sie in ein Alter, in dem andere Dinge wichtiger sind“, sagt Georg Eilers.

Es ist nicht einfach für die Geflügelzüchter – auch der Vorsitzende, Franz Wilkenjohanns, legt sein Amt bald nieder, aus gesundheitlichen Gründen. Ob diese Entwicklungen dem Verein aber wirklich etwas anhaben können, steht auf einem anderen Blatt. Denn der Rassegeflügelzuchtverein Zetel hat eine bewegte Geschichte mit vielen schweren Zeiten – und hat sie immer überstanden. Heute hat der Verein mehr als 40 Mitglieder und damit fast genauso viele wie im Gründungsjahr 1907. Hunderte Besucher kommen zu den Schauen und die Tiere haben eine große Qualität. Und die Züchter erzählen den Besuchern gern etwas über ihre Leidenschaft, die Rassegeflügelzucht.

Vereinsleben 1937: Geselligkeit mit Hahn BILD: Verein
Vereinsleben 1937: Geselligkeit mit Hahn BILD: Verein

Lange Geschichte – eine Auswahl

Die erste Vereinsschau war am 13. Dezember 1908 im damaligen Vereinslokal Hotel „Zur Börse“.

Im Jahr 1913 fand die erste Verbandsausstellung in Zetel statt – und weil Tiere aus der ganzen Region ausgestellt wurden, erteilte die Großherzogliche Eisenbahndirektion dem Zeteler Verein die Erlaubnis, die Tiere von außerhalb ohne Frachtkostenberechnung zurückzusenden.

Im ersten Weltkrieg wurden viele Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen. Die daheimgebliebenen Mitglieder schickten ihnen von Zeit zu Zeit Feldpostpakete. Der Vorsitzende bat die Züchter, sich nicht wegen der zunehmenden Futterknappheit von den guten Zuchttieren zu trennen, weil sicher bald wieder bessere Zeiten kämen.

50 Mark kostete das Standgeld bei der Ausstellung 1922 – wegen der Inflation.

1931 fiel die Schau aus, weil die wirtschaftliche Lage so schlecht war und viele Züchter wegen der Wirtschaftskrise weder Arbeit noch Geld hatten – oft nicht einmal genug für den Mitgliedsbeitrag.

Zu Kriegsbeginn 1939 wurde noch eine kleine Ortsschau durchgeführt. Doch: „Aufzeichnungen für die Zeit danach sind nicht vorhanden, so daß bis zum Jahr 1946 nichts berichtet werden kann“, heißt es in der Vereinschronik zum 100-jährigen Bestehen aus dem Jahr 2008.

Nur ein „Trümmerfeld“ war 1946 vom Verein übrig geblieben, als sich die Züchter zum ersten Mal wieder trafen. Der Kassenwart, Renke Hobbie, wurde in Russland vermisst.

Die Geflügelpest in der Wirtschaftsgeflügelzucht hatte zur Folge, dass ab 1952 alle Tiere geimpft sein mussten. Viele Züchter hörten auf, Jungtiere aufzuziehen.

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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